Wal-Transport fährt auf Ostsee weiter Richtung Fehmarn

Simon Binz
Simon Binz, Keystone-SDA

Deutschland,

Nach 28 Tagen auf der Sandbank schwimmt der Meeressäuger nun in einer Spezial-Barge Richtung Atlantik. Dort wartet eine Buckelwal-Herde auf ihn.

Timmy Wal Poel
Geschafft! Buckelwal Timmy schwimmt nach 28 Tagen auf der Sandbank in der Spezial-Barge Richtung Freiheit. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Buckelwal Timmy hat nach 28 Tagen auf der Sandbank vor Poel die offene Ostsee erreicht.
  • Schlepper «Robin Hood» bringt ihn in einer Spezial-Barge in Richtung Atlantik.
  • Dort wartet eine Buckelwal-Herde, in die Timmy ausgewildert werden soll.

Es ist die letzte Etappe einer beispiellosen Rettungsaktion. Buckelwal Timmy hat seine Sandbank vor der Insel Poel hinter sich gelassen und befindet sich auf dem Weg in den Atlantik.

Was glaubt ihr – schafft Timmy es zurück in die Freiheit?

Dort soll er auf eine bereits gesichtete Herde Artgenossen treffen und in die Freiheit entlassen werden. An Bord sind ein «Free Willy»-Team aus Island und zwei Tierärztinnen.

Die genaue Route bleibt zwar geheim. Im Nau.ch-Ticker erfährst du aber alles sonstige zur Mission Timmy.

Meeresbiologe: Für diesen Wal gibt es keinen Präzedenzfall

13.08: Der von Helfern aus einer flachen Bucht vor der deutschen Ostseeinsel Poel geborgene Buckelwal sprengt nach Worten des Meeresbiologen und Walforschers Fabian Ritter bisher alle Erfahrungswerte der Wissenschaft.

«Ja, es steckt Lebenswillen in ihm, keine Frage», sagte Ritter der Deutschen Presse-Agentur (DPA).

«Üblicherweise überleben Grosswale wiederholte Strandungen nur um wenige Tage.» Dies habe zu der Empfehlung geführt, den Wal in Würde sterben zu lassen und keine Rettungsmassnahmen vorzunehmen. «Dass sich das anders und zu einem Drama ohne gleichen entwickelt, konnte keiner wissen.»

Wal
Schleswig-Holstein, Fehmarn: Der Wal liegt in einem gefluteten Lastschiff kurz vor der dänischen Grenze. - keystone

Der Ausgang der in dieser Art bisher einmaligen Rettungsaktion ist aus Sicht von Ritter auch noch völlig offen. Der Transport in ungewohnter und lauter Umgebung sei sehr stressig für das Tier. «Wir wissen nicht, was das mit dem Wal macht», sagte er. Es gebe keine Präzedenzfälle.

Grundsätzlich sei der Gesundheitszustand des Wals nicht gut. «Das sagen alle, auch die Befürworter der Rettungsaktion.»

Es gebe eine lange, traumatische Vorgeschichte. Das Tier habe sich in Netzen verfangen, sei wochenlang herumgeirrt und habe fünf Selbststrandungen hinter sich. «Das sind deutliche Zeichen, dass der Wal alles andere als fit ist.»

Ministerium: Wal liegt in Barge auf Sandbett

10.54: Der aus einer flachen Bucht vor der deutschen Ostseeküste geborgene Buckelwal liegt während seines Transports in Richtung Nordsee in einem gefluteten Lastschiff auf einem Bett aus Sand.

Das Tier sei quasi sein eigener Anker, sagte ein Sprecher des Umweltministers des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommen, Till Backhaus, in Schwerin.

Der Wal sei nicht angebunden. Am Mittag wollen der Minister und Beteiligte der Rettungsaktion über den aktuellen Stand berichten.

Sachverständige: Wal dürfte im tiefen Wasser kaum überleben

10.45: Viel wurde über ein vermeintlich gutes Ende gejubelt, nachdem der vor der deutschen Ostseeinsel Poel gestrandete Buckelwal erfolgreich in den Lastkahn getrieben war – Experten der Internationalen Walfangkommission (IWC) warnen jedoch vor einem Trugschluss.

«Das Tier scheint schwer geschädigt zu sein und dürfte selbst bei einer Verbringung in tieferes Wasser kaum überleben», hiess es vom zuständigen Expertengremium für Strandungen.

«Nach unserer Einschätzung bedeuten diese Massnahmen, obwohl sie gut gemeint sind, eine erhebliche zusätzliche Belastung für ein Tier, das bereits schwer erkrankt ist, und bringen letztlich kaum Nutzen.»

Bewegt sich mit «sehr langsamer Geschwindigkeit»

07.04: Laut dem Schiffs-Ortungsdienst VesselFinder befand sich der Schleppverband am frühen Morgen circa 6 Seemeilen (rund 11 Kilometer) südöstlich von Fehmarn. Der Transport bewege sich mit «sehr langsamer Geschwindigkeit» in Richtung der Insel, sagte ein Sprecher der begleitenden Wasserschutzpolizei.

Nach Plänen einer privaten Rettungsinitiative soll der Wal in einer mehrtägigen Aktion um die Nordspitze Dänemarks herum durch das Skagerrak in die Nordsee gebracht und dann freigelassen werden.

Atlantik als Ziel: Bei dieser Familie soll Timmy ein neues Leben starten

05.00: Timmys Reise hat ein klares Ziel: Den offenen Atlantik. Wie «Bild» berichtet, wurde dort bereits eine Buckelwal-Herde ausfindig gemacht, bei der Timmy freigelassen werden soll. Buckelwale sind sehr soziale Tiere und kümmern sich umeinander – die Hoffnung der Retter ist, dass sie auch ihren Artgenossen aus der Ostsee aufnehmen.

Die genaue Route bleibt geheim. Chef-Taucher Fred Babbel sagte gegenüber «Bild», die Reise starte zunächst in Richtung Wismar. Auf einer Seite für Schiffsbewegungen ist allerdings bereits vermerkt, dass der mutmassliche Schlepper «Robin Hood» am 2. Mai in Skagen an der Nordspitze Dänemarks ankommen soll. Dort führt der Weg in die Nordsee.

Wal Timmy
Der Schlepper «Robin Hood» zieht den motorlosen Lastkahn mit Timmy hinaus auf die offene Ostsee. - Keystone

Damit das Wiedersehen mit den Artgenossen auch verfolgt werden kann, trägt Timmy ab sofort einen Peilsender. Sponsor und Unternehmer Walter Gunz zu «Bild»: «Ja, er wurde mittlerweile angebracht. Weil es ihn nicht in Europa gibt, wurde er in den USA gekauft und aus Washington eingeflogen.»

An Bord des Forschungsschiffs «Fortuna B» sind die Tierärztinnen Anne Herrschaft und Dr. Kirsten Tönnies sowie das «Free Willy»-Team aus Island. Letzteres soll Timmy mit Schwimmübungen fit für die Auswilderung machen. Geplant ist eine Nonstop-Fahrt in den Atlantik ohne Zwischenstopp.

Timmy hat die offene Ostsee erreicht

02.00: Der Transport mit Buckelwal Timmy hat die offene Ostsee erreicht. Wie ein Sprecher der Wasserschutzpolizei Wismar am späten Dienstagabend mitteilte, begleitete ein Polizeischiff das Gespann aus Schlepper und Barge samt Wal nördlich der Insel Poel bis zur offenen See. Wegen starken Windes drehte die Polizei dann ab. Der Transport setzt seine Fahrt nun in Richtung der Insel Fehmarn fort.

Timmy Wal
An Bord der «Fortuna B»: Zwei Tierärztinnen und das «Free Willy»-Team aus Island überwachen Timmys Gesundheit. - Keystone

Zuvor war Timmy stundenlang durch eine eigens ausgebaggerte Rinne zur Barge bugsiert worden. Um 14.45 Uhr am Dienstagnachmittag schwamm der Meeressäuger schliesslich im abgesenkten Lastkahn. Der mit Wasser gefüllte Spezialkahn wurde anschliessend aus der Kirchsee in die Wismarbucht gebracht, wo der Schlepper «Robin Hood» ihn an den Haken nahm. Seit dem 31. März hatte Timmy vor Poel festgelegen.

Kommentare

User #1024 (nicht angemeldet)

Für die sind deren regierungen zu ständig.

User #3725 (nicht angemeldet)

«Wal dürfte im tiefen Wasser kaum überleben»

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