Berlin: Fraktions-Chefs stellen sich hinter Clan-Linken
Nach den Chats mit dem Rammo-Clan-Spross lässt Linken-Politiker Ferat Koçak seine Ämter ruhen. Die Fraktionsspitze stellt sich dennoch hinter ihn.

Das Wichtigste in Kürze
- Linken-Politiker Ferat Koçak hatte Kontakte zum Sohn eines Clan-Chefs und zu Extremisten.
- Koçak lässt seine Ämter vorerst ruhen und tritt öffentlich nicht mehr auf.
- Die Fraktionsspitze der Linken stellt sich trotz der Vorwürfe hinter den 47-Jährigen.
Nachdem publik wurde, dass der Neuköllner Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak (47) enge Chats mit dem Sohn von Rammo-Clan-Chef Issa Rammo geführt hatte, zieht die Fraktionsspitze der Linken nun Konsequenzen – hält aber an Koçak fest.
Wie der «Spiegel» berichtet, will Fraktionsvorsitzender Sören Pellmann Koçak «bis auf Weiteres, bis volle Transparenz hergestellt wird» zurückhalten. Koçak selbst lässt seine Mitgliedschaft im Innenausschuss ruhen und tritt vorerst nicht mehr öffentlich auf.
Co-Fraktionschefin: «Wir glauben ihm da»
Ausgelöst hatte die Affäre die Wahlparty der Linken in Neukölln: Dort war zunächst Issa Rammo aufgetaucht und wieder des Platzes verwiesen worden, ehe dessen Sohn am Folgetag einen Chatverlauf mit Koçak veröffentlichte, der auf eine gewisse Vertrautheit schliessen lässt.
Koçak nannte die Kontakte einen «Fehler» und erklärte, er habe zunächst nicht gewusst, um wen es sich handle. Zusätzlich sorgte ein Foto für Aufsehen, das ihn mit dem als Terrorunterstützer geltenden Ibrahim Ibrahim zeigt, dem Nähe zur Hamas nachgesagt wird.

Co-Fraktionschefin Heidi Reichinnek stellte sich trotzdem hinter ihren Parteikollegen: Koçak habe klar bekannt, dass es in der Linken «keinen Platz für Terrorverherrlichung und Gewalt» gebe. «Wir glauben ihm da», so Reichinnek. Solange sich nichts Gegenteiliges zeige, soll Koçak sein Mandat behalten.
Linken-Urgestein kritisiert Ferat Koçak scharf
Nicht alle in der Partei sind mit diesem Kurs einverstanden. Besonders deutlich wurde Linken-Urgestein Petra Pau, die 27 Jahre für die Partei im Bundestag sass. Auf X schrieb sie an Koçak gerichtet: «Mir reicht es langsam. Als MdB hast Du eine Verantwortung, ich kann nicht mehr an Naivität glauben.» Sie forderte ihn auf, endlich Verantwortung zu übernehmen, statt sich weiter Zeit zu erkaufen.

Auch von ausserhalb der Partei kommt Kritik: Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge bezeichnete Koçaks Distanzierungen als unglaubwürdig und regte einen Ausschluss an, Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir mahnte, wer in solchen Fragen nicht klar sei, dürfe «nicht in die Nähe der Macht» kommen.
Für die Linke ist der Fall auch deshalb heikel, weil in Berlin mögliche Sondierungsgespräche mit den Grünen anstehen. Reichinnek will den Fall dennoch vom Wahlerfolg der Berliner Linken trennen: Man arbeite die Vorwürfe «kritisch auf», das dürfe die Regierungsbildung aber nicht überschatten.













