«Trippelschritte» bei UN-Klimakonferenz
Umweltschutzorganisationen haben am letzten Tag der UN-Klimakonferenz im westdeutschen Bonn ein gemischtes Fazit gezogen.

Einerseits würdigten sie den Vorschlag der türkischen Regierung, den globalen Anteil von Strom am Endenergieverbrauch bis 2035 von derzeit 20 auf 35 Prozent zu steigern. Die Türkei hat die Präsidentschaft der nächsten Weltklimakonferenz im November in Antalya inne. Die Initiative sei ein «gutes Signal», lobte Laura Schäfer von Germanwatch. «Nun kommt es darauf an, diese Zielsetzung durch konkrete nationale Massnahmen zu unterlegen.»
Der Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig betonte: «Die Elektrifizierung ist prinzipiell ein wichtiger Schritt in Richtung Klimaneutralität, aber nur, wenn sie mit einem konsequenten Umstieg auf erneuerbare Energien begleitet wird.»
Auf der anderen Seite stimmten die Organisationen darin überein, dass das Tempo auf der Konferenz viel zu langsam gewesen sei. «Wir haben hier in Bonn eine strukturelle Lähmung erlebt», kritisierte der Greenpeace-Klimaschutzexperte Jannes Stoppel.
«Streit um fehlende Klimafinanzierung, gegensätzliche geopolitische Interessen und fehlende Umsetzungsmechanismen zwingen die Verhandlungen zu Trippelschritten, dabei sind eigentlich Siebenmeilenstiefel nötig.»
Wie schon so oft sei das «liebe Geld» auch in Bonn ein Thema mit grossem Leidensdruck geblieben, sagte Fentje Jacobsen vom WWF Deutschland.
Mit Blick auf die Weltklimakonferenz in Antalya reiche es deshalb nicht aus, Entscheidungen weiter aufzuschieben: Bereits im Vorlauf müssten klare Finanzzusagen und konkrete Umsetzungspläne auf den Tisch, um weitere Fortschritte möglich zu machen.
Die Klimakrise sei nur zu stoppen, wenn Kohle, Öl und Gas in den Hintergrund rückten und erneuerbare Energien die Zukunft bestimmten.
Vertreter mehrerer Länder, unter ihnen die Schweiz, Sierra Leone und die vom steigenden Meeresspiegel besonders betroffenen Pazifik-Inseln, kritisierten bei einer Pressekonferenz, es würden bei den Verhandlungen zunehmend objektiv feststehende Fakten zum Klimawandel in Abrede gestellt.
Die Konferenzen seien dazu da, Antworten auf den Klimawandel zu finden, und nicht, den Stand der Wissenschaft zu diskutieren.
An der Bonner Konferenz hatten seit Anfang vergangener Woche 6.500 Delegierte aus Regierungen, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft fast aller UN-Mitgliedstaaten teilgenommen. Hauptaufgabe war die Vorbereitung der nächsten Weltklimakonferenz in Antalya.














