Berlin: Clan-Spross veröffentlicht innige Chats mit Linken-Politiker
Ein Linken-Politiker nannte den Spross des Remmo-Clans «Bruder» und zollte seinem Vater Respekt. Ferat Koçak will nicht gewusst haben, mit wem er da schrieb.

Das Wichtigste in Kürze
- «Die Linke» erzielte in migrantisch geprägten Berliner Vierteln über 50 Prozent.
- Der Politiker Ferat Koçak posierte nun mit einem Terrorunterstützer und nannte einen Clan-Spross «Bruder».
- Die Chats haben nun Folgen für den Bundestagsabgeordneten.
Keine Ausschaffungen mehr, Wohnunternehmen enteignen, weniger Polizei: Mit radikalen Positionen hat die DDR-Nachfolgepartei «Die Linke» am Sonntag in Berlin einen fulminanten Wahlsieg gefeiert.
Mit 25,7 Prozent landete sie auf Platz eins und liess die CDU mit 18,8 Prozent deutlich hinter sich.
Doch nach der Wahl sorgt nicht nur das Parteiprogramm für Diskussionen. Auch die Gäste auf der Wahlparty werfen Fragen auf.
Dort tauchten überraschend Clan-Chef Issa Remmo und der Anti-Israel-Aktivist Ibrahim Ibrahim auf.
Chats zwischen Linken-Politiker und Remmo-Sohn
Besonders brisant: Remmos Sohn Firas veröffentlichte auf Instagram Chats mit dem Berliner Linken-Politiker Ferat Koçak, der für die Partei im Bundestag sitzt.
Koçak schrieb an Firas Remmo: «Grüsse mit Respekt zurück an deinen Vater.»

Zudem bat der Linken-Politiker den Remmo-Sohn, eine seiner Reden über «Clans» zu verbreiten. «Bruder hilf mir mal das hier zu verbreiten. Sagt allen euren Leuten, die sollen das teilen bitte.»
In der Rede verharmloste er Clans als «hysterische Dauerdebatte».
Die Antwort von Remmo auf Koçaks Bitte: «Gerne Bruder.»
Koçak zieht Konsequenzen
Inzwischen hat sich Koçak auf X zu den Chats geäussert. «Die Berichte über Chatverläufe zwischen mir und Firas Remmo haben die Öffentlichkeit verunsichert. Zu Recht: Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden, sind durch nichts zu rechtfertigen.»

Koçak erklärte, dass er regelmässig Menschen zur politischen Teilhabe aufrufe. «Im Zuge dessen hat sich auch Herr Remmo gemeldet. Ich kommuniziere jede Woche über meine Kanäle in den sozialen Medien mit Hunderten von Menschen aus Neukölln. Und ich habe mit ihm geschrieben, wie mit jedem anderen Neuköllner auch, und seinen Vater mit Höflichkeit zurückgegrüsst.»
Er habe «keine Kenntnis» davon gehabt, um wen es sich handelte.
Koçak entschuldigte sich und kündigte eine interne Aufarbeitung an. Zudem will er sich vorerst aus dem Tagesgeschäft als Bundestagsabgeordneter zurückziehen.
Auch Foto mit PFLP-Unterstützer sorgt für Wirbel
Damit nicht genug: Am Wahlabend geriet Koçak aus einem weiteren Grund unter Druck. Er liess sich mit Ibrahim Ibrahim fotografieren.
Laut dem Verein Democ, der sich gegen Antisemitismus und Extremismus einsetzt, wird Ibrahim der Palästinenserorganisation PFLP zugerechnet. Die Organisation steht auf der Terrorismusliste der Europäischen Union.

Ibrahim soll den früheren Hamas-Chef Jahja Sinwar als «standhaften Führer» und «Märtyrerhelden» bezeichnet haben.
Koçak reagierte auch darauf auf Instagram: «Die Wahlparty in Neukölln war öffentlich zugänglich und grundsätzlich für alle offen. Wenn Menschen auf unseren Wahlpartys auf mich zukommen und ein Foto von mir machen möchten, gehe ich zunächst davon aus, dass das in Ordnung ist.»
Zugleich distanzierte er sich ausdrücklich von «gewalt- oder terrorverherrlichenden Aussagen der genannten Person».
Linke holt in Neukölln mehr als 50 Prozent
Der Vorfall fällt in einen bemerkenswerten politischen Zusammenhang. In migrantisch geprägten Stadtteilen rund um die Berliner Sonnenallee kam die Linke bei der Wahl auf mehr als 50 Prozent.
Die Partei hatte unter anderem mit dem Slogan «Freiheit für Palästina» geworben. Wählerinnen und Wähler mit Migrationshintergrund trugen damit wesentlich zum Wahlerfolg bei.
Nach dem Wahlsieg gratulierte auch Firas Remmo seinem politischen Kontakt: «Gratuliere Bruder Herz mehr als verdient auf eine schönes Neukölln mit viel Zusammenhalt u. Liebe für die Mitmenschen.»
Im Licht der inzwischen bekannt gewordenen Chats erhält die Nachricht eine neue Brisanz.
Remmo-Familie im Fokus der Ermittler
Issa Remmo und sein Sohn Firas wurden bisher nicht strafrechtlich verurteilt. Andere Mitglieder der Familie Remmo wurden dagegen bereits wegen verschiedener Straftaten verurteilt.
Die Familie gilt als eine der bekanntesten Grossfamilien im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität in Deutschland.












