Extreme Hitze: El Niño ist laut Klimatologin nicht das Problem
Für 2026 sagen Klimaforschende ein besonders starkes El-Niño-Wetterphänomen voraus. Laut einer Klimatologin sei das eigentliche Problem jedoch der Klimawandel.

Das Wichtigste in Kürze
- 2026 zählt wohl zu den wärmsten Jahren aller Zeiten.
- Das sich anbahnende Wetterphänomen El Niño bringt extremes Wetter, vor allem in Asien und Amerika.
- Der Klimawandel an sich ist laut einer Klimatologin jedoch besorgniserregender als El Niño.
El Niño kommt und geht – doch der Klimawandel bleibt.
Obwohl das Wetterphänomen El Niño kaum Einfluss auf das Schweizer Wetter hat, müssen wir hierzulande aktuell schwitzen. Während sich El Niño im äquatorialen Pazifik entwickelt, stecken Europa und die Schweiz in einer Hitzewelle.
Gegenüber «ZDFheute» sagt die Klimatologin und Physikerin Friederike Otto: «2026 wird mit Sicherheit zu den wärmsten Jahren überhaupt zählen.» Dabei relativiert sie die potenziell schweren Folgen des Klimaphänomens El Niño und weist stattdessen auf den Klimawandel hin.
El Niño wird voraussichtlich zwischen November und Februar seinen Höhepunkt erreichen. In Südostasien hat dies oftmals aussergewöhnliche Dürren zur Folge. In Kalifornien und Mexiko kann es zu sintflutartigen Niederschlägen und Überschwemmungen kommen.
Das Phänomen tritt alle zwei bis sieben Jahre auf und soll laut Experten in diesem Jahr besonders stark sein.
Friederike Otto relativiert: «El Niño beeinflusst zwar das Wetter, aber die Auswirkungen des Klimawandels sind weitaus gravierender: El Niño ist – was entscheidend dabei ist – ein natürliches Klimaphänomen, das kommt und geht.»
«Abwarten würde die Sache nur noch verteuern»
Der Klimawandel dagegen verschlimmere sich mit jedem Barrel Öl, jeder Tonne Kohle und jedem Kubikmeter Gas, die wir verbrennen.
Viele Menschen gehen laut Otto zu leichtfertig mit den Fakten und Warnungen mit Blick auf den Klimawandel um: «Abwarten würde die Sache nur noch verteuern, die Ungleichheit – sowohl weltweit als auch innerhalb einzelner Gesellschaften – weiter verschärfen.»
Es würde zudem Menschenleben und Existenzgrundlagen kosten und den jüngeren sowie künftigen Generationen ein schreckliches Erbe hinterlassen, so Otto.
Mehrere Stressfaktoren gleichzeitig
Auch Sonali McDermid, Klimawissenschaftlerin an der New York University macht sich nicht nur wegen El Niño Sorgen: «Ich mache mir Sorgen, dass mehrere Stressfaktoren gleichzeitig auftreten», sagt sie gegenüber «The Guardian».
Gemäss der Zeitung warnte der Internationale Währungsfonds (IWF) bereits im März vor der bevorstehenden Situation. Demnach steckt rund die Hälfte der 68 ärmsten Länder bereits in einer Schuldenkrise oder ist stark gefährdet.
2027 könnte das heisseste Jahr aller Zeiten werden
Durch den Krieg im Iran wurden zudem Energiepreise in die Höhe getrieben. Auch Düngemittel sind durch die Blockade der Strasse von Hormus knapper geworden. All das schwächt die Widerstandsfähigkeit dieser Länder gegenüber Wetterschocks.
Dabei warnen Wissenschaftler, dass das nächste Jahr mit ziemlicher Sicherheit das heisseste aller Zeiten sein wird. Von Armut geplagte Länder stehen deshalb vor einer besonderen Herausforderung.
Das bevorstehende El-Niño-Phänomen ist also nicht der Hauptgrund zur Sorge. Vielmehr ist es der anhaltende Klimawandel in Kombination mit Faktoren wie dem Iran-Krieg, damit verbundenen Lieferengpässen und wirtschaftlichem Druck.

















