Alexej Nawalny: Russisches Militär wirbt mit KI-Bild um Rekruten
Wie bitte? Das russische Militär wirbt ausgerechnet mit einem KI-generierten Foto von Alexej Nawalny (†47) um neue Rekruten.

Das Wichtigste in Kürze
- In Rostow am Don wirbt eine Militäranzeige mit einem KI-Bild von Alexej Nawalny.
- Neue Vertragssoldaten sollen ab sieben Millionen Rubel Jahreslohn erhalten.
- Die Organisation dahinter bestreitet den Bezug zu Nawalny als «Zufall».
Um genügend Soldaten für den Krieg in der Ukraine zu rekrutieren, greift Putin mittlerweile tief in die Tasche. Neuen Vertragssoldaten werden Gehälter ab sieben Millionen Rubel pro Jahr versprochen, umgerechnet über 73'000 Franken. Das entspricht etwa dem Fünffachen eines russischen Durchschnittslohns.
Für Aufsehen sorgt nun aber nicht der Sold, sondern das Bildmaterial einer solchen Anzeige aus Rostow am Don in Südrussland. Sie zeigt ein KI-generiertes Foto des 2024 im Straflager gestorbenen Oppositionsführers Alexej Nawalny – in zwei Versionen.
Links ist er in russischer Kampfuniform mit grimmiger Miene zu sehen. Darunter ein Pfeil, der für ein Jahr Militärdienst eine Wohnung in Kaliningrad in Aussicht stellt. Rechts daneben lächelt dieselbe Figur in ziviler Kleidung, einen Wohnungsschlüssel in der Hand.
Ausgerechnet Alexej Nawalny als Werbefigur
Alexey Nawalny war zu Lebzeiten der schärfste politische Gegner Putins. Er überlebte mehrere Giftanschläge, ehe er 2024 in russischer Straflagerhaft starb. Vergiftet worden sein soll er laut Berichten mit Froschgift.
Besonders zynisch wirkt die Kampagne deshalb, weil Alexej Nawalny den Krieg gegen die Ukraine zeit seines Lebens klar ablehnte. Er bezeichnete ihn als von «Banditen und Verbrechern» begonnen.

Erstmals aufgetaucht war die Anzeige bereits im April dieses Jahres, öffentlich gemacht hat den Fall das russische Exilmedium «Meduza». Das Medium ging der Herkunft der Anzeige nach und stiess dabei auf weitere Ungereimtheiten.
Auch die Bundeswehr wird ins Bild gerückt
Hinter der Nawalny-Figur ist auf der Anzeige ein brennender Panzer mit einem Eisernen Kreuz abgebildet, dem Erkennungszeichen der deutschen Bundeswehr. Die Botschaft dahinter dürfte klar sein: Wer sich rekrutieren lasse, könne in der Ukraine gegen deutsche Panzer kämpfen.
Verantwortlich für die Anzeige zeichnet laut Recherchen eine Organisation namens «Rodina Geroev». Auf Nachfrage erklärte diese, es handle sich lediglich um eine «zufällige Person», die Ähnlichkeit mit Nawalny sei reiner Zufall.

Brisant dabei: Die angegebene Adresse der Organisation führt direkt zur Regionalregierung von Rostow am Don. Auch wenn die Rekrutierung offiziell an verschiedene Stellen ausgelagert wurde, steht letztlich der russische Staat dahinter.
Mittlerweile wurde die Anzeige aus dem Netz entfernt.















