Igor Levit sieht die immer wieder erhobene Forderung an russische Künstler, sich wegen des Ukraine-Kriegs von Wladimir Putin zu distanzieren, zwiespältig.
Igor Levit hat ein Buch mit dem Titel «Hauskonzert» geschrieben. Foto: Christoph Soeder/dpa
Igor Levit hat ein Buch mit dem Titel «Hauskonzert» geschrieben. Foto: Christoph Soeder/dpa - dpa-infocom GmbH

«Es ist ein zweischneidiges Schwert. Ich bin schon der Meinung, dass es eine staatsbürgerliche Verpflichtung ist, sich zu positionieren», sagte Levit der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist aber gleichzeitig auch ein verdammter Luxus, das tun zu können, ohne dass man Gefahr läuft, entweder selbst ins Gefängnis zu wandern oder seine Familie in Gefahr zu bringen. Künstler haben keine Pflicht, sich äussern zu müssen.»

Ausnahme seien «Künstlerinnen und Künstler, die politische Player sind und bleiben werden.

Mit diesen gibt es einen anderen Umgang«, ergänzte Levit. Systemtreu hatte sich beispielsweise der Stardirigent und Putin-Freund Waleri Gergijew verhalten. Er verlor deshalb unter anderem sein Engagement als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker.

Die litauische Star-Sopranistin Asmik Grigorian hatte kürzlich gefordert, Künstler sollten grundsätzlich frei sein - dazu gehöre auch die Freiheit zu schweigen. «Ich kann jedes Wort unterschreiben, das Asmik Grigorian gesagt hat», sagte Levit dazu - «mit Ausnahme für diejenigen, die lautstark diesen Faschismus in Russland verteidigen.»

Levit wurde 1987 im russischen Gorki geboren (heute: Nischni Nowgorod) und übersiedelte 1995 mit der Familie nach Hannover.

Er zählt zu den führenden Pianisten seiner Generation und ist auch politisch engagiert. Am 9. September erscheint sein neues Album «Tristan». Im Herbst soll zudem der Dokumentarfilm «Igor Levit - No Fear» herauskommen.

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