Protest

    Auto mit wirrer Protest-Botschaft rammt Tor des Kanzleramts

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    Deutschland,

    Das Bild kam vielen Menschen bekannt vor: Ein dunkler Wagen mit handgeschriebenen Botschaften auf den Seiten steht nach einem zaghaften Rammmanöver vor dem Bundeskanzleramt. Das gab es schon einmal vor sechs Jahren.

    Ein Auto steht vor dem Tor des Bundeskanzleramts. Auf der Tür ist die Aufschrift «Stop der Globalisierungs-Politik» zu lesen. Foto: Michael Kappeler/dpa
    Ein Auto steht vor dem Tor des Bundeskanzleramts. Auf der Tür ist die Aufschrift «Stop der Globalisierungs-Politik» zu lesen. Foto: Michael Kappeler/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die erste Aufregung war gross.

    Ein Auto sei in das Eingangstor des Bundeskanzleramtes in Berlin gekracht, hiess es am Mittwochmorgen in Meldungen im Internet. Ein Anschlag? Schnell verbreiteten sich auch Fotos.

    Direkt am Tor zur Einfahrt in den Amtssitz von Angela Merkel (CDU) stand ein dunkler Kombi, auf den Seiten standen aufgemalte politische Botschaften. Der Wagen war gegen das Tor gefahren - allerdings eher langsam als mit Wucht. Zudem war der Fahrer offenbar verwirrt und bereits vor sechs Jahren mit einer sehr ähnlichen Tat aufgefallen. Von einem möglichen Terroranschlag war nicht mehr die Rede.

    Um kurz nach 10.00 Uhr fuhr der 54-jährige Fahrer mit seinem dunkelgrünen Golf Kombi, Nummernschild aus dem Kreis Lippe in Nordrhein-Westfalen, gegen das Tor in der Zufahrt des Bundeskanzleramtes. Bundespolizisten nahmen den Mann sofort fest. Mit einer leichten Verletzung wurde er kurz in einem Krankenwagen behandelt. Der Mann hatte einen Rollstuhl dabei, konnte aber auch gehen. Die Polizei sperrte die Strasse ab. Für den öffentlichen Autoverkehr ist der Bereich nicht erlaubt, lediglich Fahrradfahrer können daran vorbeifahren.

    Durch die Front des Wagens wurden mindestens zwei Metallstreben des Gittertores eingedrückt. Berlins Polizeisprecher Thilo Cablitz sagte später, der Mann sei mit seinem Auto mit «sehr geringer Geschwindigkeit gefahren, so dass auch nur sehr geringer Sachschaden am Tor und an dem Fahrzeug entstand».

    Auf der Fahrerseite des Autos stand mit weisser Schrift aufgemalt: «Ihr verdammten Kinder- und alte Menschen-Mörder». Auf der Beifahrerseite hiess es: «Stop der Globalisierungs-Politik». Spekuliert wurde kurz, dass die Aktion im Zusammenhang mit den Massnahmen der Politik gegen die Corona-Pandemie stehen könnte. Der Vorfall ereignete sich während der laufenden Sitzung des Bundeskabinetts. Dieses tagt in der Regel mittwochmorgens im Kanzleramt.

    Polizeisprecher Cablitz wollte sich nicht festlegen: «Ob es sich um einen psychischen Zustand oder eine andere Motivation handelt, wird aktuell geklärt.» Es könne nur spekuliert werden, «ob es sich um einen symbolischen Akt handelte oder Aufmerksamkeit erregt werden sollte».

    Mittags wurde schliesslich bestätigt, dass der Mann bereits 2014 an der Berliner Regierungszentrale eine fast identische Tat beging. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte, «dass der Täter bekannt ist aus einem ähnlichen Vorfall von 2014».

    Im Februar 2014 war der damals 48-jährige Mann mit demselben Auto gegen den Zaun des Kanzleramts gefahren. Fotos von dem Vorfall zeigen den Wagen. Auf der linken Seite stand damals: «Nicole, ich liebe dich», auf der anderen Seite: «Schluss mit dem Menschen tötenden Klimawandel». Auch damals wurde der Mann sofort festgenommen.

    Bei der Polizei äusserte sich der Fahrer am Mittwoch. Inhaltlich wurde dazu aber nichts verraten. Er werde vernommen, dann entscheide man, wie weiter mit ihm verfahren werde, sagte der Polizeisprecher.

    Merkel, ihre Minister und Mitarbeiter seien durch den Vorfall mit dem alten Golf nicht in Gefahr gewesen, betonten ein Regierungssprecher und die Bundespolizei noch am Mittag. «Die Sicherheitsmassnahmen am Kanzleramt haben sich bewährt», twitterte die Bundespolizei. «Für die Bundeskanzlerin, die übrigen Mitglieder der Bundesregierung & die im Kanzleramt Beschäftigten bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung.»

    Viele Reaktionen im Internet fielen dagegen eher amüsiert aus: «Einmal alle sechs Jahre», twitterte einer. «Bestimmt ein Querlenker», schrieb jemand anderes.

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