Emanzipationsgeschichte vom Westschweizer Kollektiv Elen Fern

Keystone-SDA
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Bern,

Ein Ort am Ende eines Bahngleises: heruntergekommen, vergiftet und nahezu von der Aussenwelt abgeschnitten. Liv ist eine der wenigen, die dort noch lebt. Ihre Emanzipationsgeschichte ist ein emotionales Hin und Her, erzählt von Elen Fern in «Schlafende Züge».

Daniel Vuataz, Bruno Pellegrino und Aude Seigne (v.l.n.r.) stecken hinter dem literarischen Kollektiv Elen Fern aus der Westschweiz. Sie haben «Schlafende Züge» geschrieben, das nun in...
Daniel Vuataz, Bruno Pellegrino und Aude Seigne (v.l.n.r.) stecken hinter dem literarischen Kollektiv Elen Fern aus der Westschweiz. Sie haben «Schlafende Züge» geschrieben, das nun in... - Keystone/Anne-Laure Lechat

Elen Fern ist der Name eines literarischen Kollektivs, das vor Jahren aus einer Vereinigung junger Autorinnen und Autoren in der Romandie hervorgegangen ist und in wechselnder Besetzung schreibt. In ihrem zweiten auf Deutsch erscheinenden Roman «Schlafende Züge» entwerfen Aude Seigne, Bruno Pellegrino und Daniel Vuataz einen verlorenen Ort am Ende der Welt.

Das einst blühende Städtchen Erdenbruch wirkt heruntergekommen. Das profitable Bergwerk ist aufgegeben, seit bekannt wurde, wie giftig die geförderten Mineralien sind. Die Strasse zur Aussenwelt ist überwuchert, bloss einmal im Monat erreicht ein Eisenbahnzug den Bahnhof, um Lebensmittel zu bringen.

Unter den wenigen, die blieben, sind die Erzählerin Liv und ihr Bruder Zed. Ihre Leidenschaft sind Graffitis. Während Zed den Eisenbahnzug besprayt, damit die Welt von ihm erfährt, begnügt sich Liv mit ausrangierten Wagen, die im Depot schlafen und nie jemand zu sehen bekommt.

Erdenbruch ist aber auch die Heimat des gefeierten Künstlers Mitch Cadum. Seinetwegen besucht die junge Kuratorin Sora den Ort, um eine gigantische Skulptur für eine Ausstellung abzuholen und Cadum vielleicht persönlich zu treffen. Doch dieser Wunsch bringt alles durcheinander.

Im Ort begegnet man ihm mit grösster Skepsis. Nur Liv verspricht zu helfen und gerät so selbst in einen Strudel der Gefühle zwischen Zu- und Abneigung. Zum einen zieht es sie zu Sora hin, mit der sich die Sehnsucht nach einem anderen Leben verbindet, zum anderen erkennt sie in ihr eine Gefahr für Erdenbruch, weil ihretwegen das Geheimnis um Mitch Cadum aufzufliegen droht.

Das Elen-Fern-Kollektiv berichtet auf unaufgeregte, zugleich packende Weise von diesem Ort am Ende des Bahngeleises. Mit feinen Antennen fängt es die emotionalen Spannungen und Stimmungen ein, die seine Bewohner und insbesondere Liv umtreiben. Am Schluss entscheidet ein spontaner Sprung.*

*Dieser Text von Beat Mazenauer, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt Stiftung realisiert.

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