WHO meldet nur wenige bestätigte Erkrankungen nach Cereulid-Funden
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bislang weltweit nur wenige tatsächlich bestätigte Erkrankungen nach dem Konsum von mit Cereulid vergifteter Babynahrung registriert. Der WHO seien neun Verdachtsfälle und zwei bestätigte Erkrankungen gemeldet worden, teilte eine Sprecherin der Uno-Sonderorganisation in Genf der Nachrichtenagentur AWP mit. Die WHO wendet strenge Kriterien für den Nachweis an.

Die WHO habe von ihren Mitgliedstaaten bislang keine Berichte erhalten, die den Konsum zurückgerufener Produkte von Herstellern wie Nestlé oder Danone nachweislich mit Todesfällen in Verbindung bringen, hiess es weiter.
Bis zum 10. Februar hätten die gemeldeten Patientinnen und Patienten die Erkrankung überstanden, schwere Verläufe seien der WHO nicht bekannt, erklärte die Sprecherin. Medienberichte über zusätzliche Erkrankungen prüfe sie gemeinsam mit nationalen Behörden daraufhin, ob sie den internationalen Falldefinitionen entsprächen.
Als Verdachtsfall gilt bei der WHO eine Person mit typischen Symptomen einer Cereulid-Vergiftung nach dem Verzehr eines zurückgerufenen Produkts ohne Laborbestätigung. Ein bestätigter Fall setzt zusätzlich einen positiven Befund in einer klinischen Probe voraus.
Die EU-Seuchenbehörde respektive die Gesundheitsverantwortlichen einzelner Länder hatten jüngst von insgesamt wenigen Dutzend Krankheitsfällen mit einem möglichen Zusammenhang mit vergifteter Babynahrung berichtet. Die Meldungen stammten aus Belgien, Dänemark, Frankreich, Spanien und Grossbritannien. Allerdings meldete gemäss der EU nur Belgien positive Stuhlproben und damit einen klaren Nachweis.
Cereulid ist ein hitzestabiles Gift des Bakteriums Bacillus cereus. Es verursacht meist rasch einsetzende Magen-Darm-Beschwerden.
Im Zuge der jüngsten weltweiten Produkterückrufe verstärkten die WHO und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ihre wissenschaftliche Arbeit zur Sicherheit von Milchpulver für Säuglinge. Sie wollen die Risiken durch Erreger wie Cronobacter, Salmonellen, Clostridien sowie das Gift Cereulid neu bewerten. Die Organisationen stellt derzeit ein Experten-Gremium zusammen und sucht in einem Aufruf von letzter Woche nach Daten zur Keimbelastung von Milchpulver.
Die Experten sollen ab Frühling Bakterienrisiken, Produktionsbedingungen sowie Kontrollmethoden analysieren. Ziel ist es laut der WHO, die Krankheitslast und Kontaminationswege weltweit besser zu erfassen und bestehende Hygieneregeln zu überarbeiten. Zudem sollten strengere Kontrollmassnahmen entlang der gesamten Produktionskette – von der Herstellung bis zur Zubereitung – abgeleitet werden.














