Die WHO veröffentlichte am Donnerstag einen Aktionsplan, der «Nulltoleranz für sexuelle Ausbeutung und Missbrauch und Nulltoleranz für Untätigkeit» vorgibt.
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus - POOL/AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine unabhängige Untersuchungskommission hatte einen verheerenden Bericht veröffentlicht.
  • 21 WHO-Mitarbeiter hatten demnach in DR Kongo dutzende Menschen sexuell missbraucht.

Nach dem Skandal um Vergewaltigungsvorwürfe durch UN-Mitarbeiter in der Demokratischen Republik Kongo hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) umfassende Reformen angekündigt. Die WHO veröffentlichte am Donnerstag einen Aktionsplan, der «Nulltoleranz für sexuelle Ausbeutung und Missbrauch und Nulltoleranz für Untätigkeit» vorgibt. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus versicherte, sich dafür einzusetzen, dass «das Leid der Überlebenden und ihrer Familien der Katalysator für einen tiefgreifenden Wandel» der Institution sei.

Eine unabhängige Untersuchungskommission hatte Ende September einen verheerenden Bericht veröffentlicht, in dem festgestellt wurde, dass 21 der damaligen WHO-Mitarbeiter während des Ebola-Ausbruchs 2018 bis 2020 in der Demokratischen Republik Kongo dutzende Menschen sexuell missbraucht hatten. Die Kommission prangerte «strukturelle Versäumnisse» und «individuelle Fahrlässigkeit» innerhalb der UN-Organisation an. Der WHO-Chef entschuldigte sich daraufhin bei den Opfern. Wichtige Geldgeber wie die USA und die EU forderten rasche Massnahmen.

Die Ergebnisse der Untersuchungskommission seien «entsetzlich», schrieb Tedros im Vorwort des nun vorgestellten Massnahmenkatalogs. Sexuelle Gewalt sei «immer inakzeptabel, aber sie ist besonders abscheulich, wenn sie von den Menschen begangen wird, die für ihren Schutz zuständig sind», schrieb er. Ziel ist es laut Tedros, «eine Kultur zu schaffen, in der sexuelle Ausbeutung und sexueller Missbrauch keinen Platz haben, in der es keine Straffreiheit gibt und in der Untätigkeit nicht toleriert wird».

Plan sieht Sofortmassnahmen vor

Die Organisation mit ihren 8000 Mitarbeitern weltweit hat zunächst 7,6 Millionen Dollar (knapp 7 Millionen Franken) bereitgestellt, um ihre Kapazitäten zur Prävention, Aufdeckung und Reaktion auf mutmassliche sexuelle Übergriffe in zehn Ländern, darunter Afghanistan, Äthiopien und Venezuela, zu stärken. Der Plan sieht Sofortmassnahmen wie die Unterstützung von Opfern und mehr Kontrollen vor.

Mittelfristig strebt die WHO eine «vollständige Überholung» durch eine «umfassende Reform der Strukturen und der Kultur» an. Die Organisation erklärte, sie wolle «Opfer und Überlebende» in den Mittelpunkt ihrer Massnahmen stellen und «die Rechenschaftspflicht des Einzelnen und des Managements stärken».

Sie will auch die kulturellen und strukturellen Faktoren untersuchen, die zu sexuellen Übergriffen in der Demokratischen Republik Kongo geführt haben. In dem Bericht heisst es, dass die mangelnde Ausgewogenheit der Geschlechter in der operativen Führung und den Einsatzteams der WHO zu einem erhöhten Risiko sexuellen Missbrauchs beigetragen haben könnte.

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