Touri-Supermarkt schliesst Theke – «wegen Personalmangel»
Im beliebten österreichischen Touri-Ort Serfaus wird die Feinkost-Theke nicht mehr bedient. Der Grund: Personal-Mangel. Ist etwa auch die Schweiz daran schuld?

Das Wichtigste in Kürze
- Die österreichische Supermarkt-Kette «MPreis» muss die Feinkost-Theke schliessen.
- Als Grund steht auf einem Schild: «Personalmangel».
- Insgesamt ist Österreich aber nicht von einem Mangel im Detailhandel betroffen.
- In Grenz-Regionen kann es vorkommen, dass Personal in die Schweiz abwandert.
Im Tiroler Ski-Dorf Serfaus sorgt ein Schild in der Supermarkt-Kette «MPreis» (rund 6000 Mitarbeiter) für Aufsehen. «Feinkost-Theke aufgrund von Personalmangel derzeit nicht besetzt. Vielen Dank für dein Verständnis.»
Gleich darunter ein QR-Code mit der Aufforderung: «Bewirb dich jetzt!»
Weil zudem nicht alle Kassen bedient werden können, kommt es zu langen Schlangen. Vor allem zur Feierabend- und Après-Ski-Zeit.
Die Situation scheint verzweifelt. Auf Anfrage von Nau.ch will man sich seitens «MPreis» nicht weiter dazu äussern.
Personal-Alarm in Österreich? Nein
Stellung nimmt dafür der Geschäftsführer des österreichischen Handelsverbands, Rainer Will.
Personalmangel-Alarm in Österreich? Will winkt ab. «Es handelt sich hier um regional begrenzte Einzelfälle, die insbesondere den jüngsten Grippe-Wellen geschuldet sind.»
Von einem breitflächigen Arbeitskräftemangel könne aber zumindest im Handel nicht die Rede sein. «Die Lage hat sich in den letzten 1,5 Jahren in Österreich deutlich entspannt.»
Österreichs Wirtschaft hinkt
Der Grund dafür ist aber kein guter: Wirtschaftlich entwickelt sich Österreich nur schleppend.
2023 und 2024 folgten zwei Rezessionsjahre aufeinander. «Auch 2025 gab es nur ein minimales Plus von 0,5 Prozent. Damit bleiben wir konjunkturelles Schlusslicht in der Eurozone», konstatiert Will. (In der Schweiz rechnet der Bund mit 1,3 Prozent)

Besonders betroffen ist der Handel – im Vorjahr wurden in dieser Branche die meisten Insolvenzen verzeichnet. 1208 Firmenpleiten stehen zu Buche, also 23 Insolvenzen pro Woche. «Wir hatten damit das dritte Rekordpleitejahr in Folge.»
Trotzdem hat Will auch eine gute Nachricht: «Der Handel bleibt weiterhin robust und hat aktuell bundesweit rund 9'200 offene Stellen zu vergeben.»
So viele Österreicher arbeiten in der Schweiz
Auch in Österreich beobachte man, dass Teilzeit boomt. In manchen Grenz-Regionen könne zudem eine Rolle spielen, dass Personal in die Schweiz abwandert. Serfaus im Tirol dürfte aber nicht dazugehören.
Sowieso, erinnert Will: In 25-EU-Staaten seien die Personalkosten (Löhne) im Lebensmittelhandel niedriger als in Österreich. Nur in Belgien sind sie höher.
Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO bestätigt auf Anfrage, dass nicht mehr Arbeitskräfte aus Österreich im Schweizer Detailhandel arbeiten als früher. Detaillierte Angaben können aber nur schwer gemacht werden.
Im Jahr 2024 waren 3400 Erwerbstätige aus Österreich im gesamten Handels-Abschnitt der Schweiz tätig. Dieser beinhaltet nebst dem Detailhandel etwa auch Instandhaltung oder Reparatur von Motorfahrzeugen.



















