Das Regime in Belarus geht weiterhin hart gegen die Medien vor. Nun wurde neben weiteren Portalen auch die Internetseite der Deutschen Welle gesperrt.
Deutsche Welle
Die Online-Angebote der Deutschen Welle wurden in Belarus gesperrt. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Seite der Deutschen Welle ist in Belarus nicht mehr abrufbar.
  • Offizieller Grund ist die Verlinkung von extremistischen Materialien.
  • Neben der DW sind weitere Online-Angebote von der Sperre betroffen.

Die Website der Deutschen Welle (DW) wurde in Belarus gesperrt. Der Vorwurf lautet, es würden extremistische Materialien verlinkt. Weitere Nachrichtenportale sind von der Sperrung im Land betroffen.

Die Online-Angebote in allen 32 Sendesprachen seien nicht mehr abrufbar, teilte der Sender am Freitag in Bonn mit.

Belarus Polen
Teilnehmer einer Demonstration gegen die belarussische Regierung in Warschau. - dpa

Das Informationsministerium in Minsk begründete den Schritt der Staatsagentur Belta zufolge damit, dass die Deutsche Welle Materialien verlinke, die laut Gerichtsbeschlüssen als extremistisch eingestuft worden seien.

Intendant Peter Limbourg sprach von «einem Akt der Verzweiflung» bei der Führung in Belarus. «Der Vorwurf gegen die DW ist absolut lächerlich», sagte er laut einer Mitteilung.

Weitere Nachrichtenportale in Belarus gesperrt

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts erklärte in Berlin, der deutsche Botschafter in Minsk habe das dortige Aussenministerium um Erklärung zu dem Vorfall gebeten und gefordert, dass der Zugang zur Website der Deutschen Welle umgehend wieder ermöglicht werde. Neben der DW sind weitere Nachrichtenportale in Belarus von der Sperrung betroffen.

Machthaber Alexander Lukaschenko geht seit den Massenprotesten im Sommer und Herbst vergangenen Jahres massiv gegen unabhängige Medien, Menschenrechtsorganisationen und Andersdenkende vor. Die EU und die USA haben bereits Sanktionen gegen die Ex-Sowjetrepublik verhängt. Der als letzter «Diktator Europas» kritisierte Lukaschenko wird vom russischen Präsidenten Wladimir Putin unterstützt.

Lukaschenko
Alexander Lukaschenko, Präsident von Belarus, spricht während eines Treffens. - Keystone

«Wir protestieren gegen die Sperrung unserer Angebote, weil die Menschen dort ein Anrecht auf objektive Informationen über die Situation in ihrem Land haben», sagte Limbourg. «Die starke Nutzung unabhängiger Medienangebote zeigt deutlich, dass die Menschen in Belarus den vom Staat gelenkten Medien nicht mehr vertrauen.»

Die US-Botschaft in Belarus muss indes auf Druck der Behörden ihre Pressestelle sowie weitere Büros wie das zur Entwicklungshilfe USAID schliessen. Zudem sei die Botschaft gezwungen worden, mehr als 20 belarussischen Mitarbeitern zu kündigen. «Diese Massnahmen spiegeln die tiefe Unsicherheit der belarussischen Behörden wider», hiess es.

Mehr zum Thema:

Entwicklungshilfe Wladimir Putin Botschafter Herbst Staat EU