Der ESC in Wien und der Streit um Israel
Beim ESC in Wien überschattet Israels Teilnahme das 70. Jubiläum. Fünf Länder boykottieren – und am Ende siegt Bulgarien.

Erstmals in seiner Geschichte gewinnt Bulgarien den ESC. Die Sängerin Dara überzeugte in Wien sowohl Jurys als auch Publikum mit dem Song «Bangaranga», wie die «taz» berichtet.
Israel belegte trotz Boykottprotesten und Zwischenrufen den zweiten Platz. Die Teilnahme des israelischen Sängers Noam Bettan war von Anfang an umstritten.
Fünf Länder – Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island – boykottierten das 70. Jubiläum des Wettbewerbs.
Spaltung in der ESC-Community
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez bekräftigte den Boykott seines Landes. Er sagte, man dürfe «angesichts eines illegalen Krieges und eines Völkermords» nicht schweigen, so die «taz».
Es sei eine «Frage der Konsequenz, der Verantwortung und der Menschlichkeit», nicht gleichgültig zu bleiben.
In Wien selbst demonstrierten am Finaltag mehrere Hundert Menschen vor der Stadthalle. Ein israelisches Fancafé im Museumsquartier stand unter Polizeischutz, der bis zu 12'000 Euro kostete.
Mindestens eine Million für den ESC
Die «New York Times» veröffentlichte zu Beginn der ESC-Woche eine Recherche über Israels Vorgehen beim Voting des Vorjahres. Demnach soll die israelische Regierung damals mindestens eine Million Euro für Marketingkampagnen ausgegeben haben.
Netanyahus sogenanntes «Hasbara»-Büro war laut der «New York Times» direkt an der Kampagne beteiligt. Israelische Botschaften sollen dabei europäische Rundfunksender kontaktiert haben, um einen Ausschluss Israels zu verhindern.
Für 2026 wurden die Abstimmungsregeln angepasst. Pro Person sind nur noch zehn statt zwanzig Stimmen möglich, um eine mögliche Beeinflussung einzudämmen.
Zweiter Platz als politische Debatte
Israel erzielte beim reinen Televoting trotzdem den dritten Platz. Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, sieht laut «taz» einen Sieg Israels nicht als mögliche Gefahr für den ESC.

Nicht Israels Erfolg schade dem ESC, sondern der Umgang mit dem Abstimmungsergebnis. Problematisch sei die Haltung, ein demokratisches Voting nur dann zu akzeptieren, wenn Israel nicht als Sieger hervorgeht.
Wie demokratisch sauber das Voting tatsächlich abgelaufen sei, bleibe offen, schreibt die «Jüdische Allgemeine». Das Blatt merkt an, dass auch andere Länder in den ESC investierten.












