Militärexperte: US-Übernahme von Grönland wäre «recht einfach»
Donald Trump beansprucht Grönland für die USA. Militärisch wäre eine Übernahme laut Experten machbar – politisch regt sich in Europa Widerstand.

Das Wichtigste in Kürze
- Militärisch wäre eine US-Übernahme Grönlands laut Experten derzeit gut machbar.
- Mehrere europäische Staaten stellen sich geschlossen hinter Grönland und Dänemark.
- Sicherheitsexperten erwarten eher politischen Druck als eine direkte Militäroperation.
US-Präsident Donald Trump hat seinen Anspruch auf Grönland zuletzt erneut bekräftigt. Sein stellvertretender Stabschef Stephen Miller erklärte im US-Fernsehen, Grönland solle Teil der USA sein. Er verkündete ausserdem siegessicher: «Niemand wird gegen die USA um die Zukunft von Grönland kämpfen.» Die Aussagen lösten in Europa scharfe Reaktionen aus.
Mehrere europäische Staaten stellten sich daraufhin geschlossen hinter Grönland und Dänemark. In einer gemeinsamen Erklärung heisst es, allein Dänemark und Grönland entschieden über ihre Angelegenheiten: «Grönland gehört seinem Volk».
Unterzeichnet wurde die Stellungnahme unter anderem von Friedrich Merz, Keir Starmer und Emmanuel Macron. Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen warnte zudem, ein Angriff auf Grönland käme einem Ende der Nato gleich.
Wird Grönland etwa zu «Krim 2.0»?
Militärisch sieht der österreichische Militärexperte Gustav Gressel dennoch klare Vorteile auf US-Seite. Eine militärische Übernahme Grönlands wäre aus seiner Sicht «gegenwärtig recht einfach», wie er der «Bild» erklärt. Vor Ort gebe es nur «schwache dänische Kräfte» und «etwas Ortspolizei». Die Siedlungen lägen isoliert an der Küste, es gebe kaum Deckung oder Versteckmöglichkeiten.
Entscheidend wäre dabei laut Gressel die Luftüberlegenheit der US-Kräfte. Die Verbindungswege führten über den Luftweg, der Luftraum lasse sich aus seiner Sicht durch die US-Luftwaffe leicht kontrollieren. Verstärkungen aus Europa über den Atlantik zu schicken, wäre für Dänemark kaum möglich.
Gressel beschreibt ein rasches, punktuelles Vorgehen, bei dem kleine Einheiten zentrale Infrastruktur wie Regierungsgebäude, Hafen und Flughafen sichern würden. «Dazu reichen kleine Gruppen», so der Hauptlehroffizier und Forscher an der Landesverteidigungsakademie des Österreichischen Bundesheeres.
Militärisch sei die Lage aus seiner Sicht ähnlich eindeutig, wie gerade erst in Venezuela gesehen: «Die könnte man aus der Luft sofort ausschalten», und bei Widerstand kämen sie «kaum dazu, noch einen Amerikaner mit in den Tod zu nehmen».
«Durchaus wahrscheinlich, dass es unschön wird»
Politisch würde danach Druck auf die lokalen Behörden aufgebaut, die US-Herrschaft zu akzeptieren oder nach Dänemark zu gehen. Gressel spricht von «Krim 2.0» und zieht Parallelen zum Vorgehen Russlands 2014. Auch den etwa 250 dänischen Soldaten auf der Insel würde man einen Abzug anbieten.
Doch wie realistisch ist ein solches Szenario? Gressel hält eine Eskalation für gut möglich. Er sagt, es sei «durchaus wahrscheinlich, dass es unschön wird». Trump stehe innenpolitisch unter Druck und fürchte die anstehenden Midterms – in der Aussenpolitik habe er als Präsident «relativ freie Hand».

Gressel geht zudem davon aus, dass Trump in die amerikanischen Geschichtsbücher eingehen wolle. Eine territoriale Erweiterung sei aus dessen Sicht der effektivste Weg. Dass dabei das US-Bündnissystem zerbrechen könnte, nehme Trump laut Gressel in Kauf. Eine «kostenfreie und nicht verlustreiche Gebietserweiterung» sei für ihn eine «zu tief hängende Frucht», warnt der Experte.
«Politik des maximalen Drucks» – Rubio spricht von «Kauf»
Eine zurückhaltendere Einschätzung kommt vom Sicherheitsexperten Nico Lange. Er sagte im BILD-Vodcast «Vertraulich», er sei sich nicht sicher, ob es tatsächlich um eine militärische Operation gehe. Möglich sei vielmehr eine «Politik des maximalen Drucks», um über rechtliche Konstruktionen wie Pacht oder Ausleihe Einfluss zu gewinnen. Eine typische Strategie der US-Regierung unter Trump.
Diese Analyse wird unterstützt durch die jüngsten Aussagen von Regierungssprecherin Karoline Leavitt, die mit einem Militäreinsatz drohte, aber nicht konkret wurde: «Der Präsident und sein Team erörtern eine Reihe von Optionen, um dieses wichtige aussenpolitische Ziel zu erreichen, und selbstverständlich steht dem Oberbefehlshaber der Einsatz des US-Militärs jederzeit als Option zur Verfügung.»

Aussenminister Marco Rubio, der aktuell auch Trumps Nationaler Sicherheitsberater ist, sagte Medienberichten zufolge hingegen in einer vertraulichen Sitzung mit US-Abgeordneten, dass die jüngsten Drohungen keine militärische Invasion signalisieren sollten. Das Ziel sei ein Kauf Grönlands, berichteten das «Wall Street Journal» und die «New York Times» unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertrauter Personen.
Offiziell begründet Trump sein Interesse an Grönland mit nationaler Sicherheit und verweist auf chinesische und russische Aktivitäten in der Arktis. Experten sehen daneben vor allem wirtschaftliche Motive: Grönland verfügt über wertvolle Rohstoffe wie Seltene Erden.

















