So realistisch ist Entwaffnung der Hamas tatsächlich
Donald Trump verkündet, die Hamas habe ihrer eigenen Entwaffnung zugestimmt. Terror-Experte Hans-Jakob Schindler bremst die Euphorie.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Hamas hat laut Donald Trump ihrer Entwaffnung zugestimmt.
- Terror-Experte sieht Chancen, warnt aber vor verfrühter Euphorie.
- Die Türkei könnte entscheidenden Druck auf die Hamas ausüben.
- Israels Wahlkampf könnte den Plan noch zum Scheitern bringen.
US-Präsident Donald Trump hat überraschend eine angebliche Einigung zur vollständigen Entwaffnung der Hamas verkündet.
Nun stellt sich vor allem eine Frage: Wie realistisch ist das wirklich?
Terrorismus-Experte Hans-Jakob Schindler hält den angekündigten Deal grundsätzlich für eine bedeutende Chance.
Doch: Er warnt davor, Trumps Ankündigung bereits als Durchbruch zu feiern.
Schindler sagt zu Nau.ch: «Sollte die Einigung tatsächlich umgesetzt werden, wäre das ein sehr entscheidender Schritt hin zu einer Beruhigung des Konflikts im Gazastreifen.»
Türkei könnte entscheidenden Druck ausüben
Entscheidend sei, dass die Vereinbarung nicht nur von den USA vorangetrieben wurde. Ausgehandelt worden sei sie vom sogenannten «Board of Peace», hinter dem mehrere wichtige Staaten der Region stünden.
Besonders hebt Schindler die Türkei hervor. Dort liefen wichtige Knotenpunkte des weltweiten Finanzierungsnetzwerks der Hamas zusammen.

«Die Türkei hat deshalb durchaus die Möglichkeit, Druck auf die Hamas auszuüben», sagt der Terrorismus-Experte.
Genau deshalb sieht er «eine Chance», dass die Terrororganisation einer Entwaffnung letztlich auch öffentlich zustimmen könnte.
Dennoch gelte: «Wie bei allen solchen Vereinbarungen ist die Sache erst sicher, wenn sie tatsächlich umgesetzt wird.»
Hamas könnte sich erstmals Vorteile versprechen
Dass von der Hamas bisher noch keine offizielle Bestätigung vorliegt, überrascht Schindler nicht.
Trotzdem sieht er mehrere Gründe, weshalb sich die Organisation diesmal auf den Vorschlag einlassen könnte.
Zum einen scheine die Hamas zunehmend enttäuscht über die Unterstützung durch den Iran zu sein.
Die Führung habe offenbar gehofft, dass der Konflikt zwischen Israel, den USA und dem Iran ihre Verhandlungsposition stärken würde. Das sei jedoch nicht eingetreten.
Hinzu komme, dass der aktuelle Friedensplan der Hamas mehrere Zugeständnisse mache. So sollen die Waffen nicht an Israel übergeben werden, sondern an ein palästinensisches National Committee.
Auch die Kontrolle der Entwaffnung soll nicht Israel übernehmen, sondern eine internationale Stabilisierungstruppe.
Ausserdem sieht der Plan laut Schindler vor, dass palästinensische Milizen, die der Hamas feindlich gegenüberstehen, aufgelöst werden.

Damit sinke das Risiko von Vergeltungsaktionen gegen Hamas-Mitglieder nach einer Entwaffnung.
Israels Wahlkampf könnte zum Problem werden
Ob die Vereinbarung tatsächlich umgesetzt wird, hängt laut Schindler aber nicht nur von der Hamas ab.
«Das Timing ist für die israelische Seite nicht ideal», sagt er. Der Vorschlag falle mitten in die heisse Phase des Wahlkampfs.
Deshalb sei unklar, ob die aktuelle Regierung politisch überhaupt in der Lage oder willens sei, einer solchen Vereinbarung zuzustimmen.
Vor allem der geplante Rückzug der israelischen Armee dürfte umstritten sein. Dieser soll bereits während der schrittweisen Übergabe der Hamas-Waffen beginnen.
Frieden noch lange nicht garantiert
Selbst wenn die Hamas ihre Waffen tatsächlich abgeben sollte, wäre der Konflikt in der Region laut Schindler keineswegs gelöst.
Noch fehle eine offizielle Zustimmung sowohl der Hamas als auch der israelischen Regierung. Zudem gebe es auf beiden Seiten Hardliner, die jede Einigung ablehnten.
Eine Entwaffnung wäre dennoch ein wichtiger Schritt.
Sie würde nicht nur den Wiederaufbau des Gazastreifens erleichtern, sondern auch die humanitäre Lage langfristig verbessern. Zudem die Macht der Hamas sowie den Einfluss des iranischen Regimes in der Region schwächen.
«Eine Beruhigung des Gazastreifens allein reicht zwar nicht aus, um die Region nachhaltig zu stabilisieren», sagt Schindler. «Sie wäre aber ein wichtiger Schritt in diese Richtung.»



















