So musst du dich verhalten, wenn es im Bus brennt

Simon Ulrich
Simon Ulrich

Murten,

Trotz geöffneter Türen konnten mehrere Menschen das brennende Postauto in Kerzers nicht verlassen. Ein Experte zeigt, welche Faktoren eine Flucht erschweren.

Kerzers
Bei einem Brand wie demjenigen, der am Dienstagabend in einem Postauto in Kerzers FR ausgebrochen ist, hat man nur kurz Zeit, zu entkommen. - Instagram/Ticino_Tour

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Bus kann in etwa zwei Minuten in Vollbrand stehen, erklärt ein Brandexperte.
  • Giftiger Rauch, Enge und Panik erschweren oft die Flucht der Passagiere.
  • Feuerlöscher oder Nothämmer helfen meist nur in der frühen Brandphase.

Das Feuer breitete sich in Windeseile im Fahrgastraum aus. Binnen kurzer Zeit stand das Postauto Kerzers FR lichterloh in Flammen. Nach bisherigen Erkenntnissen übergoss sich ein etwa 65-jähriger Mann im Bus mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündete sich an.

Sechs Menschen starben bei dem Feuer am Dienstagabend, darunter auch der Chauffeur. Obwohl sich die Türen des Postautos öffneten, schafften es mehrere Menschen nicht mehr rechtzeitig ins Freie. Warum genau, ist Teil der laufenden Untersuchung.

Warum war die Flucht trotz geöffneter Türen so schwierig? Und wie kann man sich verhalten, um seine Überlebenschancen bei einem solchen Brand zu erhöhen?

Dämpfe breiten sich schnell aus

Für den Brandsachverständigen Marcel Weber zeigt der Fall Kerzers: «In einem Linienbus können sich Brände unter bestimmten Umständen sehr schnell ausbreiten.»

Zum einen befinden sich im Innenraum zahlreiche Materialien wie Sitzpolster, Kunststoffe, Verkleidungen oder Bodenbeläge. Diese seien zwar grundsätzlich nur schwer entflammbar, räumt Weber ein. Aber: «Bei intensiver Hitzeeinwirkung können sie dennoch brennen und grosse Mengen Rauch freisetzen.»

Kommt eine brennbare Flüssigkeit hinzu, verschärft sich die Lage massiv. Entscheidend sind dabei nicht die Flüssigkeiten selbst, sondern ihre Dämpfe.

«Werden solche Flüssigkeiten im Innenraum eines Busses ausgebracht, können sich diese Dämpfe innerhalb weniger Sekunden im Fahrgastraum ausbreiten.»

Wird dieses Gemisch entzündet, breiten sich die Flammen schlagartig aus. «In Bussen kann es aufgrund dieser Faktoren bereits binnen zirka zwei Minuten zu einem Vollbrand kommen», erklärt der Berufsfeuerwehrmann.

Rauch, Enge und Panik erschweren die Flucht

Warum Menschen trotz geöffneter Türen manchmal nicht mehr entkommen, lässt sich laut Weber meist durch mehrere Faktoren erklären.

Der wichtigste ist der Rauch. «Brandrauch ist hochgiftig und kann bereits nach wenigen Atemzügen zu Orientierungslosigkeit oder Bewusstlosigkeit führen.» Gleichzeitig kann die Sicht innerhalb kürzester Zeit stark eingeschränkt sein.

Hinzu kommt die Enge im Fahrgastraum: Die Gänge sind schmal, Sitzreihen, Haltestangen oder Gepäck versperren den Weg. Wenn sich Rauch ausbreitet und die Sicht gegen Null geht, wird selbst das Fortbewegen im Gang schwierig, erklärt Weber.

Marcel Weber
Marcel Weber ist Brandsachverständiger und Sachverständiger für Feuerwehrwesen und Notfallmedizin, sowie Feuerwehrmann und Geschäftsführer der Deutschen Brand- und Rettungsgesellschaft DBRG. - dbrg

Und schliesslich: In Ausnahmesituationen verändert sich menschliches Verhalten. «Menschen reagieren teilweise verzögert, orientieren sich an anderen oder bewegen sich instinktiv in Richtung der bekannten Türen. Dadurch kann es schnell zu Gedränge kommen», erklärt Weber.

Wo genau im Bus sich der Brand entwickelte, ist im Fall von Kerzers noch unklar. Entstand das Feuer etwa zwischen den beiden Haupttüren, könnte dies die Flucht zusätzlich erschwert haben, so der Brandexperte.

Feuerlöscher und Nothämmer helfen nur in den ersten Momenten

Aber was ist mit Feuerlöschern oder Nothämmern, mit denen Busse ausgestattet sind?

Sie sind wichtige Sicherheitsinstrumente – helfen aber vor allem ganz am Anfang eines Brandes, wie Weber erklärt.

«Ein Feuerlöscher kann beispielsweise einen Entstehungsbrand löschen oder zumindest verlangsamen, wenn sofort gehandelt wird», sagt der Experte. Ist das Feuer bereits stark entwickelt oder sind grössere Mengen brennbarer Flüssigkeit beteiligt, stossen Handfeuerlöscher schnell an ihre Grenzen.

Warst du schon einmal von einem Brand betroffen?

Auch Nothämmer können zusätzliche Fluchtwege schaffen – etwa, wenn Türen blockiert sind. Doch auch hier gilt: Wenn Rauch und Hitze bereits extrem sind, bleibt oft nur sehr wenig Zeit zur Selbstrettung.

Tuch vor Mund hilft kaum gegen giftige Brandgase

Viele Menschen versuchen in solchen Situationen zudem intuitiv, sich ein Tuch oder Kleidungsstück vor Mund und Nase zu halten. Laut Weber bringt das im Brandfall jedoch nur sehr begrenzt etwas.

«Ein Tuch vor Mund und Nase kann im Brandrauch höchstens kurzfristig einige Russ-Partikel zurückhalten», erklärt er. Gegen die eigentlich lebensgefährlichen Brandgase – etwa Kohlenmonoxid – biete es jedoch keinen Schutz.

Im Gegenteil: Rauchpartikel können sich im Stoff ablagern und beim Atmen wieder eingeatmet werden. Zudem könne ein Stoff im Gesichtsbereich bei grosser Hitze selbst zum Risiko werden.

Die ersten Sekunden entscheiden

Entscheidend sind laut Weber deshalb vor allem die ersten Momente nach dem Ausbruch eines Feuers.

Wichtig sei, sofort den nächstgelegenen Ausgang zu nutzen und nicht nur die vorderen Türen anzusteuern. Gleichzeitig sollten Fahrgäste andere warnen, um Panik zu reduzieren.

Kerzers
Das Feuer breitete sich innert Kürze im Fahrgastraum des Postautos aus. Giftiger Rauch, Enge und Panik erschweren oft die Flucht der Passagiere. - keystone

Bei starker Rauchentwicklung empfiehlt Weber, möglichst tief zu bleiben, da sich Rauch zunächst im oberen Bereich sammelt. Sind Türen blockiert, können Nothämmer zusätzliche Fluchtmöglichkeiten schaffen.

«Grundsätzlich zeigt sich bei solchen Ereignissen immer wieder, wie entscheidend die ersten Sekunden sind», so Weber. Je schneller Menschen reagieren und den Gefahrenbereich verlassen, desto grösser sind ihre Überlebenschancen.

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Kommentare

User #1462 (nicht angemeldet)

Kontrollieren an den Eingängen

User #4995 (nicht angemeldet)

Hat denn daa niemand bemerkt, dass er Benzin ausschüttet?

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