Pakistan intensiviert Rückführung von Afghanen
Mit einer Verschärfung der Regelungen für afghanische Flüchtlinge intensiviert Pakistan deren Rückführungen ins Nachbarland.

Seit zehn Tagen setzt Islamabad eine Direktive um, nach der Afghanen, die ohne Visum in Pakistan leben, festgenommen werden sollen. Seither habe sich die an Grenzübergängen registrierte Zahl der ausreisenden Afghanen mehr als verdoppelt, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur (dpa) von Beamten in den jeweiligen Regionen.
Seit der Durchsetzung der Massnahmen am 10. Juli sei die Zahl der Afghanen, die täglich am Grenzübergang Torkham nach Afghanistan reisten, von 1.000 auf 2.500 gestiegen, sagt Fazl Rabi, Flüchtlingskommissar in der nordpakistanischen Stadt Peshawar.
«Die gegenwärtige Abschiebewelle führt zu einem Klima der Angst unter den afghanischen Flüchtlingen», sagt Moniza Kakar, eine Anwältin in der Hafenmetropole Karachi. Pakistanische Medien berichten über afghanische Studenten, die wegen der Intensivierung von Ausweisungen ihre Ausbildung hätten abbrechen müssen.
In einem aktuellen Bericht des UN-Flüchtlingswerks UNHCR heisst es, Rückkehrer nach Afghanistan seien eher von Druck als einer bewussten Entscheidung geleitet. Sie berichteten demnach von Angst vor Festnahme und Inhaftierung sowie von Schikane. Sie hätten kaum Bekannte, die sie bei ihrer Ankunft in Afghanistan unterstützten.
Seit September 2023 forciert Pakistan die Rückführung von Afghanen ins Nachbarland. In Jahrzehnten der Kriege in Afghanistan waren Millionen Menschen in die Nachbarländer Iran und Pakistan geflohen. Afghanische Flüchtlinge leben in Pakistan teilweise in der dritten Generation.
Im August 2021 hatten die islamistischen Taliban in einer überraschenden Offensive Afghanistan erneut eingenommen. Seither sind nach UNHCR-Angaben insgesamt knapp 3,9 Millionen Menschen aus dem Iran und Pakistan nach Afghanistan zurückgekehrt. Etwa die Hälfte (46 %) seien Abschiebungen gewesen.
Afghanistan durchläuft derzeit eine schwere humanitäre Krise. Mindestens 3,7 Millionen Kleinkinder gelten als akut mangelernährt. Mehr als 90 Prozent der Rückkehrer leben nach Angaben der UNHCR von weniger als 5 US-Dollar am Tag.










