Volkswagen

    Umbauplan für VW: Durchbruch oder Spiel auf Zeit?

    Keystone-SDA
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    Deutschland,

    Der VW-Konzern steht vor dem grössten Umbau seiner Geschichte. Zahlreiche Massnahmen stehen an – darunter der Abbau Zehntausender Jobs. Zudem zeichnen sich bereits die nächsten Streitpunkte ab.

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    Der VW-Konzern steht vor dem grössten Umbau seiner Geschichte. - keystone

    Am Donnerstagabend um 20.30 Uhr wird bekannt, was viele Beobachter nicht mehr für möglich gehalten haben: Die 20 Aufsichtsräte von Volkswagen billigen nach wochenlangem Ringen einen umfassenden Plan für die Zukunft des Konzerns. Einer der Gewinner an diesem Abend heisst sicher Oliver Blume. Der Vorstandschef hat nun das Mandat für das «strategisch tiefgreifendste Transformationsprogramm» in der VW-Geschichte.

    Branchenexperten werteten die Einigung als Durchbruch, die Aktie gewann am Tag danach deutlich. Aber: Der Zukunftsplan steckt vor allem den Rahmen für den Konzernumbau ab – viele konfliktträchtige Entscheidungen stehen noch aus. Vier Erkenntnisse nach einem denkwürdigen Abend:

    Der Reformbedarf bei Europas grösstem Autobauer ist inzwischen weitgehend Konsens. Der Vorstand, die Eigentümer um die Grossaktionärsfamilien Porsche und Piëch, das Land Niedersachsen und die Arbeitnehmer stritten zum Schluss nicht mehr grundsätzlich darüber, dass Volkswagen Kosten senken, Strukturen vereinfachen und profitabler werden muss. Ungeklärt war aber, wie schnell und tiefgreifend der Umbau kommt – und insbesondere, wer die Lasten trägt.

    Im Juli waren die Sparpläne noch durchgefallen. Es folgte eine wochenlange Auseinandersetzung – samt einer Reihe von Betriebsversammlungen. Vor der neuerlichen Sitzung der Kontrolleure, die eigentlich für Freitag angesetzt war, standen alle Zeichen auf Sturm. Berichten zufolge soll sich das Management sogar darauf vorbereitet haben, bei einer Ablehnung eine ausserordentliche Hauptversammlung einzuberufen. Doch dazu kam es nicht. Weitreichende Kompromisse sind also noch möglich im VW-Kosmos.

    Die Arbeitnehmerseite wertete den Beschluss als Deeskalation. Man habe den Weg für tragfähige Lösungen geebnet. IG-Metall-Chefin Christiane Benner und VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo sparten aber auch nicht an Kritik: «Der Konfrontationskurs und die Kommunikation des Vorstands in den vergangenen Wochen waren nicht zielführend», hiess es in einer gemeinsamen Erklärung.

    Beides habe konzernweit in der Belegschaft zu grosser Verunsicherung geführt. Die Arbeit fange jetzt aber erst an: «Wir erwarten, dass der Vorstand auf der Grundlage des (...) Kompromisses nun seine Hausaufgaben erledigt und zügig Ergebnisse vorlegt.»

    Volkswagen machen unter anderem die gesunkene Nachfrage nach Autos und die Konkurrenz chinesischer Autobauer zu schaffen. Um künftig noch mithalten zu können, «ist eine konsequente Anpassung der Personalkapazitäten an die wirtschaftliche Realität unabdingbar». Deshalb gab der Aufsichtsrat grünes Licht für den Abbau von weiteren 50'000 Stellen weltweit. Konzernchef Blume rechnete zuletzt damit, dass davon etwa die Hälfte auf Deutschland entfällt.

    Bei der Zahl handelt es sich zwar weiterhin um eine Rechengrösse – abgeleitet von den einzusparenden Kosten. Die Grössenordnung untermauert aber, wie prekär die Lage bei Volkswagen ist. Denn erst 2024 hatten sich Management und Arbeitnehmer in Deutschland auf den konzernweiten Abbau von 50'000 Stellen bis 2030 geeinigt. Vorausgegangen waren zähe Verhandlungen.

    Die Einzelheiten des Abbauprogramms sind noch offen – und müssen erst mit Betriebsrat und Gewerkschaften ausgehandelt werden. Anzunehmen ist, dass der Abbau den Konzern viel Geld kosten wird. Die Gespräche sollen zügig aufgenommen werden. Bisher setzt der Autobauer vor allem auf Altersteilzeit und Abfindungen. Betriebsbedingte Kündigungen sind bei VW bis 2030 ausgeschlossen, bei Töchtern teils länger. Ende 2025 beschäftigte der Konzern weltweit knapp 663'000 Menschen, davon etwa 284'000 in Deutschland.

    Besonders gross war die Verunsicherung in den vergangenen Wochen an vier Standorten des VW-Konzerns in Deutschland: Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm (Audi). Daran dürfte sich auch nach dem Aufsichtsratsbeschluss nichts ändern. Die Aufseher haben demnach zur Kenntnis genommen, dass in Europa eine Produktionsüberkapazität von 500.000 Fahrzeugen besteht und für die vier Werke aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung – gestaffelt ab den Jahren 2031 bis 2034 – gewährleistet werden kann.

    Die vom Vorstand nach Konzernkreisen präferierten Schliessungen der Werke sind damit zwar nicht besiegelt. Die Lösungssuche dürfte aber kompliziert werden. Denn selbst die Arbeitnehmervertreter erkennen an: «Die Kostennachteile sind vorhanden und bisher noch derart gross, dass in anderen Unternehmen gar keine Debatte mehr über einen Fortbestand geführt werden würde.» Bei VW bleibe die Tür dafür nun aber geöffnet. Sollte sie in nächster Zeit doch noch geschlossen werden, dürfte das nicht ohne grossen Knall geschehen.

    Wie es mit den Werken weitergeht, dürfte bis Ende Juni 2027 feststehen: Bis dahin soll für alle Produktionen in Europa ein Konzept für eine wettbewerbsfähige Struktur erarbeitet werden. Für die vier angezählten Standorte in Deutschland sollen parallel und ergänzend «alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft» werden. Im Gespräch war zuletzt, Werke zeitweise für die Rüstungsproduktion zu nutzen, und auch der Bau chinesischer VW-Modelle in Deutschland.

    Zu den umstrittensten Ideen des Vorstands gehörte Medienberichten zufolge die Ausgliederung der Kernmarke VW und der Sparte, die für die Fertigung von Auto-Komponenten zuständig ist. Aus Sicht von Benner und Cavallo sind diese Vorschläge vom Tisch.

    Wie Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sahen sie darin einen Angriff auf die Mitbestimmungsstrukturen. Dieser sei abgewehrt worden. Das Land hält 20 Prozent an Volkswagen und hat dadurch massgeblichen Einfluss auf wichtige Entscheidungen bei Volkswagen.

    Beerdigt ist die Idee einer grundlegenden Neuordnung des Konzerns damit aber nicht. Denn der Aufsichtsrat hat den Vorstand beauftragt, ein Modell für «eine fortentwickelte Entscheidungs- und Konzernstruktur des Volkswagen-Konzerns zu entwickeln». Das Thema dürfte damit wieder schneller auf der Agenda landen, als vielen Akteuren lieb ist.

    Kommentare

    User #4793 (nicht angemeldet)

    Die sind am Ende..

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