Lehrer auf Ibiza muss jeden Juni aus Wohnung raus

Etienne Sticher
Etienne Sticher

Spanien,

Weil seine Vermieter die Wohnung an Touristen vergeben wollen, muss ein Lehrer auf Ibiza jeden Sommer ausziehen. Er fordert bessere staatliche Massnahmen.

lehrer ibiza umzug
Ein Lehrer auf Ibiza muss jeden Sommer aus seiner Wohnung ausziehen. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Lehrer auf Ibiza muss jeweils von Juni bis September seine Wohnung verlassen.
  • Die Eigentümer vermieten die Unterkunft im Sommer lieber für mehr Geld an Touristen.
  • Andere Lehrpersonen schlafen im Auto oder pendeln im Flieger von Mallorca.

Jeden Sommer zieht es unzählige Touristen auf die spanische Ferieninsel Ibiza. Doch für die lokale Bevölkerung führt das zu grossen Problemen: Viele Vermieter wollen ihre Wohnungen lieber teuer an Touris vergeben.

Betroffen davon ist auch Juan José Bonín, ein 59-jähriger Lehrer. Er teilt sich mit zwei Kollegen eine Wohnung, für sein Zimmer bezahlt er 400 Euro. Jeden Juni muss er seine Koffer packen und seine Wohnung verlassen, wie er «ElHuffPost» erzählt. Erst im September darf er zurück.

Während dieser Zeit vermieten die Eigentümer die Wohnung an Touristen. Solche Kurzzeitvermietungen bringen mehr Geld ein.

Für Bonín bedeutet es aber, dass er zurück in seine Heimat auf Mallorca muss. «Ich werde dort eine Wohnung mieten oder bei meiner Schwester unterkommen. Aber sie hat ihr eigenes Leben, ihre eigene Familie.»

Auf Ibiza sind die Wohnungspreise im Jahr 2025 um 20 Prozent auf 32 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Damit liegen sie rund 64 Prozent über dem spanischen Durchschnitt.

Staatliche Massnahmen wirken kaum

Der Mangel an bezahlbaren Wohnungen führt auf der Baleareninsel zu Personalsorgen an Schulen oder in der öffentlichen Verwaltung. Lehrpersonen, die sich keine Unterkunft auf Ibiza leisten können, haben Notlösungen gefunden: Einige schlafen in ihren Autos, andere pendeln jeden Tag mit dem Flieger von Mallorca ins Klassenzimmer.

Dem Staat ist das Problem bekannt, er hat auch einige Massnahmen ergriffen: Anbieter von Kurzzeitvermietungen müssen ihre Wohnungen in einem Einheitsregister registrieren und eine Registrierungsnummer bei Airbnb hinterlegen. In diesem Jahr werden keine neuen Lizenzen zur touristischen Vermietung von Unterkünften mehr erteilt.

Bist du zufrieden mit deiner Wohnsituation?

Zudem bietet die Regierung den Beamten einen Regionalbonus von 300 Euro an, um das Problem der hohen Mieten zu lindern. Doch das funktioniert nicht, wie Lehrer Juan José Bonín erklärt: «Die Vermieter erhöhen einfach die Preise um 300 Euro.» Damit verpuffe der Effekt dieser Massnahme sogleich wieder.

Er fordert ein anderes Mittel: steuerliche Anreize für Vermieter, die ihre Wohnungen ganzjährig an Lehrpersonen vermieten. So könne verhindert werden, dass die Mieter im Sommer rausgeworfen werden und die Wohnungen an Touristen vergeben werden.

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