Schornsteine der ehemaligen Tamoil-Raffinerie eingestürzt
Die beiden letzten Schornsteine der ehemaligen Tamoil-Raffinerie in Collombey-Muraz im Unterwallis sind am Donnerstagnachmittag gesprengt worden. Mehrere hundert Schaulustige verfolgten den Einsturz. Die Raffinerie war bereits 2015 stillgelegt worden.

Die fast 100 Meter hohen Schornsteine mit einem Gesamtgewicht von 4000 Tonnen stürzten innerhalb weniger Sekunden nacheinander wie ein Kartenhaus ein.
Die Aktion erforderte den Einsatz von 50 Kilogramm Sprengstoff. Die umliegenden Strassen wurden aus Sicherheitsgründen für fast eine Stunde gesperrt.
Der Bauschutt wird in Bauprojekten in der Region wiederverwendet, wie Stéphane Trachsler, Direktor von Tamoil Schweiz, am Donnerstag an einer Pressekonferenz sagte.
«Es ist ein symbolträchtiger Tag», sagte Olivier Turin, der Gemeindepräsident von Collombey-Muraz. «Er schliesst ein industrielles Kapitel ab, ermöglicht aber einen Neuanfang, der unsere lokale Landschaft und die des Chablais verändern wird.»
Man könne nicht ohne eine gewisse Nostalgie zusehen, wie ein Standort verschwinde, der das Wallis und die Schweiz mit Energie versorgt und jahrzehntelang so vielen Familien den Lebensunterhalt gesichert habe, sagte Trachsler.
Dieser Rückbau sei zugleich ein Ende und ein Anfang. Die Zukunft müsse noch geschrieben werden. Sie werde aber sicher nicht von der Schwerindustrie geprägt sein, sondern sich neuen Technologien zuwenden.
Wie die Gemeinde und Tamoil Schweiz 2025 angekündigt hatten, soll sich der Standort insbesondere auf die Energiewende fokussieren. Möglich wäre es, mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) verbundene Start-ups anzusiedeln.
Ausserdem soll das Gelände mit einem Güterbahnhof angebunden werden. Dies würde es künftigen Unternehmen am Standort ermöglichen, ihre Fracht über die Simplon-Linie zu transportieren. Ambitioniertes Ziel ist es, 4000 bis 5000 Arbeitsplätze auf dem Gelände zu schaffen.
Am 13. Januar 2015 hatte Tamoil Schweiz die Einstellung ihrer Aktivitäten in der Erdölraffinerie im Unterwallis bekannt gegeben. Die 238 Beschäftigten des Standortes verloren ihren Job, über 20 Mitarbeitende traf es am Tamoil-Sitz in Genf. 2019 kündigte das Unternehmen an, dass es die Anlage in Collombey-Muraz abbauen wolle, da es keine Interessenten für eine Übernahme gefunden habe.
Der Betrieb der Raffinerie war für die Umwelt nicht unproblematisch. Es kam zu mehreren Zwischenfällen. 2008 etwa flossen 151'000 Liter Benzin aus der Raffinerie in die Rhone und verschmutzten das Grundwasser.










