Pools könnten für Mieter bald zum Wohnungsstandard werden

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Schlieren,

Hitzewellen heizen die Nachfrage nach Swimmingpools an. Neu bieten auch Mietshäuser Zugang zu Schwimmbecken.

Swimmingpool
Der Pool auf dem Dach eines Mietshauses in Schlieren ZH lädt zum Schwimmen ein. - homegate.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • In modernen Überbauungen sind Swimmingpools im Trend.
  • Möglichkeiten zur Abkühlung gewinnen laut einem Vermarkter an Bedeutung.
  • Pools für Wohnungsmietende bergen aber auch Herausforderungen.

Der Badibesuch kann an heissen Sommertagen zum Stresstest werden. Einen Platz für das Tüechli zu finden, ist schwierig und der Lärm herumschreiender Kinder nervig.

Es kann aber auch vorkommen, dass Gäste es nicht mehr in die Badi schaffen – einige Anlagen haben Besucher-Obergrenzen eingeführt. Glücklich schätzen sich Mieterinnen und Mieter, die einen Swimmingpool haben.

Inserate für Wohnungen mit Zugang zu einem Schwimmbecken tauchen auf Immobilienportalen immer häufiger auf.

In einem Mietshaus in Schlieren ZH ist auf Homegate eine 4,5-Zimmer-Wohnung ausgeschrieben. Diese bietet auf dem Dach einen Swimmingpool zur Mitbenutzung an.

Die Miete beträgt rund 3200 Franken. Auch die Mietenden einer Überbauung im Zürcher Kreis fünf können im Sommer spontan einen Schwumm machen.

«Das Highlight dieser Überbauung ist der Pool zur Mitbenutzung», wirbt das Inserat. Eine 3,5-Zimmer-Maisonette-Wohnung kostet dort rund 4500 Franken. Eine 2,5-Zimmer-Wohnung bekommt man für 2500 Franken.

«Als wären Sie hier in den Ferien» – für 4000 Stutz

Mehrfamilienhäuser inklusive Pool gibt es auch auf dem Land.

Im Hillview-Park in Oberwil-Lieli AG nutzen die Wohneinheiten gemeinsam die Gartenanlage «mit dem Naturbad und einem Sonnendeck».

«Als wären Sie hier in den Ferien», schwärmt das Inserat auf der Website. Die Mietzinsen der Wohnungen liegen bei rund 4000 Franken.

Hättest du gerne eine Wohnung mit Poolzugang?

Der Immobiliendienstleister Vimova vermarktet die Wohnungen im Hillview-Park. Gerade bei einem modernen Neubauprojekt gehe es heute nicht nur um die einzelne Wohnung, sagt Fabian Gonseth auf Anfrage. «Sondern auch um die Qualität der gemeinschaftlich nutzbaren Bereiche.»

Aussenräume, Begrünung und Möglichkeiten zur Abkühlung gewinnen laut dem Leiter Vermarktung stärker an Bedeutung. Grund dafür seien längere Hitzeperioden und hohe Sommertemperaturen.

«Ein Gemeinschaftspool ist in solchen Phasen natürlich ein besonderer Komfort für die Bewohnerinnen und Bewohner.» Bereits nach kurzer Zeit hätten sie die meisten Wohnungen vermieten können.

Er betont jedoch, dass der Pool als langfristiges Qualitätsmerkmal der Wohnanlage zu verstehen sei. «Und nicht lediglich als Reaktion auf einzelne Hitzewellen.»

Nachrüstung ist schwierig

Die Nachfrage nach Swimmingpools steigt. «Kurzfristig sorgen neben der allgemeinen Entwicklung auch Hitzewellen für mehr Anfragen bei den Poolbauern.» Dies sagt Christian Stark, Präsident des Zentralvorstands des Branchenverbands für Schwimmbadtechnik Aqua Suisse.

Auch stellt Stark fest, dass der Wunsch nach «Ferien» und Wellness zuhause» stetig zunimmt. Ein Pool sorge für eine Wertsteigerung einer Liegenschaft.

Vor allem bei Neubauten im Luxusbereich sei ein solcher deshalb teilweise im Gesamtprojekt enthalten.

Bei bestehenden Liegenschaften ist eine Nachrüstung mit Pools laut Stark schwierig zu realisieren. Deshalb geht er verglichen mit Einfamilienhäusern von einer geringen Menge neuer Projekte aus.

«Gekühlte Treffpunkte» in Stadt und auf Land

Die aktuelle globale Klimaerwärmung beträgt 1,4 Grad. Schreitet die Klimaerwärmung laut Meteo Schweiz weiter voran, werden Hitzewellen grundsätzlich häufiger, länger und intensiver.

Die Städte heizen sich besonders auf. In Zürich zum Beispiel können die Temperaturen im Vergleich zum ländlichen Umland bis zu knapp sechs Grad höher sein.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass Swimmingpools in Mietshäusern eines Tages zum Standard werden.

«Gemeinschaftliche Anlagen für das Wohlbefinden der Bevölkerung im Zusammenhang mit den Hitzewellen werden an Bedeutung zunehmen», sagt Gianrico Settembrini. Er ist Dozent am Institut für Gebäudetechnik und Energie IGE an der Hochschule Luzern (HSLU).

Der städtische Wärmeinseleffekt führe sicherlich dazu, dass Massnahmen im urbanen Siedlungsgebiet dringlicher sein würden, sagt er.

«Gemeinschaftliche Anlagen, zum Beispiel gekühlte Treffpunkte, könnten aber auch in ländlicheren Gebieten situationsspezifisch sinnvoll sein.»

Experte mahnt: Sorgsamer Umgang mit Wasser ist wichtig

Gianrico Settembrini bewertet Swimmingpools als eine mögliche Massnahme, die zur Abkühlung und zu höherem Wohlbefinden beitragen kann.

Beim Wasser mahnt er aber zu sorgsamem Umgang. «Wasser ist wertvoll. Es bietet den grössten Nutzen, wenn es gezielt eingesetzt wird.»

Pools
Wasser ist eine wertvolle Ressource – auch in Pools. - keystone

Auch Christian Stark macht auf die Herausforderungen von Swimmingpools in Mietshäusern aufmerksam. Bei einem Privatpool sei die Verantwortung klar geregelt, sagt er.

So könne durch eine Abdeckung die Verdunstung und der Chemikalienverbrauch massiv gesenkt werden. «Und das Wasser kann oft über mehrere Badesaisons verwendet werden.»

Im gemeinschaftlichen Bereich sei die Verantwortung schwieriger zu definieren. «Auch Sicherheitsmassnahmen wie ein Zaun und Zugangsbeschränkungen gewinnen an Bedeutung.»

Kommentare

User #1971 (nicht angemeldet)

Was nützt ein Pool in Trockenphasen, wenn man ihn nicht füllen sollte? Man du. Goldene Himbeere der Woche für so Schrott.

User #6319 (nicht angemeldet)

ich hatte, als ich noch in einer wohnung wohnte(vor 30 jahren) eine pool, für alle mieter, das mitten in der stadt un ich bezahlte 1500-. miete

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