Kind steuert Flüchtlingsboot – nun droht ihm ein Prozess
Ein Kind sitzt am Steuer eines Flüchtlingsboots Richtung Grossbritannien – und wird wegen Gefährdung anderer angeklagt.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein minderjähriger Migrant steuert ein Flüchtlingsboot auf dem Weg nach Grossbritannien.
- Die Staatsanwaltschaft klagt an: Er habe andere Menschen dadurch gefährdet.
- Der Richter kritisiert die Anklage. Der Fall wird nun an das Jugendgericht verwiesen.
Ein minderjähriger Migrant muss sich vor Gericht verantworten. Er habe andere Menschen beim Überqueren des Ärmelkanals gefährdet.
Denn: Der Junge soll das kleine Flüchtlingsboot gesteuert haben. Die Anklage erfolgt nach einem neuen britischen Gesetz.
Der Junge kam Anfang dieses Jahres in Grossbritannien an. Er befindet sich derzeit unter dem Schutz örtlicher Behörden.
Die Staatsanwaltschaft argumentiert mit der Schwere der Straftat. Obwohl der Angeklagte unter 18 Jahren alt ist, liege die Strafverfolgung im öffentlichen Interesse. Dies teilte der Crown Prosecution Service (CPS) mit.
Neues Gesetz verschärft Strafen
Das neue Gesetz im Vereinigten Königreich wurde im Dezember eingeführt. Es ist Teil des Gesetzes über Grenzsicherheit, Asyl und Einwanderung.
Jede Reise auf Wasser nach Grossbritannien aus Frankreich, Belgien oder den Niederlanden fällt darunter.
Erwachsene müssen bei einer Verurteilung mit bis zu fünf Jahren Haft rechnen. Sind sie trotz einer Ausweisungsverfügung eingereist, drohen sechs Jahre Gefängnis. Für Minderjährige gelten andere Regelungen.
Staatsanwalt Gary Willmott gerät vor dem Canterbury-Crown-Gericht in Erklärungsnot für seine Anklage, wie der «Independent» schreibt.
Richter stellt Anklage in Frage
Denn der Richter zeigte sich kritisch gegenüber der Entscheidung der Staatsanwaltschaft. Er warf ein, dass schliesslich ein Kind vor Gericht stehe.
Die einzig mögliche Verurteilung wäre eine Anordnung. Diese sieht vor, dass sich der Jugendliche mit Personen trifft, die seine Wiedereingliederung in die Gesellschaft unterstützen.
Willmott begründete die Anklage mit der Schwere der Straftat. «Das Leben einer grossen Anzahl von Menschen war in Gefahr», sagte er vor Gericht.
Schlepper könnten vermehrt Minderjährige einsetzen
Die Staatsanwaltschaft sieht eine Gefahr für die Zukunft. Ohne Verurteilung könnten Schlepper vermehrt Jugendliche als Bootsführer einsetzen.
Vor Gericht unterstreicht der Staatsanwalt seine Anklage: Einige Migranten auf dem Schlauchboot sollen keine Schwimmwesten getragen haben. Dies habe die Gefahr für alle Insassen zusätzlich erhöht.
Der Fall muss nun an das Jugendgericht verwiesen werden. Ein Termin für die Verhandlung steht noch nicht fest.

















