Nicht nur Timmy leidet: Viele Wale «sterben unbemerkt auf See»

Laurin Zaugg
Laurin Zaugg

Deutschland,

Seit Wochen zieht der gestrandete Buckelwal vor der deutschen Insel Poel viel Aufmerksamkeit auf sich. Er ist nicht der einzige Wal, der in der Ostsee leidet.

Schweinswal
Schweinswale, die einzigen in der Ostsee heimischen Wale, sind stark bedroht. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit Wochen ist der in Deutschland gestrandete Buckelwal Timmy in den Schlagzeilen.
  • Dabei geht vergessen, dass in der Ostsee eine andere Walart vom Aussterben bedroht ist.
  • Eine Expertin erklärt, warum der Einzelfall von Timmy so viel Aufmerksamkeit erhält.

Seit Wochen gibt es täglich die neusten Updates rund um den gestrandeten Wal Timmy in der deutschen Ostsee. Zahlreiche Medienkonferenzen, praktisch ununterbrochene Liveticker und unzählige Artikel berichten über das Leid des Tieres.

Dabei ist Timmy bei weitem nicht der einzige Wal in der Ostsee, der leidet. Abseits der medialen Öffentlichkeit ist eine andere Walart vom Aussterben bedroht.

Das grosse Interesse an Buckelwal Timmy habe vor allem mit der Seltenheit solcher Ereignisse zu tun, sagt Nathalie Dubois. Sie ist Präsidentin der schweizerischen Kommission für Ozeanographie und Limnologie (KOL) und Titularprofessorin an der ETH Zürich.

«Wale gelten als intelligente, soziale Tiere, zu denen Menschen eine besondere emotionale Verbindung haben. Sichtbare Einzelschicksale erzeugen starke Emotionen und dominieren das mediale Ökosystem», so Dubois.

Schweinswale sterben im Stillen

Das stille Sterben anderer Arten – etwa Schweinswale in Stellnetzen – bleibe meist unbemerkt, obwohl es viel häufiger vorkomme. «Dramatische Geschichten verbreiten sich besser als komplexe ökologische Zusammenhänge», sagt die Professorin.

Wie der Umwelt- und Naturschutzverband «Bund» schreibt, sterben jährlich alleine durch dänische und schwedische Stellnetzfischerei 900 Schweinswale in der Ostsee.

Über 70 Schweinswale gestorben, während Timmy festsass?

Während der rund 30 Tage, in denen Timmy vor der Insel Poel feststeckte, sind demnach wohl über 70 Schweinswale gestorben. Darüber redet jedoch niemand. «Viele Tiere sterben unbemerkt auf See», sagt Nathalie Dubois.

Bei Schweinswalen sei bekannt, dass jedes Jahr mehr Tiere sterben, als sich die Population erholen kann. «Die Walbestände in der Ostsee werden nur grob geschätzt und Todesfälle werden selten dokumentiert», so Dubois.

Der Berliner Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter erklärt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, wie dramatisch die Situation ist: «Die sind wirklich akut vom Aussterben bedroht.»

Timmy lenke den Blick auch auf andere Probleme

Ein Einzelfall kann laut Dubois dennoch als «Katalysator» dienen, um strukturelle Probleme sichtbar zu machen: «Er macht abstrakte Umweltprobleme greifbar.» Der Fall zeige, wie Klimawandel und veränderte Meeresbedingungen Tiere in ungewohnte Gebiete treiben.

Zudem bringe er Aufmerksamkeit für unsichtbare Bedrohungen: «Der Buckelwal lenkt den Blick auf Beifang, Schiffsverkehr, Lärm, Plastik und Geisternetze.» All dies seien Risiken, die Schweinswale und andere Arten täglich betreffen.

Schafft Timmy den Weg in die Nordsee?

Ein einzelnes Tier könne Menschen emotional erreichen und Engagement für Meeresschutz auslösen. «NGOs nutzen solche Ereignisse, um strengere Schutzmassnahmen einzufordern.»

Es bleibt abzuwarten, ob die mediale Aufmerksamkeit rund um Timmy langfristig zum Schutz von Walen in der Ostsee beiträgt.

Kommentare

User #2036 (nicht angemeldet)

Schreibt doch mal über die tausende von ungeborenen Kinder.

User #1229 (nicht angemeldet)

Sterben jetzt die Wale am Klimawandel oder an Stellnetzen?

Weiterlesen

Jenna Wallace
33 Interaktionen
«Lächerliche Leute»
Belugawal
62 Interaktionen
Nach Timmy-Drama

MEHR IN NEWS

Samsung
Spekulationen
Eringerkühe Kämpfe
1 Interaktionen
Eringerkämpfe

MEHR AUS DEUTSCHLAND

Wal
236 Interaktionen
Es gibt Probleme
Menowin Fröhlich
Baby-News
wer wird millionär Ersatz
2 Interaktionen
«Furchtbar»
Beatrice Egli
17 Interaktionen
Ooops!