Ukraine trifft Russen-Rechenzentren – Trump-Fans plötzlich still
Ukrainische Angriffe treffen Yandex-Rechenzentren. Das könnte russische Propaganda-Bots bremsen und sogar die US-Wahlen beeinflussen.

Das Wichtigste in Kürze
- Ukrainische Angriffe in Russland haben Yandex-Dienste und möglicherweise russische Bot-Farmen lahmgelegt.
- Ein Experte denkt, der Bot-Ausfall könnte einen Einfluss auf die US-Zwischenwahlen haben.
- KI-Supercomputer wurden zerstört. Der Wiederaufbau ist schwierig wegen der Sanktionen gegen Russland.
Die Ukraine hat innerhalb einer Woche gleich dreimal Rechenzentren des russischen Internetkonzerns Yandex getroffen. Die jüngste erfolgreiche Attacke war am Wochenende – östlich von Moskau.
Yandex hat in Russland einen ähnlichen Stellenwert wie Google in Westeuropa. Das Unternehmen betreibt neben einer Suchmaschine auch einen Bezahldienst, eine Taxi-App und einen Essenslieferdienst.
Die Angriffe hatten messbare Folgen. Daten des Cloud-Anbieters Cloudflare zeigen, dass der Yandex zugerechnete Datenverkehr nach den Angriffen stark zurückging.
Angebliche Trump-Fans und EU-Kritiker verstummen
Das hat vermutlich auch Auswirkungen auf russische Bot-Farmen, wie das deutsche Nachrichtenmagazin «Focus» berichtet.
Diese Bots werden genutzt, um automatisiert Propaganda in sozialen Netzwerken zu verbreiten. Marijn Markus, Datenexperte beim Beratungsunternehmen Capgemini, machte in diesem Zusammenhang eine ungewöhnliche Beobachtung.
Er berichtete auf LinkedIn: Accounts, die sich zum Beispiel als Trump-Anhänger oder EU-Kritiker ausgeben, seien nach den Angriffen plötzlich still geworden.
Wie Focus berichtet, fragt sich der Experte, ob die ukrainischen Angriffe sogar die Zwischenwahlen in den USA beeinflussen könnten. Denn wenn automatisierte Konten im Internet, also die Bots, abgestellt werden, können sie keine Meinungen mehr beeinflussen.
Nicht unbedingt weniger Kreml-Propaganda
Laut dem Datenexperten bedeutet ein Rückgang des Bot-Verkehrs aber nicht automatisch, dass weniger Kreml-Propaganda verbreitet wird. Zu den ausgefallenen Bots gehören auch harmlose Programme, die automatisch Webseiten durchsuchen, um sie in Suchmaschinen auszuspielen.
Zudem werden viele Bot-Farmen ausserhalb Russlands betrieben, zum Beispiel in Nigeria oder Bangladesch.
Für Russland sind die Treffer trotzdem ein Problem. Yandex-Dienste laufen nur noch im Notfallmodus. Und die Reparatur könnte sich als schwierig erweisen. Denn Berichten zufolge wurden bei den Angriffen drei KI-Supercomputer zerstört.
Wegen der internationalen Sanktionen gegen Russland dürfte es nicht einfach sein, solche Hochleistungsgeräte schnell zu ersetzen.

















