Coop

Machtmissbrauch? Coop-Tochter steht in der Kritik – diese wehrt sich

Riccardo Schmidlin
Riccardo Schmidlin

Bern Nord,

Transgourmet gerät unter Beschuss. Der Coop-Grosshändler soll Preise erhöhen und Lieferbedingungen verschärfen. Das Unternehmen wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Transgourmet
Die Coop-Tochter Transgourmet steht in der Kritik. Der Verein «Faire Märkte Schweiz» wirft ihr vor, die Marktstellung zu missbrauchen. - Coop

Das Wichtigste in Kürze

  • Transgourmet steht unter Beschuss wegen Preiserhöhungen und strengen Lieferbedingungen.
  • Ein Verein fordert eine neue Weko-Untersuchung zur Marktmacht von Transgourmet.
  • Transgourmet weist die Vorwürfe zurück und betont den fairen Wettbewerb.

Transgourmet, bekannt unter anderem für seine Prodega-Märkte, ist der führende Gastro-Grosshändler der Schweiz. Viele Restaurants und Hotels beziehen einen Grossteil ihrer Waren dort.

Doch nun gibt es Kritik an der Coop-Tochter: Hat Transgourmet zu viel Macht?

Nach der Übernahme des Gastro-Zulieferers Saviva AG sieht der Verein «Faire Märkte Schweiz» (FMS) mögliche Probleme bei der Marktmacht.

Der Verein fordert deshalb eine Untersuchung durch die Wettbewerbskommission (Weko).

Preise steigen, Lieferbedingungen werden strenger

Eine aktuelle Auswertung anonymisierter Daten zeigt laut FMS steigende Preise bei Transgourmet. Betroffen ist der Zeitraum zwischen dem ersten Quartal 2025 und dem ersten Quartal 2026.

Über das gesamte Sortiment hinweg stiegen die Preise um durchschnittlich 4,7 Prozent, bei Kernprodukten um 1,7 Prozent.

Gleichzeitig seien die Lieferbedingungen strenger geworden: Ein Mindestbestellwert von 700 Franken pro Woche ist Pflicht, sonst fallen 50 Franken Gebühr an.

In einigen Regionen hätten Gastronomiebetriebe kaum Alternativen zu Transgourmet. Besonders kleine und mittlere Betriebe seien betroffen.

Es gibt laut FMS zudem Hinweise auf faktische Lieferverweigerungen, wenn Betriebe die Mindestumsätze nicht erreichen.

Ein Betrieb aus einer Bergregion berichtete, Transgourmet habe die Belieferung ohne Vorankündigung eingestellt und ihn auf Abholmärkte verwiesen.

Weko prüft, gab aber schon einmal Entwarnung

Weko-Vizedirektorin Andrea Graber Cardinaux bestätigt gegenüber Nau.ch: «Das Gesuch der FMS ist eingegangen und wir prüfen es.»

Gleichzeitig betont sie: «Die Weko hat den Zusammenschluss Transgourmet/Saviva und damit auch die Marktstellung des neuen Unternehmens jedoch bereits im 2024 geprüft.»

Damals seien keine Anzeichen für eine marktbeherrschende Stellung gefunden worden.

Transgourmet widerspricht Vorwürfen

Coop-Tochter Transgourmet dementiert die Vorwürfe.

Sprecherin Christine Strahm sagt zu Nau.ch: «Transgourmet nimmt die Forderung von ‹Faire Märkte Schweiz› zur Kenntnis und weist die Vorwürfe entschieden zurück.»

Das Unternehmen stehe für einen «fairen und funktionierenden Wettbewerb» und pflege mit seinen Handelspartnern «partnerschaftliche Beziehungen».

Gehst du gerne in die Beiz?

Transgourmet bewege sich in einem «stark umkämpften Markt», so Strahm. «Die Gastronomie-Betriebe verfügen über eine grosse Auswahl an lokalen, regionalen und nationalen Lieferanten.»

Der Wettbewerb setze die Preise unter Druck und lasse nur wettbewerbsfähige Preise zu.

Preissteigerungen sind laut Coop-Tochter rohstoffbedingt

Sämtliche Preissteigerungen seit dem Zusammenschluss seien durch Rohstoffpreise bedingt. «Transgourmet/Prodega ist sowohl in den Abholmärkten als auch in der Belieferung preislich wettbewerbsfähig», betont Strahm.

Das Unternehmen verweist auf die Eigenmarke Economy und betont, wöchentlich rund 1000 bis 2000 Aktionspreise anzubieten.

Saviva
Transgourmet hat Saviva 2024 übernommen. Die Weko gab grünes Licht. - Saviva

Die Lieferkonditionen seien transparent und seit Jahren unverändert, «Lieferzuschläge werden nur mit Augenmass verrechnet». Für viele kleine und mittlere Betriebe sei Transgourmet seit Jahren ein verlässlicher Partner.

Kritik bei der Saviva-Übernahme

Schon bei der Übernahme von Saviva durch Transgourmet gab es Kritik: Der Wirteverband Basel-Stadt nannte es eine «schlechte Nachricht für das Gastgewerbe und die Konsumenten».

Viele regionale Händler seien aus dem Markt gedrängt oder übernommen worden, und die Fusion würde den Wettbewerb weiter einschränken.

Die Weko sah damals jedoch keine Bedenken bei der Übernahme und gab grünes Licht.

Kommentare

User #2468 (nicht angemeldet)

Wenn keine Lieferung mehr erfolgt, wenn die Bestellmenge nicht ausreicht, geht man halt in die Grossmärkte.

User #2613 (nicht angemeldet)

Jede 5 köpfige Familie hat Anrecht auf eine Kundenkarte bei Prodega und ist somit berechtigt dort einzukaufen.

Weiterlesen

Kantonspolizei Basel-Stadt
2 Interaktionen
Evakuation
6 Interaktionen
Faire Löhne
Grease Thunerseespiele
In Thun

MEHR COOP

coop
197 Interaktionen
Ketchup, Joghurt
coop bananen
57 Interaktionen
Lieferprobleme!
Coop
9 Interaktionen
Erweiterung
x
283 Interaktionen
Heli-Bilder zeigen

MEHR AUS AGGLO BERN

Köniz
Floorball Köniz Bern
Unihockey
Floorball Köniz Bern
Unihockey