«Abzocke»: Neue Billettautomaten in Schaffhausen sorgen für Stunk
Check-in, Check-out: Die Schaffhauser Verkehrsbetriebe haben ein neues Bezahlsystem eingeführt. Doch nicht alle ÖV-Fans finden das praktisch.

Das Wichtigste in Kürze
- Das neue Bus-Bezahlsystem in Schaffhausen sorgt für Kritik.
- Die Mini-Automaten akzeptieren nämlich keine Münzen oder Twint, nur Kreditkarten.
- Das Vergessen des Check-outs kostet Fahrgäste pauschal 6.60 Franken.
- Die Verkehrsbetriebe Schaffhausen erklären sich bei Nau.ch.
Die neuen Automaten seien die «grösste Abzocke, die es gibt».
Ein Wut-Post zu den Verkehrsbetrieben Schaffhausen (VBSH) in einer lokalen Facebook-Gruppe geht gerade viral. Über 500 drückten auf «Gefällt mir», 30-mal wurde der Beitrag geteilt und über 300 Kommentare – mehrheitlich negativ.

«Und da wundert man sich, wenn die Leute mit dem Auto fahren», lautet der Top-Kommentar.
Was ist passiert?
Mitte Dezember haben die VBSH ein neues Bezahlsystem eingeführt. In den Bussen gibt es neu je einen Mini-Automaten.
Neues System richtet sich an Touris
Das Prinzip: Karte oder Smartphone hinhalten beim Einsteigen und dann erneut beim Aussteigen. Check-in, Check-out – analog zu Apps wie Fairtiq oder Easyride der SBB.
Sprecher Christoph Wahrenberger Meissner erklärt gegenüber Nau.ch: «Bei den VBSH kaufen weniger als drei Prozent der Fahrgäste unmittelbar bei Fahrtantritt ihr Ticket im Bus. Das neue System wurde darum als ergänzendes Restverkaufssystem konzipiert.»
Es richtet sich damit primär an Gelegenheitsfahrerinnen und Gelegenheitsfahrer sowie Touristinnen und Touristen.
Das System sei einfach zu bedienen – Vorwissen über Tarife oder Zonen brauche es nicht. «Für den Ticketkauf wird nur eine Zahlkarte benötigt. Für den Zweck, den es vorgesehen ist und war, hat es sich bewährt», sagt er.
Vor dem Hinhalten der Karte kann auch eine Halbtax-Vergünstigung ausgewählt werden. Oder es können Billetts für mehrere Personen gekauft werden.
Für die grosse Mehrheit der Kundschaft entfällt das Check-in. «Vielfahrer, wie beispielsweise Seniorinnen und Senioren, fahren besser und günstiger mit einer Mehrfahrtenkarte oder einem Abonnement.»
Mini-Automat akzeptiert weder Bargeld noch Münzen
Für besonders viel Stunk auf Facebook sorgt, dass der Mini-Automat weder Münz annimmt noch die Bezahlapp Twint akzeptiert. «Ein Verzicht auf Bargeld und Papier hilft, die Kosten des Vertriebs in den Fahrzeugen nachhaltig zu senken», bestätigt Wahrenberger Meissner.
In der Schweiz nutzen ohnehin bereits über 80 Prozent der Bevölkerung regelmässig eine Kreditkarte. «Daher ist es naheliegend, ein Restverkaufssystem zu wählen, das mit einer Kreditkarte als Zahlungsmittel und Trägermedium in einem funktionieren kann.»
Twint könne man nicht anbieten, da es nicht mit dem System vereinbar ist. Das Ein- und Auschecken kann nur mithilfe einer eindeutig identifizierbaren physischen oder digitalen Karte überprüft werden.
Wer mit Bargeld das Billett lösen will, könne dies entweder im Kundencenter oder an den stationären Billettautomaten kaufen. Diese gibt es an den Bahnhöfen sowie im Zentrum von Neuhausen am Rheinfall – und sie schlucken weiterhin Münzen.
Wer nicht auscheckt, muss blechen
Der Abzocke-Vorwurf im Facebook-Post bezieht sich aber auf etwas anderes: Wer nämlich das Check-out vor dem Aussteigen vergisst, muss pauschal 6.60 Franken blechen. Auch wenn man nur ein Einzelbillett von 3.30 Franken benötigen würde.
Das trifft allerdings nur wenige. Zwar lägen noch keine Zahlen vor, wie viele Fahrgäste vergessen, auszuchecken, sagt VBSH-Sprecher Christoph Wahrenberger Meissner.
Doch: «Aus Rückmeldungen von betroffenen Fahrgästen gehen wir aber von einzelnen Personen am Tag aus, die absichtlich oder unabsichtlich am Ende der Fahrt nicht auschecken.»
Gründe dafür sind auch, weil Passagiere mehrere Fahrten zurücklegen und eigentlich eine Tageskarte benötigen würden.
Anonyme Wertkarte geplant
Doch Probleme gebe es nicht nur beim neuen System. «Auch andere Fahrgäste lassen ihr Abonnement unabsichtlich zu Hause liegen. Oder sie vergessen beim Einsteigen, die Mehrfahrtenkarte zu entwerten.»
Noch seien keine Anpassungen am neuen System geplant, so Wahrenberger Meissner.
Die ÖV-Branche arbeite aber «mit Hochdruck an der Umsetzung einer anonymen, wiederaufladbaren Wertkarte». Die VBSH «sind selbstverständlich bereit, eine solche Lösung dann zu implementieren und umzusetzen, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind.»











