Der künftige Mann an der Spitze Tschechiens bevorzugt eine besonnenere Politik als sein impulsiver Vorgänger Babis. Petr Fiala ist Professor und überzeugter Liberaler, aber auch gläubiger Christ.
Der tschechische Präsident Milos Zeman (r) sitzt während der Vereidigung von Petr Fiala (l) in einem Rollstuhl hinter einer durchsichtigen Wand. Foto: Roman Vondrous/CTK/AP/dpa
Der tschechische Präsident Milos Zeman (r) sitzt während der Vereidigung von Petr Fiala (l) in einem Rollstuhl hinter einer durchsichtigen Wand. Foto: Roman Vondrous/CTK/AP/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Er gilt als nüchterner Akademiker - doch kann der neue tschechische Ministerpräsident auch den Krisenmanager geben? Petr Fiala ist im deutschen Nachbarland am Sonntag als Regierungschef ernannt worden - und startet mitten in einer schweren Phase der Corona-Pandemie in die Amtszeit.

Die Infektionszahlen sind so hoch wie nie, die Krankenhäuser am Limit und trotz vieler Appelle sind erst 58,5 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Ein zentraler Wert für den Liberalkonservativen aus Brünn (Brno) ist die Freiheit. «Ohne Freiheit gibt es weder Demokratie noch Wohlstand», betont er immer wieder. Wie sich das mit der Corona-Pandemiebekämpfung vereinbaren lässt, wird sich noch zeigen müssen.

Fiala als Gegenentwurf zu Babis

Der 57-jährige Fiala hat Andrej Babis an der Regierungsspitze abgelöst. Multimilliardär Babis war wegen der «Panama Papers» in die Kritik geraten, bei der Wahl kurz nach der Veröffentlichung hatte er wohl auch deswegen das Nachsehen. Fiala ist eine Art Gegenentwurf zum impulsiven Babis, wegen seiner akademischen Art musste er bereits viel Kritik einstecken. «Er kann Politik nicht», sagte der frühere Präsident Vaclav Klaus mal über ihn. Fiala sei «anständig und korrekt», tauge aber nicht zum Regierungschef, behauptete Wahlverlierer Babis.

Fialas Weg ins Amt des Ministerpräsidenten war lang. Vor fast acht Jahren wurde der frühere Bildungsminister zum Vorsitzenden der Demokratischen Bürgerpartei (ODS) gewählt. Die Gruppierung befand sich an einem Tiefpunkt. Kurz zuvor war der ODS-Politiker Petr Necas als Ministerpräsident über eine Korruptions- und Abhöraffäre gestolpert.

Der Professor Fiala stand für einen Neuanfang in der Opposition. In der Öffentlichkeit tritt der frühere Rektor der Masaryk-Universität in Brünn sachlich und nüchtern auf. Seine Sätze sind wohlüberlegt, zu Spekulationen lässt er sich nicht hinreissen.

«Der Glaube für mich etwas Grundlegendes»

Fiala hat aber durchaus auch eine emotionale Seite, wie er in einem sehr persönlichen Interview der Zeitschrift «Reflex» durchblicken liess. Er habe sich im Alter von 22 Jahren in der katholischen Kirche taufen lassen. Das sei 1986 - zu Zeiten des Sozialismus - keine Selbstverständlichkeit gewesen. «Seit dieser Zeit ist der Glaube für mich etwas Grundlegendes», sagte Fiala.

Sein Vater Igor überlebte als Jugendlicher ein Konzentrationslager. Fiala sagte «Reflex»: «Die Erfahrungen meiner Familie mit dem Holocaust haben mich zu grosser Vorsicht geführt - vor Hass, vor Übertreibungen, aber auch vor zu grossen Leidenschaften und Emotionen in der Politik.»

Bis seine Regierung vollständig ist und die Corona-Krise anpacken kann, muss sich Fiala noch etwas gedulden. Sein Kabinett wird erst Mitte Dezember vereidigt, bis dahin bleiben die bisherigen Minister geschäftsführend im Amt.

An der Spitze der künftigen Koalition aus fünf Parteien - von Christdemokraten bis Piraten - wird Fiala vor allem als Vermittler gefragt sein. Präsident Milos Zeman versprach Fiala bei seiner Ernennung unter Corona-Bedingungen eine Regierung, die die «brennenden Probleme» des Landes lösen werde. Zugleich werde es ein Kabinett des «Wandels für die Zukunft» sein.

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