Kritik nach Ausschluss jüdischer Gruppen von Pride-Parade in Rom
Knapp einen Monat vor der alljährlichen Pride-Parade in Rom gibt es Streit um die Teilnahme jüdischer LGBTQ-Gruppen.

Die Veranstalter von Roma Pride kündigten an, dass die Organisationen Keshet Italia und Keshet Europe nicht mit einem Festwagen in der Parade dabei sein dürfen, weil sie sich nicht vom «derzeitigen Genozid in Gaza» distanziert hätten. Italienische Politiker und Aktivisten kritisieren den Ausschluss.
Die Veranstalter der Parade für die Rechte von lesbischen, schwulen, bisexuellen, Trans- und queeren Menschen (LGBTQ) am 20. Juni veröffentlichten ein politisches Manifest, in dem auch der «derzeit in Gaza vom Staat Israel verübte Genozid» verurteilt wird. Von Teilnehmern mit einem Wagen verlange man, dass sie sich sämtliche Forderungen zu eigen machen, hiess es.
Wegen des harten Vorgehens im Gaza-Krieg werden Israel immer wieder Kriegsverbrechen, teilweise auch Genozid vorgeworfen. Die israelische Regierung weist diese Anschuldigungen strikt zurück. Auslöser des Gaza-Kriegs war das beispiellose Massaker der islamistischen Hamas und anderer extremistischer Gruppen im Süden Israels am 7. Oktober 2023.
Keshet Italia warf den Veranstaltern eine «gefährliche Doppelmoral» vor. Von italienischen Juden werde verlangt, sich von einer ausländischen Regierung zu distanzieren, für die sie nicht verantwortlich seien. Keshet Italia – keshet ist das hebräische Wort für Regenbogen – sei ausgeschlossen worden, «weil wir ihre politische Prüfung nicht bestanden haben».
Keine andere Vereinigung werde einer «fortlaufenden identitären und politischen Prüfung unterzogen, um zu beweisen, dass sie es verdient haben, dabei zu sein». Diese Behandlung treffe nur sie. «Die Pride wird zu einem ideologischen Tribunal, das Minderheiten vertreibt und seine Seele verloren hat.»
Der italienische Abgeordnete Benedetto Della Vedova bezeichnete den Ausschluss auf der Plattform X als «besorgniserregend und schmerzhaft für viele Menschen». Ein vorbehaltloses Bekenntnis zum politischen Manifest der Organisatoren könne kein Kriterium für eine Teilnahme sein. Della Vedova schrieb von einem «Instrument politischer Diskriminierung».
Pina Picierno, Vizepräsidentin des EU-Parlaments, schrieb bei X: «Es gibt etwas zutiefst Falsches daran, wenn eine Bewegung, die entstanden ist, um Minderheiten zu verteidigen, beginnt zu entscheiden, welche Minderheiten moralisch akzeptabel sind und welche nicht.» Sollten die Organisatoren am Ausschluss festhalten, würde damit eine «gefährliche Grenze» überschritten.










