Palästina-Aktivist feiert mit Linken – dann reist er zu Hamas
Ein Palästina-Aktivist feierte mit den Berliner Linken ihren Wahlerfolg. Kurz darauf reiste er offenbar zu einer Konferenz mit Hamas-nahen Funktionären.

Das Wichtigste in Kürze
- Ibrahim Ibrahim feierte mit den Berliner Linken und reiste danach nach Istanbul.
- Teilnehmer der Istanbuler Konferenz galten Experten teils als Hamas-Statthalter.
- Ibrahim sagt, er habe die Teilnehmerliste vorher nicht umfassend gekannt.
Der Berliner Pro-Palästina-Aktivist Ibrahim Ibrahim hat nach der Wahlparty der Linken an einer Konferenz in Istanbul teilgenommen. Dort trafen sich Funktionäre mit engen Verbindungen zur Hamas. Das berichtet der «SPIEGEL».
Ein Foto hatte zuvor für Empörung gesorgt. Es zeigt Ibrahim lächelnd neben dem Neuköllner Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak auf der Wahlparty der Linken.
Ibrahim hatte den Chefplaner des Hamas-Überfalls vom 7. Oktober 2023, Yahia Sinwar, als «Märtyrerhelden» bezeichnet. Zudem gilt er als Unterstützer der Terrororganisation PFLP.
Er führt das Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee (VPNK). Laut Berliner Verfassungsschutz bietet es auch Anhängern der Hamas eine Heimat.
Linke distanziert sich – teilweise
Die Parteispitze der Linken distanzierte sich von Terror und Gewaltverherrlichung. Ibrahim sei nicht eingeladen worden. Koçak versicherte, er habe nicht gewusst, mit wem er sich fotografieren liess.
Die Landesarbeitsgemeinschaft Palästina-Solidarität, eine offizielle Gruppe der Berliner Linken, sprach Ibrahim dagegen ihre volle Solidarität aus – «unserem Genossen Ibrahim Ibrahim».
Reise nach Istanbul
Knapp eine Woche nach der Wahlparty reiste Ibrahim nach Istanbul. Dort fand das «Emergency Palestinian National Forum» statt. Auf der Rednerliste stehen mehrere Personen, die Sicherheitsexperten als Statthalter der Hamas einschätzen.
Einer von ihnen ist Majed Alzeer, der seit 2014 in Berlin lebt. Das deutsche Bundesinnenministerium nannte ihn 2023 im Hamas-Verbot den «Deutschland- und Europa-Verantwortlichen» der Organisation. Die USA bezeichneten ihn 2024 als «ranghöchsten Hamas-Vertreter in Deutschland».

Moderiert wurde das Treffen von Ziad al-Aloul. Er führt die Palestinian Conference for Palestinians Abroad (PCPA). Laut US-Regierung wurde sie «mit Mitteln des Büros für internationale Beziehungen der Hamas gegründet».
Ibrahim weist Vorwürfe zurück
In Istanbul sprach Ibrahim über das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser und demokratische Wahlen. Auf Anfrage des «SPIEGEL» sagte er, er habe «einen Beitrag zur Stärkung demokratischer Prozesse durch freie und faire Wahlen» leisten wollen.
Weiter sagte er: «Vor meiner Teilnahme lagen mir keine umfassenden Informationen über die Zusammensetzung der Teilnehmerliste oder die politischen Hintergründe sämtlicher anwesender Personen vor.»
Die Teilnahme an einer Veranstaltung stelle «nicht automatisch eine politische oder ideologische Übereinstimmung mit allen dort anwesenden Personen oder deren Positionen dar».




















