83 von 216 Vogelarten gelten im Norden als gefährdet. Verstärkter Getreideanbau und weniger Brachen sind Gründe dafür, aber nicht nur.
Ein Weissstorch kümmert sich um Jungtiere. Bei dieser Vogelart steigen die Brutbestände.
Ein Weissstorch kümmert sich um Jungtiere. Bei dieser Vogelart steigen die Brutbestände. - Uwe Anspach/dpa/Symbolbild

Das Wichtigste in Kürze

  • Mehr als jede dritte regelmässig in Schleswig-Holstein brütende Vogelart gilt als gefährdet.

Das geht aus der sechsten Roten Liste hervor, die das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) veröffentlichte.

83 von 216 Arten (38 Prozent) sind in eine Gefährdungskategorie eingestuft. Wieder steigende Brutbestände gab es dagegen bei Weissstorch und Steinkauz. Als vom Aussterben bedroht gelten 23 Arten wie Lach-, Brand-, Zwerg- und Trauerseeschwalben und die zu den Schnepfenvögeln zählende Bekassine. Als stark gefährdet führt die Rote Liste 18 Arten auf. Dazu zählen Sand- und Seeregenpfeifer, Küstenseeschwalben und Rebhühner. Weitere 13 Arten wie Kiebitz, Rotschenkel und Feldlerche gelten als gefährdet. Austernfischer, Star, Wiesenpieper und elf weitere Arten stehen in einer Vorwarnliste.

Verstärkter Maisanbau und weniger Brachen

Die Gründe für die Rückgänge seien der Umbruch von Brachen und verstärkter Maisanbau, berichtete das Landesamt. Gefahren für Gelege und Jungvögel gingen von Füchsen, Marderhunden und Wanderratten aus. Viele Küsten- und Wiesenvogelarten, die ihre Brutplätze im Feuchtgrünland, in Salzwiesen, auf Strandwällen und in Dünen hätten, wiesen deutlich geringere Bruterfolge auf.

Galten Halligen und Inseln früher als Rückzugsgebiete, drängen Fuchs und Marderhund über befestigte Lorendämme auf Halligen vor, Wanderratten erreichten Inseln und Halligen schwimmend. Zudem seien Extremwetterlagen während der Brutzeit problematisch. Ende Mai hätte das Hochwasser an der Nordsee viele Gelege und kleine Junge weggeschwemmt.

22 Arten gelten als ausgestorben

Als ausgestorben gelten 22 Arten, darunter neben dem bereits im 19. Jahrhundert ausgerotteten Schreiadler auch der Brachpieper, der noch bis in die 2000er-Jahre im Land brütete. Dagegen gehören Fischadler, die im 19. Jahrhundert ebenfalls zwischenzeitlich im Land ausgerottet waren, laut dem Landesamt seit 2014 wieder zu den regelmässigen Brutvögeln.

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