Am WEF in Davos entdecken die viel kritisierten Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit für sich – und wollen sich die Klimadebatte zunutze machen.
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In Washington sieht man manches anders als beim Weltwirtschaftsforum in Davos: Die Kuppel des US-Kapitols hinter den Abgasen des Kapitol-Kraftwerks. Foto: Jim Lo Scalzo/EPA/dpa - dpa-infocom GmbH
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die internationale Wirtschaftselite will auf klimafreundliche Geschäftsmodelle setzen.
  • Viele Unternehmen halten den Trend zur Nachhaltigkeit für eine grosse Chance.

In Davos stehen scheinbar alle Ampeln auf Grün: Die internationale Wirtschaftselite will beim Klimawandel künftig voranpreschen. Die führenden Unternehmen mussten sich lange vor allem Vorwürfe rund um ihren gesellschaftlichen Fussabdruck anhören.

Es gibt kaum einen Konzernchef bei der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF), der sich nicht als progressiver Anpeitscher gibt, keinen Manager, der nicht das Potenzial klimafreundlicher Geschäftsmodelle hervorhebt.

Nachhaltige Geschäftsmodelle schaffen

Mehr als 140 Wirtschaftsbosse haben sich in einer Initiative des WEF verpflichtet, sich auf einheitliche Kennzahlen für Investments in nachhaltige Anlageformen zu einigen. Mitwirken wollen auch die vier grossen Wirtschaftsprüfer Deloitte, EY, KPMG und PwC.

WEF Davos
In Davos findet dieses Jahr das 50. Weltwirtschaftsforum (WEF) statt. - Keystone

«Als Konzernchefs wollen wir langfristige Werte für unsere Anteilseigner schaffen, indem wir stabile Renditen abliefern und indem wir ein nachhaltiges Geschäftsmodell schaffen, das langfristige Gesellschaftsziele adressiert», kündigt etwa Brian Moynihan an, Chef der US-Grossbank Bank of America.

«Klimarisiken sind auch Investitionsrisiken»

Der weltgrösste Vermögensverwalter Blackrock, der Anteile an rund 2500 Unternehmen hält, will diese dazu bringen, grünen Investments Vorrang zu geben. «Wir müssen festhalten, dass Klimarisiken auch Investitionsrisiken sind», sagte Vizechef Philipp Hildebrand den ARD-«Tagesthemen».

Naturkatastrophen sind eine Gefahr fürs Geschäft, deshalb stellen Firmen verstärkt ihre Modelle um. Ganz sieht es so aus, als wollte die versammelte Wirtschaftselite einem grösseren Eingriff durch die Politik zuvorkommen.

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Investitionen in Kohle, Öl und Tabak werden immer unbeliebter. - dpa/dpa/picture-alliance/Archiv

Investitionen in Kohle, Öl, Waffen und Tabak gelten vielen mittlerweile als verpönt, mögen die Renditen noch so hoch sein. «Wir sehen weltweit diesen Druck», sagt Rich Nuzum, Chef-Investmentberater für Grosskunden beim Beratungsunternehmen Mercer. Strafen wegen Fehlverhaltens schlagen zudem direkt auf den Unternehmenswert durch, unterstreicht UBS-Investmentchef Mark Haefele.

Regierung ist im Hintertreffen

«Es ist das erste Mal, dass die Wirtschaft den Ton angibt und die Regierungen hinterherhinken», sagte Allianz-Chef Oliver Bäte und sah die Politik unter Handlungsdruck. «Wir diskutieren immer Pläne für den Kohleausstieg, aber wir diskutieren nur den Zeitpunkt und nicht die nötigen Schritte.»

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Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellt am WEF Klimawandel und Digitalisierung in den Mittelpunkt und betont die Rolle der internationalen Gemeinschaft. - Keystone

Jüngst hätten 44 der grössten europäischen Investoren die EU aufgefordert, den Klimaschutz zum Gesetz zu machen, attestiert Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Diese stünden für sechs Billionen Euro an investiertem Vermögen. «Sie wollen dieses Gesetz. Sie sagen, es gibt ihnen das Vertrauen, die Rechtssicherheit und Verlässlichkeit, die sie für langfristige Investitionen brauchen.»

«Politik hält uns zurück»

Laut einer Studie von Greenpeace haben Banken seit dem Pariser Klimaabkommen 2015 rund 1,4 Billionen US-Dollar (1,26 Bio Euro) in fossile Energieträger wie Öl, Kohle und Gas gesteckt. Trotzdem nimmt auch Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan vor allem Regierungen in die Pflicht. «Es ist tatsächlich die Politik, die uns hier zurückhält», sagt sie. Regierende sollten sich mit Experten und der Zivilgesellschaft zusammensetzen, um zu klären, was zu tun ist.

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Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga und WEF-Gründer Klaus Schwab am Weltwirtschaftsforum WEF in Davos - Keystone

Aus der Wirtschaft selbst kommen mitunter noch deutlich schärfere Kommentare. «Kapitalismus, wie wir ihn kennen, ist tot», urteilt Marc Benioff, Chef des US-Softwareriesen Salesforce. «Kapitalismus hat versagt, weil er sich auf kurzfristige Profitabilität und Erfolg fokussiert», schlägt André Hoffmann, Vizepräsident des Schweizer Pharmagiganten Roche, in die gleiche Kerbe.

Aus Sicht von Wirtschaftsexperten kann der Trend zur Nachhaltigkeit insbesondere für europäische Unternehmen eine grosse Chance sein, ist Accenture-Fachmann Frank Riemensperger überzeugt: «Nachhaltigkeit ist eine unserer grössten Geschäftsmöglichkeiten, weil es darum geht, wie man die physische Welt auf lange Zeit werterhaltend betreibt.»

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