Freiburger Filmfestival zeigt, was die Welt bewegt
Am Freitag (20.03.) beginnt das Internationale Filmfestival Freiburg (FIFF). Mit neuen Produktionen und Klassikern aus nah und fern beliebt sich das Festival auch an seiner 40. Ausgabe treu. Eine Auswahl.

«A SAD AND BEAUTIFUL WORLD»: Regisseur Cyril Aris erzählt in seinem Spielfilmdebüt von Nino und Yasmina. In Beirut verlieben sich die beiden ineinander, verlieren sich aus den Augen und begegnen sich Jahre später wieder. Während ihre Beziehung eine zweite Chance bekommt, ringt auch ihr Heimatland mit politischen Krisen und gesellschaftlichen Umbrüchen. Das Liebesdrama stellt dabei eine zentrale Frage: Kann selbst eine perfekte, scheinbar magische Liebe an einer fragilen Welt zerbrechen? Der berührende, und wie der Titel verrät, traurig-schöne Film war der libanesische Kandidat für den Auslandsoscar und eröffnet nun das FIFF.
«KY NAM INN»: Mit dem Drama des Drehbuchautors und Regisseurs Leo Len blickt das FIFF auf die Nachkriegszeit Vietnams. Dabei brechen die Bilder mit den Erwartungen. Denn «Ky Nam Inn» zeigt nicht einfach nur ein Land in Trümmern. Der Krieg hat zwar unverkennbar Spuren hinterlassen, doch die Kultur des Landes ist geblieben – sei es kulinarisch oder architektonisch. Der Film zeigt die Schönheit Vietnams anhand der Romanze von Ky Nam und Khang, angesiedelt in den 1980er-Jahren. Ky Nam ist eine Witwe, die um ihren im Vietnamkrieg gefallenen Sohn trauert. Khang ist ein Autor aus dem Norden, der nach Saigon gezogen ist, um dort «Der kleine Prinz» zu übersetzen. Atmosphärisch besticht «Ky Nam Inn» durch seine entschleunigte, romantische Erzählweise; er wurde auf 35-mm-Film gedreht. Am FIFF läuft er mit elf weiteren Langfilmen im Internationalen Wettbewerb und feiert dort auch seine Schweizer Premiere.
«SISTERHOOD»: In den Genrekino-Sektionen widmet sich das Freiburger Festival Mutterfiguren. Im südkoreanischen Film «Sisterhood» ist das Jung Yul-hee, eine erfolgreiche Mystery-Autorin, die mit ihrer Tochter in das Haus zieht, das sie von ihrem Vater geerbt hat. Zunächst scheint es, als würden die beiden in ländlicher Idylle leben. Doch dann taucht eine junge Frau im Leben der beiden auf – und plötzlich findet sich das Mutter-Tochter-Gespann in einem psychologischen Strudel wieder, der ihre Beziehung aus den Fugen geraten lässt. Der mysteriöse Film von Yoon Eun-kyoung, die bereits mehrere psychologische Thriller gedreht hat, lebt von seiner düsteren Atmosphäre und sorgt am Filmfestival für Gänsehaut.
«FARGO»: Ein verschneites Minnesota, unfähige Kidnapper und eine schwangere Polizistin – «Fargo» aus dem Jahr 1996 ist einer der Klassiker, die am Festival zu sehen sind. Ausgangspunkt ist der bankrotte Autohändler Jerry Lundegaard (William H. Macy), der die Entführung seiner eigenen Frau inszeniert. Doch die beiden Kriminellen, die er damit beauftragt, erweisen sich als alles andere als kompetent. Deutlich professioneller ist dagegen die scharfsinnige Polizistin Marge (Frances McDormand). Die Krimikomödie lebt von absurd-komischen, aber todernst vorgetragenen Dialogen. Auch dank der überzeichneten Gewaltszenen, die das Geschehen ins Komische kippen lassen, ist «Fargo» von den Coen-Brüdern bis heute zeitlos. Das FIFF zeigt den Film in der Genrekino-Sektion «Die Lieblinge des Publikums».
«THE MUMMY»: Was schaute das Festivalpublikum 1980? Die Filmsektion «Entschlüsselt: Die 1. Ausgabe des FIFF» blickt auf die Anfänge des Festivals zurück und präsentiert fünf der sieben Filme, die damals auf dem Programm standen. Weil sich das Festival als «Fenster zur Welt» versteht, gibt es in dieser Sektion auch eine Gesprächsrunde mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Diskutiert wird etwa darüber, warum ausgerechnet Freiburg dieses Fenster zur Welt sein sollte. Für jene, die lieber schauen als zuhören, ist der ägyptische Film «The Mummy» aus dem Jahr 1969 zu sehen – eines der wichtigsten Werke der arabischen Filmgeschichte. Der Film basiert auf der Entdeckung der königlichen Mumien von Deir el-Bahari im Jahr 1881. Regisseur und Drehbuchautor Shadi Abdel Salam erzählt darin die Geschichte eines Stammes, der heimlich Gräber der alten Pharaonen plündert. Dieses Familiengeheimnis bringt Wannis in einen Konflikt: Soll er seinem Clan gegenüber loyal bleiben oder die Kultur seines Landes schützen? Der poetische Film wurde international mehrfach ausgezeichnet und 2009 vom von Martin Scorsese gegründeten «Film Foundation’s World Cinema Project» restauriert.
Das FIFF dauert vom 20. bis zum 29. März.










