Die britische Innenministerin Priti Patel hat ihrem französischen Amtskollegen Gérald Darmanin mit der Kürzung bereits zugesagter Gelder gedroht, sollte Paris nicht mehr gegen illegale Migration am Ärmelkanal tun.
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Migranten ruhen sich in einem Lager nahes des Ärmelkanals aus. (Symbolbild) - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Frankreich soll Grossbritannien zufolge zu wenig gegen illegale Migration vorgehen.
  • Nun will London Paris die Mittel kürzen. Frankreich spricht von «finanzieller Erpressung».

Grossbritannien will Frankreich wegen Migranten im Ärmelkanal den Geldhahn zudrehen. Das bestätigte der Kulturminister Oliver Dowden am Freitag in einem Interview mit dem britischen Radiosender LBC. Patel hatte sich am Mittwoch am Rande eines Treffens der G7-Innenminister in London mit ihrem französischen Amtskollegen über die Situation am Ärmelkanal ausgetauscht. Darmanin hatte daraufhin vor «finanzieller Erpressung» gewarnt, unter der die Kooperation beider Länder leiden könne.

Erst im Juli hatten beide Seiten ein neues Kooperationsabkommen vereinbart, um die wachsende Zahl der Migranten in den Griff zu bekommen, die in kleinen Booten auf dem Ärmelkanal ihr Leben riskieren, um vom EU-Land Frankreich nach Grossbritannien zu gelangen.

Konflikt spitzt sich zu

London sagte dabei 62,7 Millionen Euro zu, um die französischen Behörden zu unterstützen. Trotzdem bleibt die Zahl der Überquerungsversuche hoch. Insgesamt erreichten in diesem Jahr laut BBC bereits mehr als 13 000 die englische Küste. Im gesamten Jahr 2020 waren es 8400 Menschen, die auf diesem Weg nach Grossbritannien reisten.

Dowden bestätigte ebenfalls Medienberichte, wonach britische Behörden die Zurückweisung von Migrantenbooten aus den eigenen Küstengewässern in Erwägung ziehen. Experten halten das jedoch für so gut wie nicht umsetzbar wegen der Gefahren für die Menschen an Bord der oft kaum seetüchtigen Migrantenboote. Frankreichs Innenminister Darmanin warnte vor einer Verletzung des Seevölkerrechts.

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