Europäer gespalten bei Haltung zur EU

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Deutschland,

Wie stehen die Bürger vor der Europawahl im Mai zur EU und der Arbeit in Brüssel und Strassburg? Und was ist ihnen wichtig? Eine Umfrage unter 11.700 Europäern sieht eine Kluft. Die Deutschen stechen etwas hervor.

Für die Studie waren rund 11.700 EU-Bürger befragt worden. Foto: Jean-Francois Badias/AP
Für die Studie waren rund 11.700 EU-Bürger befragt worden. Foto: Jean-Francois Badias/AP - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund sieben Wochen vor der Europawahl stehen sich die europäischen Bürger einer Studie zufolge bei ihrer Haltung zur EU in zwei Lagern gegenüber.

In Europa gebe es eine Kluft zwischen denjenigen, die den Zustand der Gesellschaft und ihre eigene ökonomische Lage zuversichtlich sehen und denen, die diese mit Sorge betrachten, heisst es in einer repräsentativen Befragung der Bertelsmann Stiftung. Und diese unterschiedlichen Einstellungen könnten direkte Auswirkungen auf die Wahl des Europa-Parlaments im Mai haben, wie die Autoren der «Eupinions»-Untersuchung schreiben.

Denn die Zuversichtlichen und Verunsicherten hätten auch deutlich verschiedene Meinungen über die EU-Politik und zudem unterschiedliche parteipolitische Präferenzen. Konkret bedeute das: Verunsicherte Bürger äusserten tendenziell häufiger Sympathien für rechtspopulistische oder rechtsextreme Parteien wie Rassemblement National in Frankreich, AfD in Deutschland oder Lega in Italien. Sie seien eher unzufrieden mit den Weichenstellungen auf EU-Ebene, kritisierten die EU-Arbeitsweise und meinten, dass Brüssel und Strassburg Bürgeranliegen vernachlässigten.

Die zuversichtlich Eingestellten neigen dagegen laut Umfrage unter knapp 12.000 Bürgern eher zu Parteien der Mitte und zu pro-europäischen Parteien. Sie stellen der EU ein positiveres Zeugnis aus und sind über die Europapolitik auch besser informiert.

Die Deutschen heben sich dabei an einigen Punkten ab: So machen sich EU-weit 51 Prozent Sorgen um den Zustand der Gesellschaft, 35 Prozent um die eigene wirtschaftliche Situation. In Deutschland sind das «nur» 38 Prozent mit Blick auf die Gesellschaft und 27 Prozent hinsichtlich der eigenen Wirtschaftslage. Unter den grossen EU-Ländern gehörten die Deutschen zu den Optimisten, die «noch relativ unbeeindruckt von Krisenausläufern der Globalisierung oder populistischen Strömungen» seien, betonte Mitautorin Isabell Hoffmann.

Und was erwarten sie von der EU-Politik? Bis auf die AfD-Anhänger sieht jeder Fünfte (21 Prozent) in Deutschland den Einsatz gegen den Klimawandel als wichtigste Herausforderung für die EU. Danach folgen «Frieden sichern» und «Terrorismus bekämpfen» als zentrale Aufgaben der EU-Politik. Und hierzulande wissen die Bürger vergleichsweise gut Bescheid über die Spitzenkandidaten sowie die Arbeit und Funktionsweisen der EU, schilderte Hoffmann.

Für die Studie waren im Dezember 2018 rund 11.700 EU-Bürger befragt worden. Auch für die grössten Mitgliedstaaten Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und die Niederlande ist die Umfrage den Angaben zufolge repräsentativ. Eine Gemeinsamkeit verbinde die Lager aber doch: In beiden wollen etwa zwei Drittel der Bürger im Mai ihre Stimme abgeben.

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