Wer angesichts der explodierenden Gaspreise seine Heizung vor dem Winter noch auf Vordermann bringen lassen will, hat ein Problem. Denn die Auftragsbücher der Handwerker sind voll.
Angesichts der Befürchtungen vor einem Gasmangel im Winter kann sich die Heizungsbranche vor Aufträgen schon jetzt kaum retten.
Angesichts der Befürchtungen vor einem Gasmangel im Winter kann sich die Heizungsbranche vor Aufträgen schon jetzt kaum retten. - Marcus Brandt/dpa
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Doch Hausbesitzer und Wohnungseigentümer, die damit angesichts dramatisch gestiegener Energiepreise und möglicher Engpässe Ernst machen wollen, haben ein Problem. Handwerker, die die Heizung warten oder modernisieren, sind auf die Schnelle kaum zu bekommen. Es kann Monate dauern, bis ein Techniker erscheint. Und wer eine Wärmepumpe einbauen lassen will, muss noch mehr Geduld haben.

Volle Auftragsbücher bei den Handwerkern

«Die Auftragsbücher sind im Moment so gut gefüllt wie selten - für den Sommer ist es ein absoluter Höchststand», fasste Frank Ebisch vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) das Ergebnis einer aktuellen Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen zusammen. Im Durchschnitt seien die Firmen für 18 Wochen ausgelastet.

Dass Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) nun alle Eigentümer und Eigentümerinnen von Gasheizungen verpflichten will, bis zum Ablauf der übernächsten Heizperiode 2023/24 einen Heizungscheck vorzunehmen, begrüsst der Verband. «Keiner der ein Auto fährt, lässt es ohne Inspektion 10 Jahre rollen, bei der Heizung sieht das anders aus», sagte Ebisch. Doch müssten die Heizungsbesitzer Geduld haben: «Man kann nicht 20 Millionen Heizungen bis Weihnachten optimieren. Das ist völlig unrealistisch.»

Lange Wartezeiten für die Kunden

Tatsächlich müssen sich die Kunden wohl häufig auf längere Wartezeiten einstellen und so manche gewünschte Modernisierung lässt sich vielleicht auch vor dem nächsten Winter gar nicht mehr realisieren. «Einen Handwerksbetrieb zu finden, der die Heizung wartet oder auch einen neuen Heizkessel einbauen zu lassen, das ist vor dem Winter noch machbar. Vielleicht dauert es zwei Monate bis der Handwerker kommt», sagt die Energieexpertin des Eigentümerverbandes Haus & Grund, Corinna Kodim.

Deutlich schwieriger werde es bei aufwendigeren Arbeiten wie einem hydraulischen Abgleich der Heizung. «Das kann zwar viel Energie sparen, aber dafür scheinen nicht genügend Kapazitäten bei den Handwerksbetrieben vorhanden zu sein. Da sagen viele ab», berichtet sie. Und es kann auch noch schlimmer kommen. «Beim Einbau von Wärmepumpen müssen sich die Kunden auf Wartezeiten von bis zu einem Jahr einstellen», sagt die Branchenkennerin. «Für viele Heizungsfirmen ist das noch Neuland. Da macht sich der Fachkräftemangel bemerkbar und Lieferengpässe spielen auch eine Rolle. Alle die es können sind ausgelastet und schieben Aufträge vor sich her.»

Fachkräftemangel

Tatsächlich ist der Fachkräftemangel in Berufen der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik nach der jüngsten Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftemangel des Instituts der Deutschen Wirtschaft besonders gross - sowohl, was Gesellen als auch was Meister angeht. «In diesen drei Berufen gab es für 100 offene Stellen bundesweit nur etwa über 20 passend qualifizierte Arbeitslose», schrieben die Wissenschaftler in der Studie. Rechnerisch könnten also 80 Prozent aller offenen Stellen nicht besetzt werden. In vielen Betrieben bremst das die Abarbeitung der vollen Auftragsbücher.

Fehlendes Material

Doch fehlt es nicht nur an Fachkräften, sondern oft auch am Material - vom Heizkessel über die Steuerungstechnik bis zur Wärmepumpe. «Fast 95 Prozent der Betriebe berichten von Lieferproblemen», sagte Ebisch. Vor der Pandemie hätten nur 31 Prozent der Betriebe über Probleme geklagt, das notwendige Material zu bekommen. Besonders gravierend seien die Schwierigkeiten bei den begehrten Wärmepumpen. «Es ist im Moment keine Wärmepumpe verfügbar auf dem Markt. Das Personal ist da, das Material nicht», sagte Ebisch.

Appelle an die Handwerker

Der Präsident der Bundesnetzagentur warb angesichts der Engpässe dafür, «dass sich alle Handwerker stark auf Heizung und Warmwasserversorgung konzentrieren». Auch der Zentralverband Sanitär Heizung Klima appellierte kürzlich an das Handwerk, wo immer möglich Kapazitäten freizuschaufeln, um möglichst viele Heizungen in Deutschland besser einzustellen. «Ich glaube die Solidarität ist da», sagte Ebisch. Wenn etwa Lieferprobleme die Arbeit an einer Baustelle zum Stillstand bringen, könne diese Zeit anderorts für die Wartung von Heizungen genutzt werden.

Und Tipps zur Selbsthilfe

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gibt unterdessen Tipps zur Selbsthilfe. «Die nachträgliche Dämmung von Heizungsrohren, die schlecht oder gar ungedämmt sind, bringt schon einige Prozent Einsparung und kann mit etwas handwerklichem Geschick selbst gemacht werden», erklärt Energieexperte Reinhard Loch. Material hierfür gebe es in Baumärkten, ein Erklärvideo auf der Online-Seite der Verbraucherzentrale.

«Auch der Austausch der Thermostatköpfe gegen geeignete elektronische, programmierbare Thermostate macht sich schon in wenigen Jahren bezahlt», empfahl Loch. Ebenso der Einbau sparsamer Duschköpfe aus geeignetem Material, die Einstellung des Durchlauferhitzers auf circa 38 Grad und die grundsätzliche Reduzierung des Warmwasserverbrauchs.

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