Nach Horror-Prozess: Gisèle Pelicot ist frisch verliebt
Nach dem Avignon-Prozess meldet sich Gisèle Pelicot zurück. Die 73-Jährige ist frisch verliebt – und will ihren Ex im Gefängnis sehen.

Das Wichtigste in Kürze
- Ihr Ex-Mann betäubte sie jahrelang und liess sie vergewaltigen.
- Nun spricht Gisèle Pelicot erstmals ausführlich nach dem Prozess.
- Die 73-Jährige ist frisch verliebt.
- Sie will ihren Ex-Mann im Gefängnis besuchen.
Gisèle Pelicot (73) wurde im Vergewaltigungsprozess von Avignon weltweit bekannt. Nun spricht sie erstmals ausführlich über ihr Leben danach und überrascht mit einer neuen Liebe.
Im Interview mit dem «Spiegel» sagt sie: «Ich erlebe wieder glückliche Momente.» Und: «Ich erlaube mir jetzt, wieder glücklich zu sein.»
Ein Mann namens Jean-Loup sei in ihr Leben getreten. Auch er habe viel Leid erlebt. Dass sie sich mit 73 noch einmal verlieben würde, habe sie nie erwartet. «Ich dachte, ich würde mein Leben allein verbringen.»
Missbrauch flog 2020 auf
Fast ein Jahrzehnt lang hatte ihr damaliger Ehemann Dominique Pelicot sie laut Gericht systematisch betäubt. Während sie bewusstlos war, lud er fremde Männer ins gemeinsame Schlafzimmer ein, damit sie sie vergewaltigten.
Er filmte die Taten und archivierte sie. Aufgedeckt wurde alles 2020, nachdem Pelicot in einem Supermarkt Frauen heimlich unter den Rock gefilmt hatte. Ermittler stiessen dabei auf das umfangreiche Videomaterial.
Im Prozess von Avignon standen 51 Männer vor Gericht. Die meisten wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.
«Ich wollte den Schmutz loswerden»
Gisèle Pelicot entschied sich bewusst für ein öffentliches Verfahren. Sie wollte, dass die Welt sieht, was geschehen war.
Die Wochen im Gerichtssaal seien kaum auszuhalten gewesen. «Ich wollte all den Schmutz, den Schlamm loswerden, den diese Männer auf meinem Körper hinterlassen hatten», sagt sie rückblickend.

Trotz der Belastung trat sie gefasst auf. Viele Frauen applaudierten ihr vor dem Gerichtsgebäude. Der Satz «Die Scham muss die Seite wechseln» wurde zum Symbol des Prozesses.
Besuch im Gefängnis geplant
Heute lebt Pelicot auf der Atlantikinsel Île de Ré. Ihr Buch erscheint in 22 Ländern. Darin beschreibt sie die Gerichtswochen, die Entfremdung innerhalb der Familie und ihren Wunsch nach einem Schlussstrich.
Sie plant, ihren Ex-Mann im Gefängnis zu besuchen. «Er muss mir die Wahrheit sagen», sagt sie. Sie brauche Antworten, auch für ihre Tochter.
Pelicot will dabei nicht auf die Opferrolle reduziert werden. «Ich wollte nie die arme kleine Frau sein», sagt sie dem «Spiegel».
Heute wisse sie: «Es existiert ein Weg aus der Dunkelheit heraus.»





















