Die Präsidentschaftswahl in Libyen kann nach Angaben des Parlaments nicht wie geplant an diesem Freitag stattfinden. Zu vieles sei noch unklar.
Libyen
Männer vor libyschen Fahnen. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Am 24. Dezember hätte in Libyen ein neuer Präsident gewählt werden sollen.
  • Doch der Termin könne nicht eingehalten werden, so das Parlament.
  • Vieles ist noch unklar in Punkto Ablauf, Wahlgesetz und Kandidaten.

Der Termin am 24. Dezember sei unmöglich einzuhalten, hiess es in einem Schreiben des für Wahlbeobachtung zuständigen Parlamentsausschusses, über das libysche Medien am Mittwoch berichteten. Ein neuer Termin für die Abstimmung wird in dem Brief nicht genannt.

Mit der Präsidentschaftswahl ist eigentlich die Hoffnung verbunden, das nordafrikanische Land nach mehr als zehn Jahren Bürgerkrieg wieder zu stabilisieren. Die Vereinten Nationen und wichtige Staaten haben die Wahl deshalb unterstützt.

Sehr vieles unklar

Eine Verschiebung der Abstimmung hatte sich in den vergangenen Tagen immer stärker abgezeichnet. Am Dienstag zeigten sich die Vereinten Nationen nach Truppenbewegungen in der Hauptstadt Tripolis besorgt über die dortige Sicherheitslage. Seit Wochen streiten sich die Konfliktparteien zudem über das Wahlgesetz, einzelne Kandidaten und den Ablauf der Abstimmung. Die Wahlkommission hat noch immer keine abschliessende Liste der zugelassenen Kandidaten veröffentlicht.

Insgesamt haben knapp 100 Bewerber Unterlagen für eine Kandidatur eingereicht. Darunter ist General Chalifa Haftar, der mit seinen Truppen versucht hatte, Tripolis einzunehmen. Antreten will auch Saif al-Islam al-Gaddafi, Sohn von Ex-Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi. Ihm wird vorgeworfen, die brutale Niederschlagung von Protesten gegen seinen Vater unterstützt zu haben. Umstritten ist auch die Kandidatur von Ministerpräsident Abdul Hamid Dbaiba.

haftar
General Chalifa Haftar unterstrich seine Ambitionen auf die Präsidentschaft, in dem er mit seinen Truppen versuchte, Tripolis zu besetzen. - sda - Keystone/AP/Thanassis Stavrakis

Der Bürgerkrieg in Libyen brach 2011 nach dem Sturz Gaddafis aus. Zahlreiche Milizen sind in dem Land aktiv. Zeitweise konkurrierten mehrere Regierungen um die Macht. Das Chaos trug dazu bei, dass sich der nordafrikanische Staat in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Transitland für Migranten entwickelte, die über das Mittelmeer nach Europa kommen wollen.

Mehr zum Thema:

Muammar al-Gaddafi Abstimmung Vater Islam Staat Parlament