Die Wählern in Norwegen haben sich für einen Regierungswechsel ausgesprochen. Die Öl-Nation dürfte künftig von einem Sozialdemokraten regiert werden.
Jonas Gahr Støre (2.v.r), Vorsitzender der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, jubelt nach der Auszählung der Wahlergebnisse. Foto: Javad Parsa/NTB/dpa
Jonas Gahr Støre (2.v.r), Vorsitzender der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, jubelt nach der Auszählung der Wahlergebnisse. Foto: Javad Parsa/NTB/dpa - sda - Keystone/NTB/Javad Parsa

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Sozialdemokraten gewinnen die Wahlen in Norwegen klar.
  • Parteichef Jonas Gahr Støre dürfte aller Voraussicht nach neuer Regierungschef werden.

Norwegen dürfte bald von einem Mitte-links-Bündnis regiert werden. Die seit acht Jahren in der Opposition ausharrenden Sozialdemokraten setzten sich bei der Parlamentswahl in dem skandinavischen Land trotz leichter Stimmverlusten klar durch, wie vorläufige Zahlen der Wahlbehörde zeigten.

Parteichef Jonas Gahr Støre dürfte damit aller Voraussicht nach neuer Regierungschef und Nachfolger der konservativen Ministerpräsidentin Erna Solberg werden. Er kann dabei wahrscheinlich auf ein Bündnis mit der Zentrumspartei und der Sozialistischen Linkspartei setzen, das auf eine Mehrheit von 89 der 169 Parlamentssitze kommen dürfte.

Jonas Gahr Støre, Vorsitzender der sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Norwegen. Foto: Marit Hommedal/NTB via AP/dpa
Jonas Gahr Støre, Vorsitzender der sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Norwegen. Foto: Marit Hommedal/NTB via AP/dpa - dpa-infocom GmbH

«Jetzt können wir endlich sagen: Wir haben es geschafft», sagte der 61 Jahre alte Støre am späten Montagabend unter «Jonas, Jonas»-Rufen jubelnder Sozialdemokraten in Oslo. Ein Bündnis mit dem Zentrum und der Sozialistischen Linken sei «unser Plan A», man wolle aber alle Parteien zu Gesprächen einladen, die sich einen Regierungswechsel wünschten.

Ministerpräsidentin Solberg hat ihre Niederlage eingestanden

Gleichzeitig dankte Støre seiner Widersacherin Erna Solberg. «Sie ist eine gute und beständige Ministerpräsidentin für Norwegen gewesen», sagte er. Kurz zuvor hatte Solberg ihre Niederlage eingestanden. «Ich gratuliere Jonas Gahr Støre zu einer - wie es jetzt aussieht - klaren Mehrheit für einen Regierungswechsel», sagte sie vor Parteifreunden.

Nach vorläufiger Auszählung fast aller Stimmen lag die sozialdemokratische Arbeiterpartei in der Nacht zum Dienstag bei 26,4 Prozent. Das bedeutete im Vergleich zu den 27,4 Prozent der letzten Parlamentswahl 2017 zwar leichte Verluste, nicht aber so starke wie die von Solbergs konservativer Partei Høyre: Als zweitstärkste Kraft rutschte sie von 25,0 auf 20,5 Prozent ab.

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Wähler geben in einer Wahlkabine auf der zentralen Strasse Karl Johans gate vorzeitig ihre Stimme ab. - dpa

Støres bevorzugte Koalitionspartner erzielten dagegen ordentliche Zugewinne: Das Zentrum kommt voraussichtlich auf 13,6 (plus 3,3 Prozentpunkte), die Sozialistische Linke auf 7,5 Prozent (plus 1,5). Die rechtspopulistische Fortschrittspartei verlor deutlich und lag bei 11,7 Prozent (minus 3,5).

Grüne schafften es nicht über Vier-Prozent-Hürde

Gleich vier Parteien rangen mit der Vier-Prozent-Hürde: Die linke Rote Partei und die liberale Venstre liessen sie mit 4,7 Prozent beziehungsweise 4,5 Prozent recht sicher hinter sich, während es die Christliche Volkspartei und die Grünen mit je 3,8 Prozent voraussichtlich nicht über die Hürde schafften. Trotzdem standen beide Parteien bei je drei Mandaten.

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Erna Solberg, norwegische Ministerpräsidentin und Vorsitzende der konservativen Partei Hoyre, hat ihre Niederlage eingestanden. - sda - Keystone/dpa/HÂkon Mosvold Larsen

Fast 3,9 Millionen Norwegerinnen und Norweger waren bei der Wahl zur Stimmabgabe aufgerufen. Knapp 1,65 Millionen hatten bereits vorzeitig gewählt - das entsprach mehr als 42 Prozent aller Wahlberechtigten und einem Rekord bei einer norwegischen Parlamentswahl. Das vorläufige Endergebnis dürfte am Dienstag feststehen.

In der wohlhabenden Öl-Nation hatte vor allem der Klima- und Umweltschutz - und damit verbunden auch die Öl-Politik - eine wichtige Rolle im Wahlkampf gespielt. Die besonders auf die Klimapolitik setzenden Parteien - die Sozialistische Linke, die Grünen und Venstre - blieben am Wahlabend jedoch etwas hinter den hohen Erwartungen der Umfragen zurück.

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