EU

    EU-Kommission will Ausnahme bei Umweltregel für Bauern

    Keystone-SDA
    Keystone-SDA

    Belgien,

    Bauern in der EU fühlen sich durch Brüsseler Auflagen belastet. Nun plant die EU-Kommission eine Lockerung.

    Agrarpolitik
    Die EU-Kommission plant, die Regelung, nach der vier Prozent des Ackerlandes brachliegen oder unproduktiv genutzt werden müssen, rückwirkend zum 1. Januar auszusetzen. (Symbolbild) - sda - KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

    Bauern sind in der EU auf den Barrikaden. Sie sehen sich durch Auflagen aus Brüssel unverhältnismässig stark belastet. Die EU-Kommission will ihnen nun entgegenkommen.

    So will sie eine Umweltauflage für Bauern lockern. Rückwirkend zum 1. Januar soll die Vorgabe ausgesetzt werden, dass vier Prozent des Ackerlandes brachliegen oder unproduktiv genutzt werden müssen, wie die EU-Kommission am Mittwoch mitteilte. Durch die Vorgabe soll eigentlich die Umwelt geschützt werden.

    Ausnahmeregelungen und ihre Bedingungen

    Hecken, in denen Vögel brüten können, gelten etwa als unproduktive Nutzung. Damit Bäuerinnen und Bauern von der vorgeschlagenen Ausnahme profitieren können, sollen sie im Gegenzug auf sieben Prozent ihrer Ackerflächen stickstoffbindende Pflanzen wie Linsen oder Erbsen beziehungsweise Zwischenfrüchte anbauen. Damit kommt die EU-Kommission Bauern entgegen, die derzeit in zahlreichen Ländern protestieren.

    In der Kritik stehen auch Auflagen aus Brüssel, durch die sich Bäuerinnen und Bauern zu stark beschränkt sehen. «Er ist die erste konkrete politische Antwort, um den Einkommensproblemen der Landwirte Rechnung zu tragen», teilte die Behörde mit. Die EU-Staaten müssen dem Vorhaben noch in einer Ausschusssitzung zustimmen.

    Reaktionen auf den Vorschlag

    Der deutsche Bundesagrarminister Cem Özdemir hatte sich kritisch zu entsprechenden Ausnahmen geäussert. Mitte 2022 sagte der Grünen-Politiker etwa, dass er Ausnahmen bei Fruchtfolgeregeln für sinnvoller halte. Fruchtfolgen – also der Wechsel verschiedener Pflanzen auf dem Acker – sollen im Gegensatz zu Monokulturen Böden schonen oder weniger Pestizide nötig machen. Berechnungen des Agrarministeriums zeigten, dass auf diese Weise deutlich mehr Getreide geerntet werden kann.

    Zu den aktuellen Vorschlägen der EU-Kommission äusserte sich Özdemir zunächst nicht. Selbst wenn es eine Mehrheit unter den EU-Staaten für das Vorhaben gibt, muss Deutschland diese Ausnahmen nicht ermöglichen. Die Entscheidung liegt jeweils bei den nationalen Regierungen. Die Naturschutzorganisation BUND sieht den Vorschlag der Kommission als Einknicken; die Behörde zeige, dass sie dem Schutz der Lebensgrundlagen keine Priorität einräume.

    «Wir fordern darum Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir auf, diesen Vorschlag im Rat abzulehnen.» Ähnlich äusserte sich die Umweltschutzorganisation Nabu. Der FDP-Politiker und Vizepräsident des EU-Parlaments, Jan-Christoph Oetjen, forderte hingegen, die Flächenstilllegung ganz abzuschaffen.

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    Weiterlesen

    Bauern Italien Proteste
    12 Interaktionen
    EU-Agrarpolitik

    MEHR IN NEWS

    «ChoschtBar»: 44 Leute gegen Food-Waste!
    1 Interaktionen
    Zofingen AG
    Europarat Bundesstadt Marieke Kruit
    4 Interaktionen
    Kruit reagiert
    David Galeuchet Porträtfoto Gastbeitrag
    Galeuchet (Grüne)
    15-Jährige aus Oberägeri ZG punktet an Schach-WM
    Maria Waaijenberg

    MEHR EU

    laschet
    15 Interaktionen
    Wie Meloni
    erasmus
    10 Interaktionen
    Bern
    Baby trinkt aus der Milchflasche
    5 Interaktionen
    Brüssel
    Spanien Zugunfall
    2 Interaktionen
    In Spanien

    MEHR AUS BELGIEN

    Belgien Ministerpräsident Bart De Wever
    Haushaltskrise
    Erdöl
    13 Interaktionen
    Wegen Energiekrise
    Tiktok
    8 Interaktionen
    Brüssel