Im Jahr 2020 geborene Kinder werden wohl viel mehr Extremwetter erleben als Personen, die 1960 geboren wurden. Dies ist auf den Klimawandel zurückzuführen.
Hitzewelle in Griechenland
Menschen verbringen während einer Hitzewelle Zeit am Meer. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Extremwetter wird in den nächsten Jahren stark zunehmen.
  • Ein 2020 geborenes Kind wird siebenmal mehr Hitzewellen erleben als seine Grosseltern.
  • Auch Waldbrände, Überschwemmungen und Ernteausfälle sollen zunehmen.

Ein Kind, das 2021 geboren wird, wird viel mehr Überschwemmungen, Hitzewellen und Waldbrände erleben als seine Grosseltern. Das geht aus einer Studie eines internationalen Forscherteams mit Beteiligung der ETH Zürich hervor. Diese wurde am Montag in der Fachzeitschrift «Science» veröffentlicht.

Ein heute geborenes Kind wird in seinem Leben durchschnittlich viel mehr Extremwetter erleben als ein 1960 geborener Erdenbürger durchmachen müssen. Dies aufgrund des Klimawandels. In seine Lebenszeit werden laut Prognose doppelt so viele Waldbrände und dreimal so viele Überschwemmungen und Ernteausfälle fallen.

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Ein ausgebrannter VW-Käfer nach den Waldbränden in Griechenland. - dpa

Dazu kommen siebenmal so viele Hitzewellen. Dies in einem Szenario, in dem die Länder ihre derzeitigen Strategien zur Reduzierung von Treibhausgasen beibehalten. Das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen könne einen grossen Unterschied machen.

Die Forschenden legten vorhandene Daten zu globalen Temperaturverläufen und Projektionen für Extremwetterereignisse mit Bevölkerungsdaten und Lebenserwartungszahlen übereinander. Dabei betrachteten sie unterschiedliche Szenarien, was die Erhöhung der weltweiten Durchschnittstemperatur angeht.

15 bis 29 Hitzewellen bei Zwei-Grad-Szenario

Ein Beispiel: Eine 1960 geborene Person erlebt der Rechnung zufolge im Schnitt etwa zwei bis sechs Hitzewellen. In die Lebenszeit eines 2020 geborenes Kindes fallen dagegen durchschnittlich 10 bis 26 Hitzewellen. Dies, wenn der globale Temperaturanstieg auf 1,5 Grad begrenzt wird.

15 bis 29 Hitzewellen sind es bei einem Anstieg von 2,0 Grad. Und 21 bis 39 Hitzewellen, wenn die derzeitigen Klimastrategien der Regierungen beibehalten werden.

Einen Anstieg gibt es demnach auch bei anderen Extremwetterereignissen, zum Beispiel Waldbränden. Menschen, die heute jünger als 40 Jahre sind, würden «ein bisher nie dagewesenes Leben» führen. Dies, was Dürren, Hitzewellen, Überschwemmungen und Ernteausfälle angehe, sagte Hauptautor Wim Thiery von der Freien Universität Brüssel. Die Ergebnisse zeigten eine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit der jungen Generationen und legten drastische Emissionsreduzierungen nahe.

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Ein Feuerwehrmann versucht, ein Feuer einzudämmen. - dpa-infocom GmbH

Besonders stark wird der Anstieg von Extremwetter-Ereignissen demnach für derzeit junge Menschen im Nahen Osten und in Nordafrika. Grundsätzlich werden junge Generationen in Ländern mit geringem Durchschnittseinkommen laut der Prognose stärker betroffen sein als in reicheren Ländern. Zwischen 2016 und 2020 im Afrika südlich der Sahara geborene Kinder werden fünfeinhalb bis sechsmal mehr Extremwetter erleben.

Extremwetterereignisse könnten durch reduziert werden

Aber auch Europa wird es demnach treffen: Hier werden für heutige Kleinkinder etwa viermal mehr Extremwetterereignisse prognostiziert. Die Zahlen auf einzelne Länder herunterzubrechen ist laut den Studienautoren schwierig. Belastbar seien die Durchschnittswerte, wenn man sie auf kontinentaler Ebene oder wenn, dann für sehr grosse Länder betrachte.

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Meterhoch türmen sich Wohnwagen, Gastanks, Bäume und Schrott Mitte Juli an einer Brücke über der Ahr. - dpa-infocom GmbH

«Die gute Nachricht ist: Wir können tatsächlich einen Grossteil der Klimabelastung von den Schultern unserer Kinder nehmen. Wenn wir die Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzen, indem wir aus der Nutzung fossiler Brennstoffe aussteigen.» Dies sagte Mitautorin Katja Frieler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Global könne das für die junge Generation 24 Prozent weniger Extremwetterereignisse bedeuten. Dies, als wenn die Staaten bei ihren derzeitigen Zusagen zur Emissionsreduzierung bleiben. Für Europa wäre es ein Minus von 28 Prozent.

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