Thailand fliegt Angriffe auf Militärziele in Kambodscha
Erstmals seit Jahren hat Thailand wieder Luftangriffe auf militärische Ziele im Nachbarland geflogen. Beide Länder geben sich die Schuld an der Eskalation.

Das Wichtigste in Kürze
- Thailand hat gezielte Luftangriffe auf kambodschanische Militärziele geflogen.
- Beide Länder werfen sich gegenseitig Provokationen und Angriffe entlang der Grenze vor.
- Der von Trump vermittelte Waffenstillstand gilt nach der Eskalation als akut gefährdet.
Der Konflikt zwischen Thailand und Kambodscha ist erneut eskaliert. Am Montag flog die thailändische Luftwaffe Luftangriffe auf kambodschanisches Militärgebiet, nachdem entlang der umstrittenen Grenze schwere Gefechte ausgebrochen waren.
Die Luftangriffe fanden unter anderem in der Nähe des Hindu-Tempels Prasat Preah Vihear, der von beiden südostasiatischen Ländern beansprucht wird.
Die Attacken markieren die gefährlichste Zuspitzung seit Jahren – und könnten den brüchigen Friedensplan vollständig zum Einsturz bringen.
Thailand sieht Angriffe als Reaktion
Die Royal Thai Air Force teilte mit, sie habe ausschliesslich militärische Infrastruktur angegriffen, darunter Waffenlager, Kommandoposten und logistische Routen, die als «direkte Bedrohung» eingestuft worden seien.
Kambodscha habe schwere Waffen verlegt, Truppen repositioniert und Feuerunterstützung vorbereitet, hiess es zur Begründung.

Ein hoher thailändischer Offizier erklärte, die Angriffe seien eine Reaktion auf einen kambodschanischen Artilleriebeschuss, bei dem am Montagmorgen ein thailändischer Soldat getötet und zwei weitere verletzt worden seien. Später lautete die Zahl der Verletzten acht.
Kambodscha habe zuerst militärische und zivile Ziele in Thailand mit Granaten und Raketen beschossen.
Die Ziele hätten sich im Gebiet des Chong-An-Ma-Passes befunden, von wo aus Kambodscha «Artillerie und Mörser» gegen einen thailändischen Stützpunkt eingesetzt habe. Die thailändische Armee berichtet zudem, Kambodscha habe bereits gegen 3 Uhr morgens die Grenzregion beschossen.
Kambodscha weist Vorwürfe zurück
Kambodschas Verteidigungsministerium reagierte umgehend und sprach auf X von «falschen Informationen». Das Land habe seinerseits «die grösste Zurückhaltung gewahrt» und das Feuer nicht erwidert, sagte der Sprecher.
In einer separaten Stellungnahme warf die kambodschanische Armee hingegen Thailand vor, kurz nach 5 Uhr morgens «einen Angriff auf kambodschanische Kräfte» gestartet zu haben – und verwies auf «zahlreiche provokative Aktionen» Bangkoks in den Tagen zuvor.
Thailand habe neben F16-Kampfjets auch Gas eingesetzt, erklärte Ministeriumssprecher Maly Socheata. Um was für ein Gas es sich gehandelt haben soll, wurde nicht näher beschrieben.
Der Schlagabtausch zeigt: Beide Seiten machen einander für die Eskalation verantwortlich.

Auf beiden Seiten der Grenze flüchteten Anwohner Medienberichten zufolge aus ihren Wohngebieten.
Etwa 70 Prozent der thailändischen Zivilbevölkerung entlang der Grenze wurden evakuiert. Beim Abtransport kam ein Zivilist ums Leben, laut Behörden aufgrund einer «vorbestehenden medizinischen Erkrankung».
Trumps bröckelnder Friedensplan
Die Angriffe stellen auch die internationale Diplomatie bloss. Erst im Juli hatten Thailand und Kambodscha nach einem fünftägigen Grenzkrieg mit dutzenden Toten einem Waffenstillstand zugestimmt – vermittelt durch US-Präsident Donald Trump.
Im Oktober folgte ein erweitertes Abkommen in Kuala Lumpur, in Anwesenheit Trumps und Malaysias Premier Anwar Ibrahim. Trump feierte das Ereignis als grossen diplomatischen Erfolg.

Doch bereits wenige Wochen später geriet die Vereinbarung ins Wanken: Thailand stoppte die Umsetzung des Abkommens, nachdem eine Landminenexplosion mehrere thailändische Soldaten verletzt hatte.
Nun, mit den Luftangriffen, steht der Waffenstillstand praktisch vor dem Aus. Der Konflikt um den Verlauf der 800 Kilometer langen Grenze beider Länder schwelt bereits seit Jahrzehnten.











