Die Lage in Kasachstan bleibt übersichtlich. Medien berichten von Explosionen und Schiessereien in Almaty. Bislang sind mindestens 44 Menschen gestorben.
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Sicherheitskräfte gehen har gegen die Demonstranten vor. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Medien berichten von Schiessereien und Explosionen in der kasachischen Stadt Almaty.
  • Sicherheitskräfte patrouillieren in gepanzerten Fahrzeugen.
  • Wegen der schweren Unruhen lässt das Land keine Ausländer einreisen.

Die Lage in der von Ausschreitungen schwer erschütterten Republik Kasachstan in Zentralasien bleibt unübersichtlich. Das Staatsfernsehen meldete in der Nacht zum Samstag, dass die Sicherheitskräfte in mehreren Städten des Landes weiter gegen Demonstranten vorgingen. Diese Angaben liessen sich nicht unabhängig überprüfen. Die Einsätze konzentrierten sich zuletzt auf die Millionenstadt Almaty, in der es seit Tagen Unruhen gibt.

An mindestens zwei Plätzen der Wirtschaftsmetropole gab es dem Portal Vlast.kz zufolge Schiessereien. Es sei zudem zu Explosionen gekommen.

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Schwerbewaffnete Bereitschaftspolizisten blockieren in Almaty eine Strasse, um Demonstranten aufzuhalten. Foto: Vladimir Tretyakov/AP/dpa - dpa-infocom GmbH

Augenzeugen hätten von einem brennenden Auto berichtet. Sicherheitskräfte patrouillierten in gepanzerten Fahrzeugen. Auch in der Nacht drangen unabhängige Informationen von dort nur spärlich ins Ausland. Das Internet war zumindest zeitweise abgeschaltet. Ausländer werden derzeit nicht in die Ex-Sowjetrepublik gelassen.

Präsident spricht von «Terroristen»

Präsident Kassym-Schomart Tokajew sprach am Abend von bis zu 20'000 «Terroristen», die in Almaty in mehreren Wellen angriffen. Die «Banditen und Terroristen» seien gut ausgebildet und organisiert.

Das an Öl- und Gasvorkommen reiche Land an der Grenze zu China erlebt seit Tagen die schwersten Ausschreitungen seit Jahren. Auslöser der Unruhen in der autoritär regierten Republik war vor gut einer Woche Unmut über gestiegene Gaspreise. Die Demonstrationen schlugen in – auch gewaltsame – Proteste gegen die Staatsführung um. Viele Menschen sind frustriert über Korruption und Machtmissbrauch im Land.

Über 4000 Festnahmen und 26 tote Demonstranten

An diesem Samstag wird damit gerechnet, dass die Behörden weitere Angaben zu Todesopfern und Festnahmen machen. Das Staatsfernsehen berichtete am Freitag, dass bereits 26 Demonstranten getötet worden seien. Zudem habe es landesweit mehr als 4000 Festnahmen gegeben. Befürchtet wurde, dass es nun noch viele weitere zivile Todesopfer geben könnte. Offiziellen Angaben zufolge starben bislang auch mindestens 18 Polizisten und Soldaten.

Präsident Tokajew hat den Sicherheitskräften einen Schiessbefehl gegen Demonstranten erteilt. Er verteidigte dies in der Nacht bei Twitter, es werde keine Gespräche mit «Terroristen» geben, die Menschen getötet und Gebäude angezündet hätten.

Nato fordert Respektierung der Menschenrechte

Das Vorgehen löste im Westen Besorgnis aus. In Berlin rief Kanzler Olaf Scholz zu einem Ende der Gewalt auf. Er appellierte an die autoritäre Führung in Nur-Sultan: «Bitte kommt zurück zu einer friedlichen Weiterentwicklung im Land.»

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, das Bündnis und seine Mitgliedstaaten seien sehr besorgt und bedauerten die Todesfälle. Es sei wichtig, dass die Gewalt ende und dass Menschenrechte respektiert würden. Dazu zählte er das Recht auf friedliche Demonstrationen.

Der Unmut der Demonstranten richtete sich auch gegen den autoritären Ex-Langzeit-Machthaber Nursultan Nasarbajew. Der heute 81-Jährige trat zwar 2019 zurück. Er galt aber weiterhin als mächtigster Mann im Staat. Tokajew setzte ihn am Mittwoch als Chef des Sicherheitsrats ab. Seither gab es Gerüchte, der 81-Jährige habe das Land verlassen.

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Der ehemalige Präsident Kasachstans Nursultan Nasarbajew. - Keystone

Am Freitagabend telefonierte der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko mit Nasarbajew, wie die Staatsagentur Belta in Minsk meldete. Es sei um die Lage in Kasachstan gegangen. Es wurden aber keine Angaben zum Aufenthalt des Ex-Präsidenten gemacht.

Tokajew hatte überraschend ein von Russland dominiertes Militärbündnis um Unterstützung gebeten. Die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit entsandte nach eigenen Angaben insgesamt 2500 Soldaten der Bündnispartner nach Kasachstan, darunter russische Fallschirmjäger. Das löste im Westen Sorgen aus.

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Einsatzkräfte besteigen ein russisches Militärflugzeug - Russian Defence Ministry/AFP

Dazu sagte der Osteuropa-Experte Alexander Libman von der Freien Universität Berlin dem Portal «Watson»: «Ich bin erschüttert darüber, wie schnell Kasachstan um militärische Hilfe bat – und wie schnell es sie auch bekam.» Russlands Präsident Wladimir Putin nutze die Lage. «Aber ich kann noch nicht nachvollziehen, von wessen Seite die Initiative kommt. Es sieht nicht so aus, als käme sie von Russland, weil Kasachstan sehr souverän war und immer aufgepasst hat, eine Abhängigkeit von Russland zu vermeiden.»

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