5 Fragen an UBS-Ökonom: Würgt Ölpreis die Schweizer Wirtschaft ab?
Der Iran-Krieg schürt auch wirtschaftliche Ängste. UBS-Ökonom Alessandro Bee gibt Antwort auf die drängendsten Fragen.

Das Wichtigste in Kürze
- Es ist noch zu früh, um Auswirkungen auf die Konjunktur feststellen zu können.
- Bleibt die Strasse von Hormus länger geschlossen, schlägt sich das im Ölpreis nieder.
- Sollte der Ölpreis längerfristig sehr hoch bleiben, erwartet die Wirtschaft einen Dämpfer.
Der Iran-Krieg und der rasant gestiegene Ölpreis lassen Ängste über eine schlechtere Konjunkturentwicklung aufkommen. UBS-Ökonom Alessandro Bee gibt Antwort auf die brennendsten Fragen.
Die Aktienmärkte rauschen in die Tiefe. Sind auch schon erste Auswirkungen auf die globale Konjunktur zu sehen?
Alessandro Bee: Im Moment ist es noch zu früh, um handfeste Auswirkungen auf die globale Konjunktur feststellen zu können.
Erste Auswirkungen dürften vor allem in den Stimmungsindikatoren der Unternehmen zu sehen sein, zum Beispiel den Einkaufsmanagerindizes.
Da wird man bis Ende März oder bis zum Beginn des Aprils warten müssen, um einen ersten Eindruck gewinnen zu können, wie die globale Wirtschaft auf die Ereignisse im Nahen Osten reagiert.
Vielleicht werden früher Verzögerungen oder Unterbrechungen der globalen Lieferketten oder der Energieflüsse sichtbar, wenigstens auf anekdotischer Basis. Auf der Konsumseite dürften die ersten Auswirkungen auch zuerst in Konsumentenumfragen zu sehen sein.
Vor allem der Ölpreis ist in den vergangenen Tagen massiv gestiegen und notiert schon deutlich über 100 USD (Brent). Erwarten Sie einen weiteren Anstieg?
Alessandro Bee: Ob der Ölpreis weiter ansteigt, hängt von der Entwicklung im Nahen Osten ab.
Falls sich abzeichnet, dass die Strasse von Hormus für einen längeren Zeitraum geschlossen bleibt und Förderkapazitäten in der Region mittel- bis längerfristig beschädigt sind, könnten die Preise weiter steigen.
Sollten hingegen die Spannungen in den kommenden Wochen nachlassen und das Ölangebot aus der Region wieder ungehindert fliessen, ist mit deutlich tieferen Preisen zu rechnen.
Wird sich das auch rasch auf die hiesige Inflation auswirken?
Alessandro Bee: Ein Anstieg der Erdölpreise schlägt rasch auf die Benzin- und Heizölpreise und damit auf die Inflation durch.
Ob sich der jetzt zu beobachtende Anstieg der Ölpreise dann auch auf die Konsumentenpreise im Allgemeinen auswirkt, hängt davon ab, wie lange die Preise auf einem hohen Niveau bleiben.
Wenn der Erdölpreis nur kurze Zeit nach oben ausschlägt, dürften die Anbieter darauf verzichten, die Preise spürbar zu erhöhen.
Wenn wir eine längere Periode mit höheren Ölpreisen sehen, dürfte sich das auch in den Güterpreisen und möglicherweise später in den Dienstleistungspreisen widerspiegeln.
Ab welcher Ölpreishöhe wird es für die Schweizer Wirtschaft kritisch und bei welchen Schweizer Branchen wird man zuerst einen Dämpfer sehen?
Alessandro Bee: Ob ein hoher Ölpreis der Schweizer Wirtschaft schadet, hängt mehr davon ab, wie lange er auf einem hohen Niveau bleibt, als davon, wie hoch er kurzfristig steigt.
Sollte der Ölpreis längerfristig über der Marke von 100 Dollar pro Barrel verweilen, würde das für die Schweizer Wirtschaft einen Dämpfer bedeuten.
Die grösste Wirkung würde wahrscheinlich von einer Abkühlung der globalen Konjunktur ausgehen, und damit wäre der Exportsektor am meisten betroffen. Die Schweizer Binnenwirtschaft selber ist eher wenig anfällig auf Ölpreisschwankungen.
AWP: Werden Sie Ihre Konjunkturprognose schon bald anpassen müssen?
Alessandro Bee: Wenn sich abzeichnet, dass die Eskalation der Spannungen im Nahen Osten und damit auch der Anstieg der Ölpreise längerfristiger Natur sind, würde das auch zu einer Anpassung unserer Konjunkturprognose führen.
Wichtig ist jedoch hervorzuheben, dass die Weltwirtschaft in dieser Krise in einer robusten Verfassung ist. Zentrale Wachstumstreiber, allen voran die unterstützende Fiskalpolitik in den USA, Deutschland und Japan, bleiben weiterhin bestehen.















