Russische Marine zieht komplett aus dem Mittelmeer ab
Russland hat seine gesamte Marinepräsenz aus dem Mittelmeer abgezogen. Grund ist der Schutz der eigenen Schattenflotte vor NATO-Zugriffen im Ärmelkanal.

Das Wichtigste in Kürze
- Russland zog erstmals seit über zehn Jahren seine Marine komplett aus dem Mittelmeer ab.
- Grund ist der Schutz sanktionierter Öltanker im Ärmelkanal.
- Nato-Staaten beschlagnahmten seit 2025 bereits 13 Schattenflotten-Schiffe.
Russlands Marine ist seit Juni nicht mehr im Mittelmeer präsent. Damit endet eine Ära: Seit 2013 unterhielt der Kreml dort eine eigene maritime Task Force. Nun musste diese vollständig abgezogen werden.
Der Grund liegt im Ärmelkanal. Dort muss Moskau seine sanktionierten Öltanker der sogenannten Schattenflotte schützen. Vor dem Zugriff westlicher Staaten fehlen die Kriegsschiffe deshalb im Mittelmeer.
Moskau muss Schattenflotte im Ärmelkanal schützen
Das berichtet die britische Zeitung «Telegraph» unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Nato-Vertreter. «Seit Juni gibt es dort keinerlei russische Präsenz mehr. Das ist das erste Mal seit über zehn Jahren», zitiert die Zeitung den Offiziellen.
Der Abzug ist eine direkte Folge des erhöhten Drucks auf russische Ölexporte. Weil westliche Staaten verstärkt Jagd auf die Schattenflotten-Tanker machen, muss Moskau seine Kriegsschiffe zum Geleitschutz abstellen.

Angesichts fehlender Versorgungsschiffe und massiver Logistikprobleme steht die russische Überwasserflotte zudem vor extremen Herausforderungen. Der Nato-Offizielle bezeichnete deren Zustand mit klaren Worten: «Es ist ein einziger Trümmerhaufen.»
Nato-Staaten beschlagnahmen zahlreiche Schiffe
Die Kaperung des mutmasslichen Schattenflotten-Tankers «Smyrtos» durch britische Royal Marines im Juni hat Russland erneut zugesetzt.
Seit 2025 haben andere Nato-Staaten ihre Gangart gegenüber der Schattenflotte verschärft. Darunter Deutschland, Frankreich und Finnland, die insgesamt 13 solcher Schiffe festgesetzt haben.
Um weitere Beschlagnahmungen zu verhindern, patrouilliert nun das russische Kriegsschiff «Neustraschimy» im Ärmelkanal. Dies führte laut der Royal Navy zu mehr britischen Marineoperationen.
Von Januar bis Juli 2026 stiegen die Überwachungseinsätze russischer Aktivitäten um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Russland erweitert Schattenflotte
Russland erweitert seine Schattenflotte indessen für den Transport von Flüssigerdgas (LNG). Mitte Juni 2026 verfügte Moskau nach Analysen des Schifffahrts- und Sanktionsdienstleisters Windward bereits über 23 LNG-Tanker.

Inzwischen kamen nach Angaben der «Financial Times» mindestens zwei weitere Schiffe aus russischer Produktion hinzu.
Sie sollen Moskau helfen, LNG auch bei weiter verschärften westlichen Sanktionen zu exportieren. Die Europäische Union will langfristige Verträge für russisches Flüssiggas ab 1. Januar 2027 verbieten. Einschränkungen für bestimmte kurzfristige Verträge gelten bereits.












