Im Ukraine-Krieg haben die Russen ein Getreidelager bombardiert und die Blockade der Häfen verschärft. Eine globale Ernährungskrise wird wahrscheinlicher.
Ukraine-Krieg
Wladimir Putins Truppen kontrollieren das Schwarze Meer und lassen offenbar keine Getreidelieferungen aus der Ukraine mehr zu. - AFP
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Das Wichtigste in Kürze

  • Russland kontrolliert das schwarze Meer und lässt keine Schiffe ein- oder auslaufen.
  • Deshalb sitzen Millionen Tonnen Getreide in ukrainischen Häfen und auf Schiffen fest.
  • Experten warnen vor einer dramatischen Ernährungskrise.

Der Welt könnte wegen dem Ukraine-Krieg eine Ernährungskrise drohen. Davor warnen Experten seit Beginn des Einmarschs der Russen in dem osteuropäischen Land. Zuletzt hat sich die Situation aber offenbar deutlich verschärft.

Millionen Tonnen dringend benötigter Lebensmittel könnten derzeit nicht genutzt werden, das teilt das UN-Welternährungsprogramm am Montag mit. «Derzeit sitzen knapp 4,5 Millionen Tonnen Getreide in ukrainischen Häfen und auf Schiffen fest», wird der Direktor Martin Frick zitiert.

Fürchten Sie sich vor einer globalen Ernährungskrise?

Probleme bei der Ausfuhr gibt es derzeit unter anderem, weil Häfen und Seewege von den Russen blockiert werden. Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte davor, dass dies Dutzenden von Ländern die Grundversorgung von Nahrungsmitteln entziehen werde.

Russland zerstört im Ukraine-Krieg ein Getreidelager

Wie Berichte zeigen, versuchen die Russen aber offenbar auch auf anderen Wegen die Lebensmittel-Lieferungen aus der Ukraine zu behindern. So wurde laut Kiew im Bezirk Synelnykove in der südöstlichen Region Dnipropetrowsk ein Angriff auf ein Getreidelager lanciert.

Präsident Selenskyj sagte am Montag: «Sie zielten auf die Lagerhäuser der landwirtschaftlichen Betriebe von Selena. Das Getreidelager wurde zerstört.» Ein Video, das am Montag auftauchte, zeigte den Angriff. Auch das Lager mit Düngemitteln wurde nach Angaben von Selenskyj beschossen.

Der Ukraine-Präsident forderte die Staatschefs der Welt auf, sich auf eine neue Lebensmittelkrise vorzubereiten. Gegenüber «60 Minutes» sagte Selenskyj: «Russland lässt keine Schiffe ein- oder auslaufen, sie kontrollieren das schwarze Meer.» Russland wolle die Wirtschaft seines Landes vollständig blockieren. «Die Ukraine könnte zig Millionen Tonnen Getreide verlieren.»

Ukraine-Krieg könnte globale Ernährungskrise auslösen

Bis Kriegsbeginn war die Ukraine einer der weltweit wichtigsten Erzeuger von Weizen sowie ein grosser Mais-Produzent. UN-Angaben zufolge wurden 2020 beispielsweise gut 30 Millionen Tonnen Mais und knapp 25 Millionen Tonnen Weizen in dem Land geerntet.

Viele Länder, etwa in Nordafrika und auch Westafrika, sind abhängig von günstigem Weizen aus der Ukraine. Ägypten und Tunesien importieren 80 Prozent ihres Getreides aus der Ukraine und Russland. Der Libanon bezieht 60 Prozent seiner Vorräte aus den beiden Ländern.

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Russland und die Ukraine sorgen für ungefähr einen Drittel der weltweiten Weizenversorgung. Wegen dem Ukraine-Krieg droht nun eine Ernährungskrise. - Keystone

Auch für die weltweite Ernährungshilfe ist das Getreide entscheidend, wird Martin Frick in der Mitteilung des UN-Welternährungsprogramms weiter zitiert. «Die Nahrungsmittel der Ukraine werden in der Welt dringend benötigt.»

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