UN-Klimakonferenz

    «Eine Baustelle»: Ringen um Abschlusserklärung der UN-Klimakonferenz

    Keystone-SDA
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    Ägypten,

    Einen Tag vor dem geplanten Ende des UN-Klimagipfels hat die ägyptische Konferenzleitung zum zweiten Mal Eckpunkte für eine Abschlusserklärung vorgelegt.

    COP 27 Klimakonferenz
    Bundespräsident Ignazio Cassis verlässt die Bühne nach seiner Rede an der Klimakonferenz in Sharm el-Sheikh, 7. November 2022. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Klimakonferenz in Sharm el-Sheikh (EGY) endet planmässig am Freitag.
    • Die Konferenzleitung hat aber noch keine definitive Abschlusserklärung.
    • Mehrere Umweltorganisationen kritisieren den bisherigen Entwurf.

    Umweltschutzorganisationen kritisierten am Donnerstag, der Text sei eine «Baustelle»: zu lang, zu unkonkret und in sich widersprüchlich. In dem 20-seitigen Papier mit vielen ungeklärten Streitfragen wird zwar ein schrittweiser Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohle eingefordert, nicht aber der Abschied von Öl und Gas.

    COP 27 Annalena Baerbock
    Die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock an der COP 27 in Ägypten, 17. November 2022. - Keystone

    Der geschäftsführende Vorstand von Greenpeace Deutschland, Martin Kaiser, sagte, der notwendige weltweite Ausstieg aus Öl und Gas müsse jetzt mit Hochdruck in das Dokument eingebracht werden. Dafür müsse sich auch Aussenministerin Annalena Baerbock (Grüne) persönlich einsetzen. «Es wäre absolut inakzeptabel, wenn am Ende einer zweiwöchigen Klimakonferenz in Mitten des Klimakollaps maximal die Ergebnisse aus dem Vorjahr wiederholt würden.»

    Auch der Oxfam-Experte Jan Kowalzig sagte der Deutschen Presse-Agentur, es wäre «ein grosses Versäumnis», wenn die Klimakonferenz COP27 kein klares Signal aussenden würde, dass die Abkehr von allen fossilen Energien unvermeidlich ist. Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Johan Rockström, kritisierte, beim Klimaschutz nicht über fossile Energieträger zu sprechen sei so wie zu sagen, dass sich die Wirtschaft nicht um Geld drehe.

    banken
    Fossile Energieträger sind nach wie vor ein Klima-Risiko. (Symbolbild) - AFP/Archiv

    Die zweiwöchige Konferenz in Ägypten, zu der etwa 34 000 Menschen angereist sind, soll planmässig am Freitag enden. Eine Verlängerung gilt aber zunehmend als wahrscheinlich.

    Staaten streiten sich noch um «loss and damage»-Fonds

    Zu den weiter ungeklärten Punkten zählt auch die Forderung armer Staaten nach Ausgleichszahlungen für ihre erlittenen Schäden, etwa nach Dürren, Überschwemmungen oder Wirbelstürmen, die wegen der Erderhitzung stärker und häufiger werden. Ob dafür ein neuer Geldtopf eingerichtet wird, blieb weiter unklar.

    Indonesien Klimawandel
    Der globale Süden, zu dem die ärmeren Länder der Welt gehören, leiden als erste unter den Folgen des Klimawandels. Im Bild: Eine Insel in Indonesien, die zu verschwinden droht, wenn der Meeresspiegel ansteigt. - Keystone

    Tom Evans von der Klima-Denkfabrik E3G sagte, die USA und die EU müssten bei dem Thema Schadenersatz, im UN-Jargon «loss and damage» genannt, ein ehrgeiziges Paket vorlegen. Sonst bestehe die Gefahr, dass auch andere Punkte verwässert werden.

    Er bilanzierte: «Wir sind nicht dort, wo wir sein müssen.» Der ägyptischen Präsidentschaft fehle eine «einheitliche Vision» für Kompromisslinien. Mit 20 Seiten sei der Text «unfassbar lang», mit vielen Wiederholungen und sogar einigen «ziemlich frustrierenden internen Widersprüchen».

    Ägypten COP 27
    Der ägyptische Präsident Abdel Sattah el-Sisi an einem Treffen mit US-Präsident Joe Biden im Rahmen der COP 27. - Keystone

    Im Text hätten sich auch viele «Wiesel-Wörter» mit vager und unscharfer Bedeutung eingeschlichen, kritisierte Catherine Abreu vom kanadischen Klima-Beratungsgremium NZAB. Mit solchen Wörtern würde der «Status quo» der Energieerzeugung mit Öl, Gas und Kohle gerechtfertigt, statt den Ausstieg einzufordern.

    In dem Text werden die Staaten aufgefordert, ihre grösstenteils unzulänglichen Klimaschutzpläne bis spätestens zur nächsten Klimakonferenz nachzubessern, die Ende 2023 in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfindet. Kowalzig von Oxfam sagte dazu, es würden aber keine brauchbaren Schlussfolgerungen daraus gezogen, dass die Pläne zu lax sind.

    1,5-Grad-Ziel noch weit entfernt

    «Diesbezüglich fehlt dem Text erheblich an Dringlichkeit und politischem Willen, das Ruder noch herumzureissen, bevor die wichtige 1,5°C-Grenze ausser Reichweite gerät.»

    2015 hatten die Staaten in Paris vereinbart, die Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Die Welt hat sich nun schon um gut 1,1 Grad erwärmt, Deutschland noch stärker. Ein Überschreiten der 1,5-Grad-Marke erhöht nach Warnungen der Wissenschaft deutlich das Risiko, sogenannte Kippelemente im Klimasystem und damit unkontrollierbare Kettenreaktionen auszulösen.

    Weltklimarat 1,5 Grad
    Weltklimarat: Die Erde wird sich bereits bis 2030 um 1,5 Grad erwärmen. - AFP/Archiv

    David Ryfisch von Germanwatch sagte der dpa, die COP27 sei weit von einem Ergebnis entfernt, das alle mittragen können. «Besorgniserregend ist, dass der Vorschlag an einigen Stellen hinter die Ergebnisse des letztjährigen Weltklimagipfels zurückfällt.»

    Positiv hingegen sei der starke Bezug auf die Ergebnisse des Weltklimarats IPCC und auf den Bedarf für eine Reform der internationalen Finanzarchitektur, damit alle Geldströme in Richtung Klimaschutz fliessen.

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