Winston Churchill als Maler: Retrospektive in London
Der ehemalige britische Premierminister Winston Churchill hat geschrieben – und auch gemalt. Diese weniger bekannte Seite rückt nun eine Ausstellung in der Wallace Collection in London in den Mittelpunkt.

Winston Churchill (1874-1965) begann 1915 mit der Malerei, als er nach dem Scheitern der Schlacht um die Dardanellen gezwungen war, sein Amt in der Regierung niederzulegen.
Für ihn sei das eine «sehr schwierige» Zeit gewesen. «Er hatte plötzlich viel Freizeit und entdeckte die Malerei als Mittel, um den Stress und die Ängste abzubauen, die diese Situation bei ihm ausgelöst hatte», sagte Lucy Davis, eine der Kuratorinnen der Ausstellung, zur Nachrichtenagentur AFP.
In einem chronologischen Rundgang entdeckt man zunächst Churchills erste Werke, die unter der Anleitung des Porträtmalers John Lavery entstanden, gefolgt von Werken, die er in den 1920er-Jahren in seinem Wohnsitz Chartwell im Südosten Englands gemalt hat.
Als Autodidakt, aber umgeben von anerkannten Malern, interessierte er sich bald für Landschaften und liess sich von seinen Aufenthalten in Südfrankreich inspirieren, um Gemälde in leuchtenden Farben zu schaffen, die von Blau- und Ockertönen dominiert werden. Churchill habe die Malerei als Vorwand zum Reisen gesehen, so Davis.
Ein Raum ist den Gemälden gewidmet, die von Aufenthalten in Marokko inspiriert sind, darunter «The Tower of the Koutoubia Mosque», das einzige Werk, das während des Zweiten Weltkriegs entstand. Churchill hat es dem amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt geschenkt und eine Zeit lang gehörte es der Schauspielerin Angelina Jolie.
Die Ausstellung endet mit der Zeit nach 1945. Nachdem Churchill bei den Parlamentswahlen unterlegen war, griff er wieder zum Pinsel. Bis zu seinem Tod im Jahr 1965 malte er regelmässig.
Bemerkenswert ist, dass die Bilder Churchills nicht von den Ereignissen seiner Zeit geprägt sind. «Er war zwar ein Kriegsherr, aber in seinen Bildern merkt man seine 'Lebensfreude' an, seinen Witz, seine schelmische Seite», sagte die Kuratorin.
Doch es gibt eine Ausnahme: Das Gemälde «The Beach At Walmer» (1938) malte er, als er vor dem bevorstehenden Krieg warnte. An einem Strand im Süden Englands vergnügen sich Badegäste, doch im Vordergrund deutet eine schwarze, auf das Meer gerichtete Kanone auf eine bedrohliche Gefahr hin.
Die Ausstellung in der Wallace Collection in London ist nach eigenen Angaben die bedeutendste Retrospektive von Winston Churchills Werk seit über 60 Jahren. Ab dem 23. Mai werden über fünfzig Gemälde gezeigt, die die Öffentlichkeit selten zu sehen bekommt.














