Aufgrund des Ukraine-Kriegs und seinen Auswirkungen rechnet der deutsche Finanzminister Lindner fast 40 Milliarden Euro mehr Schulden mit ein.
Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) will neue Schulden aufnehmen.
Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) will neue Schulden aufnehmen. - Christophe Gateau/dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Wegen des Ukraine-Kriegs plant Deutschland fast 40 Milliarden Euro mehr Schulden ein.
  • Mit dem Finanzpaket sollen die Folgen des Krieges abgemildert werden.
  • Der Finanzminister Lindner verpasste seinem vorgelegten Haushaltsplan ein Update.

Finanzminister Lindner muss seinem vorgelegten Haushalt wegen des Ukraine-Kriegs ein Update verpassen. Er braucht fast 40 Milliarden mehr als gedacht. Die Opposition wittert Täuschung. Das Bundeskabinett hat den Ergänzungshaushalt mit fast 40 Milliarden Euro zusätzlichen Schulden beschlossen.

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Ukraine-Flüchtlinge aus Moldau warten auf dem Flughafen Frankfurt auf ihre Registrierung durch die Bundespolizei. - Boris Roessler/dpa

Mit dem Geld soll ein Entlastungspaket finanziert werden, das bei Bürgern und Unternehmen die Folgen des Ukraine-Kriegs abmildern soll. Insgesamt will die Bundesregierung damit in diesem Jahr 138,9 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen.

Bundesregierung müsse handeln

Für einen Finanzminister, der das Ziel solider öffentlicher Haushalte zur Priorität erklärt habe, sei die Neuverschuldung «keine befriedigende Zahl». Dies betonte Lindner. «Aber es ist Ausdruck auch von staatspolitischer Verantwortung, dass in diesem Jahr die Bundesregierung handelt.»

Man könne nicht zulassen, dass es zu Strukturbrüchen in der Wirtschaft komme. Zudem dürfe man nicht hinnehmen, dass die Menschen unter den steigenden Energiepreisen litten. Mit dem Ukraine-Krieg hätten sich die wirtschaftlichen Herausforderungen seit seinem Amtsantritt noch weiter verschärft, sagte Lindner. Deutschland müsse jetzt mit zwei Krisen zugleich klarkommen, der nicht überwundenen Pandemie und einem Krieg in Europa.

Flüchtlinge und Energiepreise neu mit eingeplant

Der Etatentwurf für 2022 wird eigentlich bereits im Bundestag beraten, jetzt bekommt er ein Update. Berücksichtigt sind unter anderem Kosten für die Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine und die Senkung der Energiesteuern auf Sprit. Ausserdem sind 5 Milliarden Euro für Wirtschaftshilfen und 1,45 Milliarden Euro für humanitäre Hilfe vorgesehen.

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Zapfsäule an einer Tankstelle - AFP/Archiv

Die Union warf Lindner Tricks und Täuschung auf allen Ebenen vor. Er habe versprochen, der Ergänzungshaushalt werde sich allein auf Massnahmen zur Bewältigung der Kriegsfolgen beschränken, sagte Haushälter Christian Haase (CDU). «Dann kommt das nachösterliche Überraschungsei: Mindestens 8 bis 10 Milliarden Euro im Ergänzungshaushalt haben keinen originären Ukraine-Bezug.»

3,7 Milliarden als Puffer

Lindner erläuterte, es seien bereits beschlossene und vom Haushaltsausschuss bewilligte pandemiebedingte Massnahmen aufgenommen worden: etwa die Verlängerung kostenloser Bürgertests und Impfzentren. All das hätte man sonst in der letzten Sitzung des Haushaltsausschusses vor dem Beschluss im Bundestag einarbeiten müssen.

Zudem treffe der Bund Vorsorge für wirtschaftliche Risiken, also etwa sinkende Steuereinnahmen oder höhere Arbeitslosigkeit wegen des Kriegs. Dafür seien 3,7 Milliarden Euro eingeplant – nicht, um Reserven anzulegen, sondern als Puffer wegen der unvorhersehbaren Lage.

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