Protest gegen Russlands Teilnahme an Kunstbiennale in Venedig
Der Streit um die Teilnahme Russlands an der Biennale von Venedig 2026 hat sich zu einem politischen Konflikt ausgeweitet. Auslöser ist die Entscheidung des Biennale-Präsidenten Pietrangelo Buttafuoco, Russland wieder teilnehmen zu lassen.

Kulturminister Alessandro Giuli erklärte dagegen im Namen der italienischen Regierung, dies nicht gebilligt zu haben und verwies auf die ablehnende Haltung des italienischen Kabinetts.
Inzwischen haben sich 26 Europaabgeordnete aus verschiedenen Fraktionen mit einem offenen Brief an Buttafuoco gewandt und eine Rücknahme der Entscheidung gefordert. Zu den Unterzeichnern gehört auch die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Pina Picierno. Die Abgeordneten verurteilen es scharf, Russland eine Plattform bei einer der weltweit wichtigsten Kulturveranstaltungen zu geben, während das Land weiterhin Krieg gegen die Ukraine führe.
«Eine solche Entscheidung könnte ein Regime legitimieren, das für anhaltende Gewalt verantwortlich ist, und würde der moralischen Autorität der Biennale schaden», heisst es in dem Schreiben, das von Mitgliedern der Fraktionen EVP, Sozialdemokraten, Renew, Grüne, EKR und Linke unterzeichnet wurde.
Die Teilnahme von Staaten an grossen internationalen Kulturereignissen habe immer auch eine symbolische Bedeutung, argumentieren die Abgeordneten. In einer Zeit, in der die Ukraine nicht nur ihr Territorium, sondern auch ihre kulturelle Identität und ihre europäische Zukunft verteidige, sende eine staatliche Plattform für Russland ein «zutiefst besorgniserregendes Signal».
Der Brief, dessen Erstunterzeichner der lettische Abgeordnete Martins Stakis ist, erinnert daran, dass die Biennale historisch für Freiheit, Würde und Solidarität zwischen den Nationen stehe. Die Leitung der Institution solle sicherstellen, dass diese Prinzipien weiterhin im Zentrum ihrer Entscheidungen stünden.
Zusätzliche Kritik löste die Kuratorin des russischen Pavillons aus. Anastasiia Karneeva gründete 2016 gemeinsam mit Ekaterina Vinokurova, der Tochter des russischen Aussenministers Sergej Lawrow, das Unternehmen Smart Art.
An der Organisation des russischen Pavillons ist zudem Michail Schwydkoi beteiligt, Russlands Beauftragter für internationale Kulturbeziehungen und ehemaliger Kulturminister. Russland plant, mit einem Projekt unter dem Titel «The Tree Is Rooted in the Sky» («Der Baum ist im Himmel verwurzelt») teilzunehmen. Russlands Kultur sei nicht isoliert und Versuche, sie zu canceln, seien gescheitert, betonte Schwydkoi bei der Ankündigung der Teilnahme.
Buttafuoco steht jetzt vor einer schwierigen Entscheidung: Entweder hält er an der von ihm betonten kulturellen Autonomie der Biennale fest oder er macht einen Rückzieher. Ein solcher Schritt würde jedoch der von ihm vertretenen Linie widersprechen, die Ausstellung grundsätzlich für alle Länder zu öffnen – von Russland und Iran bis zu Israel, der Ukraine und Belarus.
Buttafuoco hatte zuletzt von einem «ständigen Austausch» mit Kulturminister Giuli gesprochen. Diese Darstellung wurde jedoch durch die klare Ablehnung aus der Regierung relativiert.
Der venezianische Philosoph und Ex-Bürgermeister von Venedig, Massimo Cacciari, stellte sich unterdessen hinter Buttafuoco. Die Biennale sei eine autonome Stiftung und entscheide selbst über ihre kulturelle Linie, sagte er. Eine politische Bewertung sei erst möglich, wenn die künstlerischen Arbeiten gezeigt würden. Sollte sich dabei Propaganda für den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine finden, könne man die Entscheidung kritisieren und gegebenenfalls Massnahmen ergreifen.














